Interne Untersuchungen, gesellschaftsrechtliche Auseinandersetzungen, Steuerrecht oder Kartellverfahren – das rechtliche Risikomanagement boomt und spült immer mehr Geld in die Kassen der Kanzleien. Selbst ,neutrale‘ Gebiete mit Transaktionsbezug wie Kartell-, Bank- und Gesellschaftsrecht verdanken ihre Stabilität vor allem der Tatsache, dass die Beratung immer häufiger Krisenbezug hat.
Grund dafür ist eine Veränderung des gesellschaftlichen und regulatorischen Umfelds, die vor rund zehn Jahren begonnen hat. Wirtschaftsdelikte sind nicht länger lässliche Sünden. Vorstände stürzen, Gerichte nehmen Aufsichtsräte stärker in die Pflicht.
Auch im M&A-Geschäft ändert sich der Blick auf Risiken. So wollen Finanzinvestoren ihre Beteiligungen – aus Angst vor einem Reputationsschaden – intensiver und breiter geprüft sehen, Themen wie Menschenrechte oder Umweltschutz beginnen eine Rolle zu spielen. Auch politische Risiken nehmen im frostiger werdenden Klima der Weltwirtschaft zu und bekommen eine rechtliche Komponente: Erfahrung an der Schnittstelle zu Regulierung und anderen politiknahen Feldern ist gefragt.
Diese Entwicklung beeinflusst auch die Struktur von Deals. So werden die Verkaufskandidaten vorab gesellschafts- und steuerrechtlich neu strukturiert. Viele Kanzleien hatten in den vergangenen Jahren stärker zwischen Gesellschaftsrecht und M&A differenziert. Nun aber sehen manche es wieder als Wettbewerbsvorteil, wenn sich beides in einem Anwalt vereint. Auch die Prüfung wertbeeinflussender rechtlicher Probleme aus dem Kartellrecht, aus Embargoverstößen oder dem verschärften Außenwirtschaftsrecht wird zunehmend weit vorverlagert.
Wo die Transaktionsberatung aufgrund von Risiken komplexer wird, steigen die Honorare. Auf das Standardgeschäft drücken allerdings Entwicklungen, die in die entgegengesetzte Richtung wirken. Es sind Standardisierung, ein wachsendes Kostenbewusstsein der Mandanten, professionellere Inhouse-M&A-Teams und der zunehmende Einsatz von Technologie, nicht nur bei Due Diligences.
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