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18.12.2017

Sparmaßnahmen: Tarifpartner bei Opel einigen sich mit Seitz und Apitzsch

Bei Opel haben sich Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertreter auf Maßnahmen geeinigt, um Kosten schnell und sozial verträglich zu senken. Dies betrifft vor allem den Firmensitz in Rüsselsheim mit seinen rund 15.000 Mitarbeitern. Eckpfeiler des unter dem Namen ,Pace‘ laufenden Programms sind Altersteilzeit, Kurzarbeit und weniger Leiharbeiter. Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen will Opel verhindern. Im Frühjahr hatte der französische Autobauer PSA die Übernahme von Opel angekündigt und einen strengen Sparkurs verordnet.

Stefan Seitz

Stefan Seitz

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Kostensenkung ist der gemeinsame Einkauf, der nun auf den Weg gebracht wurde. Dieser wird nicht nur weniger Mitarbeiter benötigen und weniger kosten als bisher, sondern auch für deutlich bessere Preise beim Einkauf sorgen. Das könnte Einsparungen im Milliardenbereich bringen.

Die Sparmaßnahmen bei den Lohnkosten sollen gelingen, indem Angestellte früher in Altersteilzeit und auch generell früher in den Ruhestand gehen können.

Außerdem wird ab April 2018 die 35-Stunden-Woche wieder flächendeckend zur Pflicht. Sonderverträge, mit denen ein Teil der Mitarbeiter 40 Stunden pro Woche gearbeitet hat, werden auslaufen. Außerdem wird die Zahl der Leiharbeiter deutlich verringert.

Das Management muss sich an den Sparmaßnahmen ebenfalls beteiligen. Ihre Boni sind an die Erfolge von Pace und die Geschäftsziele für 2017 geknüpft.

Insgesamt beschäftigt Opel in Europa rund 38.000 Mitarbeiter, davon knapp die Hälfte am Stammsitz in Rüsselsheim. Dort werden die Modelle Insignia und Zafira produziert, außerdem sitzt dort das technische Entwicklungszentrum.

Der französische Autokonzern PSA hatte den schon lange schwächelnden Autobauer im Frühjahr von General Motors übernommen, im Sommer hat die EU-Kommission dem Kauf zugestimmt.

Berater PSA/Opel
Seitz (Köln): Dr. Stefan Seitz (Federführung), Dr. Marc Werner; Associates: Dr. Stephan Pötters (Arbeitsrecht/Datenschutz), Andrea Klein, Shirin Imani, Dr. Johannes Traut
Inhouse: Franck Bernard (Directeur Relations Sociales Groupe PSA), Philippe Seneque (Directeur Conseil Social Groupe PSA; beide Paris), Ralph Wangemann (Personaldirektor Opel), Dr. Arnd Hermann (Leiter zentrale Arbeitsbeziehungen Deutschland und Europa; beide Rüsselsheim)

Wolfgang Apitzsch

Wolfgang Apitzsch

Berater Betriebsräte/IG Metall
Apitzsch Schmidt Klebe (Frankfurt): Wolfgang Apitzsch (Federführung), Prof. Dr. Marlene Schmidt, Luci Crone

Hintergrund: Die Entwicklung und die Umsetzung der Sparmaßnahmen ist eines der derzeit prominentesten arbeitsrechtlichen Mandate in Deutschland. Der grundsätzlichen Einigung zwischen den Verhandlungspartnern werden nun zahlreiche einzelne Schritte folgen. Dafür wurde ein spezielles beschleunigtes Verfahren zur Einbindung der Tarifpartner entwickelt.

Arbeitsrechtler Seitz war schon früher regelmäßig für Opel tätig, nun kam die Kanzlei auf Empfehlung in das Mandat für das Pace-Projekt. Als Opel noch zu General Motors gehörte, hatte der Autobauer häufig auf Baker & McKenzie in arbeitsrechtlichen Fragen zurückgegriffen. Nun gab es nach dem Eigentümerwechsel nach JUVE-Informationen auch eine Neuvergabe des Mandats.

Die renommierte Arbeitnehmerberaterin Apitzsch Schmidt Klebe wird von den Opel-Betriebsräten schon seit vielen Jahren beauftragt und war in alle wesentlichen Restrukturierungsmaßnahmen involviert. In den Verhandlungen zu Pace hat Apitzsch sowohl den Gesamtbetriebsrat als auch die IG Metall beraten. Als Verhandlungsführer hatten die Arbeitnehmer den früheren IG Metall-Chef Berthold Huber gerufen. Die IG Metall wurde von ihrem Leiter Betriebspolitik, Dr. Rudolf Luz vertreten. (Christiane Schiffer)

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