MDP-Gesellschaften suchen zur Finanzierung der kostenintensiven Digitalisierung des Steuerberatergeschäfts oder auch zur Lösung der Nachfolgefrage nach solventen Partnern. PKF WMS wurde 1931 gegründet. Neben WP-, Steuer- und Rechtsberatung bietet sie auch Notardienstleistungen an insgesamt sechs Standorten in Osnabrück, Ostwestfalen-Lippe und im Emsland an.
Wie genau Ufenau und PKF WMS in diesem neuesten Fall der Kooperation zwischen Investoren und Freiberuflergesellschaften in Zukunft zusammenarbeiten, ist nicht bekannt. Das mittlerweile vielfach diskutierte Grundmuster sieht keine unmittelbare oder mittelbare Beteiligung des Investors an den Rechts- und Steuerberatungsgesellschaften vor. Sie wäre wegen des im deutschen Rechts- und Steuerberatermarkt geltenden Fremdbesitzverbots berufsrechtlich nicht haltbar.
Großes Investoreninteresse
Stattdessen erwirbt der Investor über eine europäische WP-Gesellschaft, die nicht dem strengen deutschen Berufsrecht unterliegt, einen Anteil an einer deutschen Service-GmbH. Im Fall von Ufenau sitzt die WP-Gesellschaft in Luxemburg. Die wiederum agiert als Markendach und lizensiert Steuerberatungsgesellschaften etwa eine leistungsstarke Software, die hilft, die Kosten des Beratungsgeschäfts zu senken. Wichtig für die Investoren ist, dass die Plattformen eine gewisse Größe haben, um eine Buy & Build-Strategie zu starten. Das heißt, weitere Beratungseinheiten von einem Anschluss an das entstehende Netzwerk überzeugt werden können.
PKF WMS scheint für solche Pläne geeignet zu sein: Neben Ufenau Capital Partners, die den Zuschlag erhielt, war JUVE-Informationen zufolge auch der PE-Investor Waterland interessiert.
Investoren haben die Sorgen und Nöte mancher Steuerberatergesellschaften erkannt. Mit großem Elan investieren sie derzeit in einen Markt, der unter hohen Kosten und Ineffizienzen leidet. Afileon machte das Thema in diesem Jahr erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Auch diese Gesellschaft konnte mit der Schweizer Investmentgesellschaft Partners Group einen Investor für ein ähnliches Modell gewinnen. Später folgte der Einstieg der schwedischen EQT bei WTS. Marktinformationen zufolge laufen aktuell weitere Verhandlungen zwischen Beratungsgesellschaften und Investoren. Es wird etwa erwartet, dass Grant Thornton bald ihren Deal in Deutschland bekannt gibt.
Steuerberaterkammer will Entwicklung stoppen
Jüngst äußerte sich der Präsident der deutschen Steuerberaterkammer, Prof. Dr. Hartmut Schwab, in einem Interview bei JUVE Steuermarkt kritisch zu dieser Entwicklung. Er sagt: „Wir akzeptieren Private Equity im Markt nicht“. Laut Schwab sei es das Ziel der Bundeskammer, die gesetzliche Lücke zu schließen, die diese Entwicklung ermöglicht. Dazu seien bereits grundlegende Schritte eingeleitet worden.
Die Haltung der Kammer stellt für potenzielle Investoren ein Problem dar. Bestehende Investoren dürften jedoch Bestandsschutz genießen. Die Erweiterung der Berater-Kooperationen dürfte schwieriger werden, sollte die Bundesregierung versuchen, der Kammer zu folgen. Ob ein Gesetz, das der Entwicklung ein Ende setzen soll, vor europäischen Gerichten Bestand hätte, ist jedoch fraglich.
Die Berater im Überblick
Berater Ufenau Capital Partner
Görg (Frankfurt): Dr. Tobias Fenck (Corporate/M&A), Dr. Adalbert Rödding (Steuerrecht; Köln), Kristin Vogt-Schories (Corporate/M&A)
GQL Gussone Quecke (Berlin): Moritz Quecke (Berufsrecht)
Arendt & Medernach (Luxemburg): Alexander Olliges (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Philipp Jost (Steuerrecht), Astrid Wagner (IP/IT), Glenn Meyer (Bank- und Finanzierungsrecht), Adina Mihalache (Corporate/M&A), Sophie Weyten (Steuerrecht); Associates: Michael Moreira Da Silva, Thierry Faber, Marcel Mühlen (alle Corporate/M&A), Arnaud Bruneton, Hendrik van der Grift (beide Steuerrecht), Sophie Calmes (IP/IT), Jean Wivenes, Jade Rebuffel (beide Bank- und Finanzrecht)
Berater PKF WMS
Inhouse Recht (Osnabrück): Benedikt Olberding (Corporate/M&A)
LMPS (Düsseldorf): Dr. Hubertus Stuttmann (Federführung), Dr. Carl von Laer, Dr. Eva Georg (alle Corporate/M&A), Dr. Astrid Eiling (Steuerrecht); Associates: Dr. Laura Gellisch, Carolin Röskes, Dr. Julius Balan (alle Corporate/M&A), Alexander Keßeler (Steuerrecht)
Römermann (Hannover): Prof. Dr. Volker Römermann, Oskar Radunski (beide Berufsrecht), Marcus Menke (Corporate; Hamburg)
Charles Russell Speechlys (Luxemburg): Philip Basler-Gretic (Corporate/M&A), Yacine Diallo (Steuern)
Notar
Göring Schmiegelt & Fischer (Frankfurt): Dr. Jörg Nachtwey
Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.
Ufenau Capital nahm sich für ihre Suche nach einer passenden MDP-Einheit ein Görg-Team um den Frankfurter Partner Fenck zur Seite. Der deutsche Mittelstandsberater arbeitet seit einigen Jahren regelmäßig mit den Schweizern zusammen, zuletzt etwa zum Verkauf der Anteile an Fair Damage, einem Anbieter für die Begutachtung, Regulierung und umfassende Bearbeitung von Gebäude- und Elektronikschäden.
Ohne Berufsrechtler geht’s nicht
Für die grundlegenden regulatorischen Themen kam zudem der Berliner Partner der Kanzlei GQL, Quecke, ins Mandat. Quecke vertrat den Unternehmer Dr. Daniel Halmer in den vergangenen Jahren im Verfahren um das Fremdbesitzverbot, das vergangenen Winter beim EuGH damit endete, dass das Fremdbesitzverbot grundlegend gestärkt wurde.
Mit ihm zusammen ließ sich Halmer auch von Hengeler Mueller-Partner Prof. Dr. Dirk Uwer vertreten. Hengeler Mueller hatte zuletzt EQT zu ihren Investitionen bei WTS beraten. Dem Vernehmen nach soll Hengeler für Waterland versucht haben, den Zuschlag von PKF WMS zu bekommen. PKF wurde berufsrechtlich von Römermann beraten, einem weiteren bekannten Berufsrechtler im Markt, der auf Investorenseite agiert.
Düsseldorfer LMPS mit M&A-Rolle
Römermann war von LMPS ins Mandat genommen worden. Die Düsseldorfer Kanzlei hatte mit einem Team um Stuttmann den Verkaufsprozess für die Osnabrücker MDP-Einheit und damit die Verhandlungen mit den Görg-Anwälten geführt. Stuttmann war nach JUVE-Informationen auf Empfehlung ins Mandat der Osnabrücker MDP-Kanzlei gekommen.