Die Produktion wird fortgeführt, rund 1.200 Arbeitsplätze, 480 davon am Stammsitz Augsburg, sind damit gerettet. Bereits vor gut zwei Monaten sah es so aus, als ob es bei Böwe nach längerem Leidensweg wieder aufwärts geht. Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Axentum Partners wollte die Augsburger Gesellschaft übernehmen, der Verkauf scheiterte aber, weil Axentum nicht zahlte. Possehl zahlt nun weniger als der abgesprungene Schweizer Investor. Deshalb prüft Insolvenzverwalter Schneider Schadensersatzansprüche gegen Axentum.
Böwe hatte im Mai dieses Jahres Insolvenz angemeldet, 120 Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Zuvor griff das Unternehmen bereits seit Frühjahr 2009 auf Kurzarbeit zurück. Böwe war durch eine ehrgeizige Expansion in die USA in Schieflage geraten. Als in der Rezession die Nachfrage einbrach, reichten die Einnahmen nicht mehr aus, um die Kredite zu bedienen.
Possehl übernimmt nun zunächst nur das Geschäft in Deutschland, Europa und Japan mit 1.200 Mitarbeitern. Darüber hinaus besitzen die Lübecker aber eine Kaufoption für das US-Geschäft und die schwedische Tochter Lasermax. Die jetzt verkaufte, aus der Insolvenzmasse der börsennotierten AG herausgelöste Böwe Systec GmbH setzt rund 150 Millionen Euro um. Vor der Insolvenz zählte Böwe weltweit noch 3.300 Mitarbeiter. Possehl erwirtschaftet mit 7.000 Beschäftigten überwiegend im Handelssektor rund 1,7 Milliarden Euro. Hinter dem Familienunternehmen steht eine Stiftung. (René Bender)
Berater Possehl
Inhouse (Lübeck): Dr. Henning von Klitzing
Insolvenzverwalter
Schneider Geiwitz & Partner (Neu-Ulm): Werner Schneider
Berater Insolvenzverwalter
Schneider Geiwitz & Partner (Neu-Ulm): Dr. Hans-Joachim Machreich (M&A), Margit Fink (Arbeitsrecht)
Hintergrund: Auf Verkäuferseite gab es im Vergleich zum gescheiterten Verkauf an Axentum Capital (mehr…) keine Veränderungen. Schneider Geiwitz & Partner stellt neben dem Insolvenzverwalter für Böwe selbst auch den Insolvenzverwalter des ehemaligen Hauptaktionärs der Böwe Systec, der Wanderer-Werke-Holding. Hier wurde im Mai dieses Jahres der Augsburger Schneider Geiwitz-Partner Christian Plail bestellt (mehr…).
Possehl-Inhouse-Jurist Henning von Klitzing wickelt Zukäufe häufiger rein inhouse ab. Ansonsten greift das Unternehmen bei Transaktionen seit Längerem regelmäßig auf Dr. Stefan Duhnkrack von Heuking Kühn Lüer Wojtek zurück. So beriet der Hamburger Partner beispielsweise auch unmittelbar vor dieser Transaktion, als Possehl die Mehrheit am Maschinen- und Anlagenbauer DMA übernahmen. Schon 2005 begleitete Duhnkrack das Lübecker Unternehmen beim Kauf des Elastomertechnik-Geschäftes von ThyssenKrupp Technologies (mehr…), ein Jahr später auch beim Erwerb der Monforts Textilmaschinen GmbH (mehr…).