Raus aus der Familienkiste

Autor/en
  • JUVE

Gucken Sie sich in der nächsten Partnerschaftsversammlung ganz genau um. Zählen Sie die Zahl der Hälse mit Krawatten und die ohne. Wenn Sie sich dann fragen, wie ein Hals ohne Krawatte eigentlich aussieht, sind wir beim Thema. Denn Frauen – das sind die Personen ohne Krawatte – besetzen nur zehn Prozent der Partnersitze. Ein lächerlicher Prozentsatz.

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Gemessen an der Gesamtbevölkerung wäre eine 50/50-Verteilung zu erwarten. Aber so lange Familienorganisation mit Frauen und Kinderbetreuung mit Müttern gleichgesetzt werden, stoppt die Karriere einer Anwältin mit dem ersten Kind.

Dabei klagen Managing-Partner großes Leid: Sie finden einfach keine Frauen für die Partnerschaft! Frauen wollen ja gar keine Karriere machen! Wo doch jede arbeiten darf, wann und wo sie möchte! Ein Tipp: Überdenken Sie Ihre Suchkriterien. Die Abschlusszahlen der Hochschulen zeigen klar, dass der Nachwuchs zur Hälfte weiblich ist. Auch der biologische Determinismus ist längst überholt: Aufstiegswillen und Machtbewusstsein hängen nicht vom Unterleib ab, sondern vom Charakter.

Entscheidend ist aber der dritte Punkt: viele Frauen – genauer: Mütter – arbeiten Teilzeit. Der Karrierekiller schlechthin. Denn gleich, wie viel eine Anwältin in einer 30 Stundenwoche mit Nachtarbeit tatsächlich leistet, die fehlende Präsenz schadet dem Aufstieg. Mit der geringeren Arbeitszeit sinkt die Verantwortung in Mandaten, schwindet die Wertschätzung von Kollegen. Hinzu kommt die längere Abwesenheit wegen Mutterschutz und Elternzeit. Danach den eigenen Business Case von Grund auf neu aufzubauen, zieht den nächsten Karriereschritt weit in die Länge.

Doch auch männliche Anwälte werden Eltern. Diese erstaunliche Erkenntnis breitet sich vor allem in der Generation Y aus. Elternzeit ist unter Männern kein Schimpfwort mehr, Teilzeit keine Schmach. Der unausweichliche Generationenwechsel löst die Problematik von innen heraus. (Désirée Balthasar)

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