Solarworld

Gipfeltreffen der Insolvenzrechtler

Das Amtsgericht Bonn hat den erfahrenen Sanierer Horst Piepenburg aus dem Düsseldorfer Büro von Piepenburg Gerling zum vorläufigen Insolvenzverwalter von Solarworld bestellt. Dort trifft er auf einen alten Bekannten: Görg-Partner Hans-Gerd Jauch ist bereits seit Jahren in die Restrukturierung des Krisenunternehmens eingebunden.

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Das Amtsgericht Bonn hat den erfahrenen Sanierer Horst Piepenburg aus dem Düsseldorfer Büro von Piepenburg Gerling zum vorläufigen Insolvenzverwalter von Solarworld bestellt. Dort trifft er auf einen alten Bekannten: Görg-Partner Hans-Gerd Jauch ist seit Jahren in die Restrukturierung des Krisenunternehmens eingebunden. Die Sanierungsexperten haben bereits in mehreren großen Fällen zusammengearbeitet.

Piepenburg_Horst
Piepenburg_Horst

Erst Ende April hatte die Bonner Solarworld den Quartalsbericht vorgelegt: Die Lage sei ernst, aber nicht hoffnungslos. Trotz aller Widrigkeiten, hervorgerufen durch chinesische Billigimporte und Streichung von Subventionen, seien die Absatzmengen im ersten Quartal angestiegen. Der Umbau von multi- auf monokristalline Hochleistungstechnologien laufe planmäßig. Zudem trügen die Sparmaßnahmen Früchte und die liquiden Mittel lägen Ende April bei 84 Millionen Euro, hieß es.

Zwölf Tage später kündigte eine Ad-hoc-Mitteilung die Zahlungsunfähigkeit und damit den bevorstehenden Insolvenzantrag an. Den bewilligte das Amtsgericht Bonn nun und bestellte den erfahrenen Sanierer Horst Piepenburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Piepenburg, der bekannt ist für seine Arbeit bei Babcock Borsig, SinnLeffers, Pfleiderer und IVG Immobilien, hatte sich zuletzt aus großen Verfahren etwas zurückgezogen. Nun ist er gleich zweimal in einer Woche zum Krisenmanager gerufen worden. Zwei Tage vor Solarworld hatte ihn das Mönchengladbacher Amtsgericht zum Sachwalter beim Zulieferer ATB Schorch gemacht, der sich in Eigenverwaltung sanieren will.

Görg ist schon seit Jahren an Bord

Während Piepenburg als Feuerwehrmann in die Bonner Solarworld-Zentrale geeilt ist und nun Gehaltsfortzahlung sichern, mit Gläubigern verhandeln und Geldgeber suchen muss, ist Hans-Gerd Jauch schon seit einigen Jahren mit den Höhen und Tiefen von Solarworld befasst. Das Görg-Team unter seiner Federführung kümmert sich seit 2013 um die Restrukturierung des Solarmodulherstellers, der schon länger finanziell angeschlagen ist. Letzter Ausweg waren seinerzeit ein Schuldenschnitt, Schuldenumwandlung und eine millionenschwere Finanzspritze des qatarischen Investors Qatar Solar. Klagen von Anlegern gegen die Maßnahmen musste Görg bis zum Bundesgerichtshof durchfechten.

Jauch_Hans-Gerd
Jauch_Hans-Gerd

Jauch und Piepenburg, die gemeinsam auf eine beachtliche Anzahl prominenter Insolvenz- und Sanierungsverfahren kommen, kennen sich spätestens seit 2002. Damals übernahm Piepenburg öffentlichkeitswirksam als Krisenmanager die Geschäfte des Industrieriesen Babcock Borsig. 22.000 Arbeitsplätze standen auf dem Spiel, für das Ruhrgebiet eine Katastrophe. Jauch kam als Geschäftsführer der Kraftwerkssparte von Babcock und weiterer Tochtergesellschaften, die später verkauft wurden.

Auch bei Arcandor arbeiteten die Sanierer bereits zusammen

2009 waren beide ins nächsten deutsche Großverfahren eingebunden – die Pleite des Handelskonzerns Arcandor. Piepenburg wurde  damals zunächst Generalbevollmächtigter des Konzerns, warf aber bald frustriert die Brocken hin, weil er sich von den Arcandor-Eigentümern zu wenig unterstützt fühlte. Er blieb jedoch im Auftrag des Insolvenzverwalters Klaus Görg, Kanzleigründer von Görg, als Berater erhalten. Jauch war in dieser Zeit Abwickler bei der Arcandor-Tochter Quelle und federführend beim Verkauf von Karstadt. 2011 erbte er die Rolle des Arcandor-Insolvenzverwalters von Klaus Görg, als dieser sich aus dem Mandat zurückzog.  

Während am Solarworld-Hauptsitz in Bonn und an den Standorten in Sachsen und Thüringen die 3.000 Mitarbeiter um ihre Jobs bangen, sorgen sich Aktionäre und Anleihegläubiger wieder um ihre Einlagen. Schon 2013 haben sie beim Schuldenschnitt viel Geld verloren, nun droht die nächste Pleite. Anlegeranwälte bringen sich in Stellung. Sie fragen, warum das Ausmaß der finanziellen Misere erst jetzt veröffentlicht wurde und wollen einen Verstoß gegen Ad-hoc-Pflichten prüfen.

Außerdem hängt das Damoklesschwert einer Vertragsstrafe aus den USA über dem Insolvenzverfahren: Umgerechnet 720 Millionen Euro soll Solarworld an seinen Lieferanten, den Siliziumhersteller Hemlock Semiconductor zahlen, weil Verträge nicht eingehalten wurden. Das entschied in erster Instanz ein Bezirksgericht in Michigan. Derzeit läuft noch ein Berufungsverfahren. Firmengründer und Vorstandsvorsitzende Frank Asbeck ist überzeugt, dass die Forderungen rechtlich nicht durchsetzbar sind. Rückstellungen hat er dafür jedenfalls nicht gebildet.

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