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27.02.2013

Bundeskartellamt: Gies- und Hengeler-Mandantin FAZ darf Frankfurter Rundschau erwerben

Die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ (FAZ) darf die Tageszeitung ‘Frankfurter Rundschau’ übernehmen. Das Bundeskartellamt erlaubt den Erwerb des Verlagsgeschäfts von der insolventen Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main. Die türkische Verlagsgruppe Estetik Yayincilik dürfte nun endgültig das Nachsehen haben. Die Gläubiger haben ihr Angebot für den Verlag sowie die Druckerei bereits zuvor abgelehnt. Der Druckerei droht nun das Aus.

Thomas Gies

Thomas Gies

Die ‘FAZ’ will die ‘Frankfurter Rundschau’ soweit bekannt in gewohntem Umfang fortführen, aber von den 150 Mitarbeitern der Redaktion nur 28 übernehmen. Die Druckerei, in der die ‚Frankfurter Rundschau‘ und auch die Wirtschaftszeitung ‚Handelsblatt‘ gedruckt werden, wird mittelfristig geschlossen. Dies erklärte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Insgesamt beschäftigt das Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main 450 Mitarbeiter.

Estetik Yayincilik war zunächst nur an der Druckerei interessiert, in der sie auch eine Zeitung für türkischsprachige Bürger in Deutschland produzieren wollte. Später weitete sie das Angebot auf das Verlagsgeschäft aus. Sie betonte, im Gegensatz zur ‚FAZ‘ eine Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern und rund 120 Mitarbeiter zu übernehmen, darunter 70 Redaktionsmitarbeiter.

Nach der Ablehnung durch die Gläubiger meldete sich die Verlagsgruppe allerdings nicht mehr beim Insolvenzverwalter, um das Angebot anzupassen, so der Sprecher des Insolvenzverwalters. Unter anderem genügte den Gläubigern der Kaufpreis nicht. Aus Kreisen des türkischen Verlags ist jedoch zu hören, dass Estetik Yayincilik noch gestern ein „erheblich verbessertes“ Angebot abgab, auf das der Insolvenzverwalter nicht reagierte.

Auch dem Bundeskartellamt läge das neue Angebot vor. Das Bundeskartellamt erklärte, dass sie sich nicht damit beschäftigt, wer das bessere Angebot abgibt. Sie habe vielmehr geprüft, ob die Frankfurter Rundschau unter der Leitung von Estetik Yayincilik ernsthaft am Markt erhalten und wettbewerbsfähig bleibt. Die Kartellwächter gehen davon aus, dass dies nicht der Fall sein würde.

Ein Angebot gab zudem die Südwestdeutsche Medienholding ab, sie ist Muttergesellschaft des Süddeutschen Verlags.

Der Herausgeber der traditionsreichen linksliberalen Tageszeitung ‘Frankfurter Rundschau’ hat im November vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet. Vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Frank Schmitt von der Kanzlei Schultze & Braun (mehr…). Neben dem Insolvenzverwalter sind an der Transaktionsverhandlung indirekt auch als Eigner die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding DDVG beteiligt.

Alf-Henrik Bischke

Alf-Henrik Bischke

Berater FAZ
Gies (Frankfurt): Thomas Gies (Federführung; M&A/Corporate, Restrukturierungs-/Insolvenzrecht), Lutz Frhr. v. Gültlingen (M&A/Corporate)
Hengeler Mueller
(Düsseldorf): Dr. Alf-Henrik Bischke, Dr. Horst Satzky (Frankfurt; beide Kartellrecht); Associate: Dr. Enno Ahlenstiel
Gleiss Lutz (Frankfurt): Prof. Dr. Ulrich Baeck, Dr. Frank Merten (Stuttgart); Associate: Dr. Nadine Kramer (alle Arbeitsrecht)
Inhouse (Frankfurter Societät): Daria Grimmer – aus dem Markt bekannt

