Nächste Insolvenz-Etappe

UDI-Gruppe nach Eigenverwaltung nun in Regelverfahren

Im Anlegerskandal rund um die Öko-Investmentgruppe UDI hat das Amtsgericht Leipzig ein Machtwort gesprochen und erste Fremdverwaltungen über Gesellschaften der Gruppe eröffnet. Insolvenzverwalter ist Dr. Jürgen Wallner von Wallner Weiß, der auf die Generalbevollmächtigten aus den vorläufigen Eigenverwaltungen trifft.

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Jürgen Wallner
Jürgen Wallner

Die 1998 in Roth bei Nürnberg gegründete UDI-Gruppe ist ein Finanzvertrieb, der sich auf erneuerbare Energien spezialisiert hat. Sie umfasst etwa 120 Gesellschaften und hat zahlreiche Finanzinstrumente vermittelt, darunter Nachrangdarlehen. Zu diesen Nachrangdarlehen gab es mehrere Abwicklungsanordnungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Hintergrund war eine veränderte, neue Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zu qualifizierten Nachrangklauseln.

Die BaFin hatte daraufhin die Nachrangdarlehen der UDI-Emittentinnen geprüft und die dort verwendeten Nachrangklauseln als unzureichend eingestuft. Sie forderte die Einstellung und Abwicklung des Einlagengeschäfts für mehrere der Gesellschaften. Die Anlegergelder müssten unverzüglich und vollständig zurückgezahlt werden.

Sebastian Braun
Sebastian Braun

Im Frühling hatten daraufhin einige UDI-Gesellschaften beim Amtsgericht Leipzig Anträge auf Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung gestellt. In diesen vorläufigen Verfahren stieg der Tauberbischofsheimer Namenspartner Dr. Sebastian Braun der Boutique Reinhart Kober Großkinsky Braun als Generalbevollmächtigte in die Geschäftsleitung ein. Sascha Borowski, seit diesem Jahr Partner bei Buchalik Brömmekamp in Düsseldorf, beantragte die Insolvenz sowie die Eigenverwaltung für die Gesellschaften und beriet in kapitalmarktrechtlichen Fragen. Der Dresdner Insolvenzrechtler Wallner wurde vorläufiger Sachwalter.

Das Tandem Wallner Weiß und Braun hat eine längere Historie. Braun war zuletzt Generalbevollmächtigter bei Dradura, wo der andere Namenspartner Rüdiger Weiß sachwaltete. Braun betreute unter anderem auch die zweite Insolvenz des Fernsehherstellers Loewe im Jahr 2019 mit Weiß als Sachwalter. Beide waren früher schon beim Entsorgungsdienstleister ELS aktiv.

Gericht ändert die Verfahrensweise

Doch den Anträgen auf Eigenverwaltung gab das Amtsgericht letztlich nicht statt. Unter anderem hätte wohl das Problem einer Interessenkollision bestanden und das zwischenzeitlich eingegangene Angebot für einen Schuldenschnitt Probleme eines Insichgeschäfts aufwerfen können.

So hat das Gericht Anfang September über acht Emittentinnen von Nachrangdarlehen aus den Jahren 2011 bis 2015 Fremdverwaltungen eröffnet. Betroffen sind die Nachrangdarlehen UDI Energie Festzins II bis IX der Emittentinnen UDI Energie Mix Festzins sowie die Anlage-Vehikel UDI Energie Festzins III bis IX. Wallner ist dabei Verwalter in einem Gruppenverfahren mit gemeinsamem Gerichtsstandort.

Die Gläubiger können noch bis Anfang Oktober ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden. Laut UDI warten rund 6.000 Anleger auf eine Gesamtsumme von 128 Millionen Euro. Zahlreiche Anlegerkanzleien wie Mattil & Kollegen oder Dr. Greger und Collegen aus München vertreten deren Interessen. Die Gläubigerversammlungen sind für den 5. bzw. 12. November in Leipzig geplant.

Parallel ermittelt die Staatsanwaltschaft Nürnberg seit vergangenem Jahr gegen mehrere Verantwortliche der UDI-Gruppe. Dabei gehe es um den Verdacht der Untreue und des Betrugs.

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