Risikomanagement: Nachlässigkeit ist keine Option

Kanzleien verdienen immer mehr Geld mit rechtlichem Risikomanagement, sei es mit internen Untersuchungen, gesellschaftsrechtlichen Auseinandersetzungen, Steuerrecht oder Kartellverfahren. Doch je intensiver die Behörden Unternehmen durchleuchten, desto mehr geraten die Berater selbst in die Schusslinie.

In die Transaktionsberatung haben viele Kanzleien viel Geld investiert und verdienen noch immer exzellent mit komplexen, großvolumigen Transaktionen. Die Partnerstundensätze stagnieren jedoch

Zeichen der Zeit

, und Teile der Arbeit sind dank Softwareeinsatz nicht mehr so profitabel wie einst (Revolution auf leisen Sohlen. Demgegenüber steigen die Honorare dort, wo eine Krise zu vermuten ist. Selbst ,neutrale‘ Gebiete mit Transaktionsbezug wie Kartell-, Bank- und Gesellschaftsrecht verdanken ihre Stabilität vor allem der Tatsache, dass die Beratung immer häufiger Krisenbezug hat.

Seit rund zehn Jahren verändern sich gesellschaftliches und Regulierungsumfeld. Wirtschaftsdelikte sind nicht länger lässliche Sünden. Rechts- und Compliance-Verantwortliche bekamen das zuerst zu spüren (Evolution der zwei Geschwindigkeiten). Nachdem die ersten Vorstände gestürzt waren und Gerichte Aufsichtsräte stärker in die Pflicht nahmen, wandelte sich aber auch die Haltung zu externen Rechtsberatern: Aus Sicht mancher Wirtschaftsstaatsanwaltschaften und Steuerermittler sind sie Interessenvertreter und nicht qua Amt vertrauenswürdig. Der Nimbus des ,Organs der Rechtspflege‘ wackelt. Nachlässigkeiten können sich Kanzleien immer weniger erlauben.

Vor allem in vielen mittelständischen Kanzleien fehlt es aber – im Glauben daran, dass das Berufsrecht die Grenzen schon ziehen wird und dass die Kammern nicht allzu intensiv nachforschen – oft an Compliance-Strukturen. Interessenkonflikte werden zwar geprüft, doch Themen wie Geldwäsche und IT-Sicherheit sind häufig noch Nebenjobs von Partnern. Großkanzleien, vor allem internationale, unterhalten hingegen meist ganze Teams, die die Abläufe überwachen. Und die Investitionen wirtschaftsberatender Kanzleien ins Risikomanagement werden weiter steigen.

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