Berater Estetik Yayincilik
Hogan Lovells (München): Dr. Heiko Tschauner (Restrukturierungs-/Insolvenzrecht), Dr. Nikolas Zirngibl (M&A; beide Federführung), Hanno Timner (Arbeitsrecht; Berlin), Dr. Christoph Wünschmann (München/Berlin); Associates: Dr. Falk Schöning (Berlin), Laura Philipp (alle Kartellrecht), Peter Huber (M&A), Dr. Vincent Braunschweig (Restrukturierungs-/Insolvenzrecht)

Berater Südwestdeutsche Medienholding
Oppenländer (Stuttgart): Prof. Dr. Albrecht Bach

Berater Insolvenzverwalter Frank Schmitt
Schultze & Braun (Frankfurt): Joachim Zobel (Arbeitsrecht; Nürnberg); Associates: Dr. Dirk Pehl (M&A), Martina Dietrich (Vertragsrecht; beide Achern), Michael Stiller (Insolvenzrecht), Stefanie Radina, Siegfried Flogaus, Aribert Panzer, Ute Lampert (alle Arbeitsrecht; alle Nürnberg)
Noerr: Dr. Stephan Kolmann (Insolvenz-/Restrukturierungsrecht; München), Dr. Kathrin Westermann (Berlin), Dr. Michael Bergmann (beide Kartellrecht), Dr. Thorsten Reinhard (Corporate); Associates: Tobias Kugler (Datenschutz), Dr. Andrea Neyses (Corporate; alle Frankfurt), Bernhard von Sonnleithner, Corinna Weber (beide Datenschutz; beide München)

Stephan Kolmann

Stephan Kolmann

Berater Mediengruppe DuMont
Görg (Köln): Dr. Michael Dolfen – aus dem Markt bekannt

Berater DDVG
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Prof. Dr. Christoph Seibt; Associate: Dr. Marvin Knapp

Berater Betriebsräte der Frankfurter Rundschau
Günther Lausmann (Heidelberg)

Einigungsstelle
Hans-Georg Pick (Vorsitzender)

Bundeskartellamt, 6. Beschlussabteilung
Julia Topel (Vorsitzende)

Hintergrund: Hengeler Mueller hat gute Kontakte in die ‘FAZ’-Geschäftsführung. Der Frankfurter Partner Satzky betreute den Verlag schon 2006 bei einem Gemeinschaftsprojekt mit der Verlagsgruppe Handelsblatt und der Gesellschaft für Betriebswirtschaftliche Informationen (mehr…). Mittlerweile ist er als Partner bei Hengeler inaktiv, aber weiterhin in Mandaten für die Kanzlei tätig.

Bei der aktuellen Übernahme der ‘Frankfurter Rundschau’ hatte die regionale Kanzlei Gies die Federführung im Corporate übernommen. Sie kennt die FAZ-Gruppe aus früheren Mandaten und ist erfahren mit Transaktionen in Krisensituationen. Bei der Inhouse-Abteilung der FAZ gab es Mitte Dezember einen Wechsel (mehr…).

Dass die Eigner DuMont und DDVG auf Görg beziehungsweise Freshfields vertrauen, war bereits bei der Insolvenzanmeldung bekannt geworden. DuMont mandatierte beim Kauf seiner Anteile an der Frankfurter Rundschau ein Team um Dr. Gert Dittert (mehr…). Er war damals bei Linklaters tätig und ist heute Managing-Partner bei Oppenhoff in Köln.

Hogan Lovells war aufgrund einer Empfehlung erstmals für die türkische Verlagsgruppe tätig geworden. Der Münchner Noerr-Partner Dr. Christoph Schotte arbeitet bereits seit Jahren regelmäßig mit Schultze & Braun-Partner Dr. Eberhard Braun zusammen. Über diese Verbindung holte er seine Kanzlei aufseiten des Insolvenzverwalters ins Mandat.

Lausmann schied im Laufe des Jahres bei Tiefenbacher aus und ging in den Ruhestand. Soweit bekannt, bearbeitet er einige Mandate  als Einzelanwalt weiter. Der Vorsitzende der Einigungsstelle Pick ist Richter am Landesarbeitsgericht Frankfurt. (Parissa Kerkhoff, Geertje Oldermann)

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