Zum Startteam gehört die Freshfields-Associate Dr. Annalisa Steiner (30). Als Teil des Litigation-Teams hat sie in der Vergangenheit an diversen tech-gestützten Massenverfahren mitgearbeitet und dafür mit den Legal-Tech-Teams und dem Freshfields Lab kooperiert. Freshfields gilt als Pionierin beim Einsatz von Legal Tech und KI, vor allem in großen Streitigkeiten und Massenverfahren.
Steiner war unter anderem Teil des Teams, das einen internationalen Internetkonzern bei einem der größten datenschutzrechtlichen Streitfälle Europas vertrat. Zum Einsatz kamen maßgeschneiderte Legal-Tech-Tools zum Verfahrensmanagement, die in enger Zusammenarbeit mit dem Freshfields Lab entwickelt wurden, sowie verschiedene Tools aus der Mass-Claims-Praxis der Kanzlei.
Start-up-Erfahrung im Gepäck
Steiner arbeitete in Tech-Fragen eng mit den zwei anderen Gründern von Boutiq ai zusammen − Tobias Warken (39) und Moritz Biersack (37). Warken ist Diplom-Kaufmann und hat in den letzten fünf Jahren bei Freshfields als Lead Legal Solutions Project Manager gearbeitet. Im Lab konzipierte er unter anderem Legal-Tech-Projekte, war im Legal Project Management aktiv und hat den Aufbau der weltweiten Client Delivery Group mitgestaltet. Der dritte im Bunde ist Moritz Biersack, der zuletzt als Lead Machine Learning Engineer bei Freshfields tätig war. Biersack bringt Erfahrung in Sachen Tech-Start-up mit: Er ist einer der drei Gründer des Legal-Tech-Start-ups Rfrnz, das sich 2021 auflöste. Ein Team um Biersack und Rfrnz-Mitgründer Dr. Adriaan Schakel wechselte damals zu Freshfields, um dort den Bereich Global Technology & Innovation zu verstärken.
Ein Tool, das passt
Mit Boutiq ai sollen verschiedene KI- und Tech-Tools an den Start gehen. „Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass es viele Tools am Markt gibt, die zwar gut sind, aber nur bis zu einem gewissen Punkt wirklich passen. Sie sind unflexibel – ein wirklicher Mehrwert ist dann oft nicht mehr gegeben“, erklärt Warken. „Hinter dem Schritt in die Selbstständigkeit steht die Idee, ein Tool zu bauen, das passt – oder zumindest einfach passend gemacht werden kann, auch über Rechtsgebiete hinweg.“
Viele Kanzleien stehen unter Druck, wettbewerbsfähig zu bleiben. Um dies zu erreichen, müssen sie KI- und Legal Tech-Anwendungen implementieren. Im Gegensatz zu den meisten Großkanzleien verfügen viele kleinere oder mittelständische Kanzleien nicht über große Budgets oder eigene Tech- und Entwicklerteams. Boutiq ai hat ein KI-gestütztes Automatisierungstool für Dokumentenanalyse- und verarbeitung entwickelt, das Kanzleien niederschwellig die Nutzung von KI ermöglichen soll. Eine Text-to-Solution-Plattform für Legal Tech soll in Zukunft Beschreibungen und Eingaben in maßgeschneiderte juristische Anwendungen und Tools verwandeln. Die Funktionsweise ähnelt dabei der von ChatGPT.