Trauer bei der Kanzlei Tilp

Gründungspartner Andreas Tilp tödlich verunglückt

Andreas Tilp ist am Donnerstag voriger Woche nach einem Fahrradunfall überraschend verstorben. Er war einer der bekanntesten Spezialisten für kapitalmarktrechtliche Prozesse. Als Klägervertreter nahm er es mit Konzernen wie Volkswagen und Bayer auf – und führte eine der ungewöhnlichsten deutschen Kanzleien. Tilp wurde 58 Jahre alt.

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Andreas Tilp
Andreas Tilp

Tilps Kanzlei ist keine klassische Partnerschaftsgesellschaft, sondern besteht aus zwei GmbHs, deren Gesellschafter Andreas Tilp war und an deren Spitze weitere Anwälte als Geschäftsführer stehen: Peter Gundermann, Alexander Heinrich und Marvin Kewe bei der Tilp Rechtsanwaltsgesellschaft sowie Marc Schiefer bei Tilp Litigation. Kewe sagte zu JUVE: „Wir verlieren einen tollen Chef, einen herausragenden Kollegen und vor allem: einen echten Freund. Wir sind unendlich traurig.“ Die Kanzlei werde auf jeden Fall weitergeführt – das sei der Wunsch von Tilps Familie, und es wäre vor allem auch sein eigener gewesen.

Seine Kanzlei hatte Tilp 1994 gegründet. „Mr. Telekom“, „Mr. Sammelklage“, „Mr. KapMuG“ – das sind nur einige der Etiketten, die Fans und Kritiker ihm im Lauf seiner Karriere angeheftet haben. Kirchentellinsfurt bei Tübingen, der Sitz seiner Kanzlei, wurde zu einer zentralen Adresse des deutschen Kapitalmarktrechts, er selbst zum Inbegriff des Anlegervertreters. Die Kanzlei hat heute knapp ein Dutzend Anwälte.

Tilp gelang nach der Jahrtausendwende, was vielen Klägeranwälten verwehrt bleibt, die massenhaft Verfahren von Privatleuten mit relativ geringen Streitwerten führen: Er gewann große institutionelle Anleger als Mandanten, anfangs vorwiegend aus den USA, wo Tilp enge Beziehungen zu US-Kanzleien aufgebaut hatte.

Er war einer der profundesten Spezialisten für Prozesse nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG). Unter anderem vertrat Andreas Tilp den Musterkläger im Streit über den Telekom-Börsengang – der Urmutter aller KapMuG-Verfahren. Tilp mischte sich häufig auch in rechtspolitische Debatten ein, etwa zum KapMuG oder der Musterfeststellungsklage. Zu seinen Gegnern vor Gericht zählten auch VW, Porsche, die Hypo Real Estate und zuletzt Bayer und Wirecard.

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