Kanzleifinanzierung

US-Großkanzleien sondieren Einstieg von Private-Equity-Investoren

Paul Weiss Rifkind Wharton & Garrison, Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan und Proskauer Rose haben Gespräche mit Private-Equity-Firmen über mögliche Kapitalbeteiligungen geführt. Eine spezielle Unternehmensstruktur soll dabei die berufsrechtlichen Hürden umgehen, die Nichtanwälten den Besitz von Kanzleien untersagen. Zu konkreten Deals ist es bislang nicht gekommen – die Branche beobachtet die Entwicklung aber mit wachsendem Interesse.

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Das US-amerikanische Berufsrecht verbietet es Nichtanwälten, Kanzleien zu besitzen. Damit gehört der Rechtsmarkt zu den letzten Bereichen professioneller Dienstleistungen, der sich Private-Equity-Investoren bislang weitgehend verschlossen hat. Nun mehren sich die Anzeichen, dass sich dies ändern könnte: Laut der Financial Times haben mehrere der größten US-Kanzleien Gespräche mit Investoren oder Investmentbanken geführt, um ein Modell zu prüfen, das Außenstehenden eine Beteiligung ermöglichen würde, ohne die Eigentumsregeln formal zu verletzen.

Das Modell trägt den Namen „Management Services Organisation“ (MSO). Es trennt die anwaltliche Beratungstätigkeit von administrativen Funktionen wie Back-Office, IT und Markenlizenzierung. Die Beratungsgesellschaft bleibt vollständig in Anwaltshand; in die separate MSO-Einheit können externe Investoren einsteigen. Die Anwaltskanzlei zahlt der MSO dafür eine Gebühr. Buyout-Firmen haben vergleichbare Konstruktionen bereits genutzt, um in Arztpraxen und Steuerberatungsgesellschaften zu investieren.

Sondierungen ohne Bekenntnis

Quinn Emanuel soll laut Financial Times die Investmentbank Guggenheim Securities konsultiert haben, um die Implikationen externer Kapitalbeteiligungen zu verstehen. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen betonten, dass keine Entscheidung gefallen sei und kein förmlicher Verkaufsprozess eingeleitet wurde. Die Kanzlei äußerte sich nicht.

Paul Weiss teilte der Financial Times mit, auf Bitten von Geschäftspartnern einige Präsentationen zu dem Thema angehört zu haben – Folgegespräche habe es nicht gegeben, und das Thema werde derzeit nicht weiterverfolgt. Proskauer soll ebenfalls mindestens ein Gespräch mit einer Private-Equity-Firma geführt haben; White & Case hat nach eigenen Angaben eine interne Arbeitsgruppe eingesetzt, die das Modell analysiert. Beide Kanzleien wollten sich gegenüber der Financial Times nicht äußern.

McDermott Will & Schulte war bereits im vergangenen November als Kandidatin für einen solchen Deal gehandelt worden. Kanzleichef Ira Coleman hatte damals erklärt, man prüfe eingehende Anfragen und stelle den Status quo grundsätzlich infrage. Seitdem soll die Kanzlei Gespräche mit potenziellen Investoren und Beratern geführt haben, ohne dass eine Entscheidung absehbar wäre.

Talent und Technologie als Treiber

Die Gespräche fallen in eine Phase, in der viele Großkanzleien erhebliche Summen für die Rekrutierung von Spitzenanwälten ausgeben und gleichzeitig Investitionen in künstliche Intelligenz planen. Befürworter des MSO-Modells argumentieren, externes Kapital könne genau diese Ausgaben finanzieren und Schlüsselpartner durch Beteiligungen langfristig binden.

Trisha Rich, Anwältin bei Holland & Knight und Spezialistin für MSO-Strukturen, sagte der Financial Times, sie habe bereits mit der Hälfte der hundert umsatzstärksten US-Kanzleien gesprochen – aktiv verfolge das Thema aber nur eine deutlich kleinere Gruppe.

Skeptiker verweisen auf mehrere Risiken: Einflussreiche Partner könnten den Einstieg von Finanzinvestoren als Verlust an Autonomie wahrnehmen und die Kanzlei verlassen. Andere befürchten, das Modell könnte als Ausverkauf zulasten jüngerer Partnergenerationen wahrgenommen werden. Auch auf Investorenseite gibt es Vorbehalte – nicht zuletzt wegen der Frage, wie stark KI die Ertragsmodelle von Kanzleien künftig verändern wird.

Bewegung auch außerhalb der USA

Parallel zu den US-Entwicklungen öffnen sich Kanzleien in anderen Jurisdiktionen bereits für externe Kapitalgeber. Die Offshore-Kanzlei Mourant gab diese Woche eine Beteiligung von 27 Prozent an den Investor MML bekannt; die britische Sportrechtsboutique Northridge Law schloss im März einen Deal mit dem San Francisco-Investor Cordillera Investment Partners ab. Auch Appleby, bekannt durch die „Paradise Papers“, soll laut Financial Times einen Anteilsverkauf erwägen.

Im deutschsprachigen Raum ist die Diskussion bislang vor allem im Steuerberatungsmarkt angekommen. EQT übernahm die Mehrheit an WTS, Cinven stieg bei Grant Thornton ein. Die deutsche Steuerberaterkammer lehnt solche Beteiligungen ab, und ein Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums sieht ein entsprechendes Verbot im Steuerberatungsgesetz vor. Für den Anwaltsmarkt steht eine vergleichbare Debatte noch aus – die Entwicklungen in den USA dürften sie beschleunigen.

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