In den vergangenen Jahren haben sich etliche Partner von Magic-Circle-Kanzleien den führenden US-Konkurrenten angeschlossen. Schlagzeilen machten vor allem Latham & Watkins und Kirkland & Ellis mit hochkarätigen Quereinsteigern in Private Equity und Finanzrecht, die von Freshfields Bruckhaus Deringer sowie Linklaters kamen.
Der Angriff auf dem Londoner Markt ist aber viel breiter, als einzelne Personalien scheinen lassen, und geht trotz des drohenden Ausstiegs der Briten aus der EU ungebremst weiter. White & Case ist zum Beispiel mit einem Umsatz von 255 Millionen Pfund (290 Millionen Euro) inzwischen die neuntgrößte Kanzlei in London und könnte alteingesessene Büros wie das von Hogan Lovells in den kommenden Jahren überholen, wenn die Wachstumsrate beibehalten wird.
Latham ist mit 240 Millionen Pfund (273 Millionen Euro) und Platz 11 im Londoner Markt die nächst umsatzstärkste US-Kanzlei. Kirkland liegt mit 233 Millionen Pfund (265 Millionen Euro) direkt dahinter. Skadden Arps Slate Meagher & Flom, deren Wachstum sich in den vergangenen Jahren etwas verlangsamt hat, liegt auf Platz 20 mit 159 Millionen Pfund (181 Millionen Euro).
Interessant ist vor allem, wie viel Raum es für das Kanzleiwachstum noch gibt – trotz des anstehenden Brexits. London macht nur rund 10 Prozent des weltweiten Umsatzes von Latham und Kirkland aus. Das könnte der Anlass für weitere Abwerbeversuche bei wichtigen Partnern sein, wobei die Corporate- und Finanzierungspraxen der führenden US-Kanzleien schon jetzt mehr als konkurrenzfähig sind. Laut ,The Lawyer‘ hat Kirkland inzwischen mit ihren 44 Corporate-Partnern mehr als Allen & Overy und Freshfields (beide 41).
Die fortlaufend zentrale Rolle von London für globale Kanzleien wird dadurch unterstrichen, dass die internationalen Managing-Partner vieler Kanzleien in London ansässig sind, zum Beispiel die von Latham & Watkins, Mayer Brown und Squire Patton Boggs.
Allerdings ist die positive Entwicklung bei den US-Kanzleien nicht überall gleich ausgeprägt. Mayer Brown verlor laut ,The Lawyer‘ 7 Prozent ihres Umsatzes in London, obwohl weltweit ein Wachstum von 4 Prozent erreicht wurde. Reed Smith hat sich etwas erholt von einem schwachen Umsatzjahr 2016, in dem die Kanzlei 16 Prozent Umsatzrückgang einstecken musste. Auch bei Jones Day soll es schleichende Umsatzrückgänge geben.