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28.06.2010

Nun plötzlich: Bingham startet mit Partner von Broich Bezzenberger in Deutschland

Die US-Kanzlei Bingham McCutchen startet noch in dieser Woche in Deutschland und eröffnet in Frankfurt ihr erstes Büro in Kontinentaleuropa. Für den Aufbau ihrer deutschen Praxis gewann die Sozietät den Restrukturierungsexperten Jan Bayer (41), bislang Partner bei Broich Bezzenberger.

Unterstützt wird er durch den Counsel Dr. Christian Halász, der von Paul Hastings Janofsky & Walker hinzustößt.

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Jan Bayer

Den Markteintritt von Bingham & McCutchen in Deutschland hatten Experten schon früher erwartet, zum jetzigen Zeitpunkt kommt er eher überraschend. Bingham gilt in den USA neben Cadwalader Wickersham & Taft als eine der beiden führenden Restrukturierungspraxen und betreut insbesondere Hedgefonds. An weltweit zwölf Standorten arbeiten über 1.100 Anwälte für die Kanzlei, die außerhalb ihres Heimatmarkts USA bislang nur in London sowie in Tokio und Hongkong vertreten ist.

In einer ersten Reaktion sagte ein erfahrener Restrukturierer: „Bingham wird in Deutschland vermutlich zunächst die eigenen Mandanten bedienen, aber sicherlich auch eigenes Geschäft anziehen. Die Kanzlei hat auch in London klein angefangen. Sie würden in Deutschland kein Büro eröffnen, wenn sie das Geschäft nicht für ausbaufähig halten würden.“

In Deutschland arbeitete Bingham in den vergangenen Jahren regelmäßig mit dem Münchner Büro von Kirkland & Ellis zusammen. Das wohl spektakulärste gemeinsame Mandat in der jüngeren Vergangenheit war dabei zweifelsohne die Arbeit an der finanziellen Restrukturierung des angeschlagenen Dachziegelherstellers Monier im vergangenen Jahr (mehr…). Hier betreuten die beiden Sozietäten neben Clifford Chance die vorrangigen Gläubiger unter Führung der Distressed-Investoren Apollo, Tower Brook und York Capital beim Bestreben, das Ruder bei ihrer Schuldnerin Monier auch gegen den Willen des vorherigen Eigentümers, des französischen Investoren PAI, zu übernehmen.

In den Jahren zuvor hatten Kirkland und Bingham beispielsweise auch bei der grenzüberschreitenden Restrukturierung des Automobilzulieferers Schefenacker zusammengearbeitet (mehr…).

Für ihren Start in Deutschland sicherte sich die US-Kanzlei nun mit Jan Bayer einen angesehenen Spezialisten, der vor allem in der Begleitung anglo-amerikanischer und japanischer Unternehmen und Investoren bei ihren Vorhaben in Deutschland und kontinentaleuropäischen Zusammenschlüssen erfahren ist. Seine bisherige Kanzlei Broich Bezzenberger gilt hierzulande zudem als sehr etablierte Adresse für die gesellschaftsrechtliche Betreuung von Konzernen und ihrer Anteilseigner in kritischen Situationen. Bayer hat sich hier in den vergangenen Jahren den Ruf als einer der erfahrensten jüngeren Anwälte aufseiten von Anleihengläubigern erarbeitet.

Begonnen hatte er seine Karriere bei Skadden Arps Slate Meagher & Flom, nach zwei Jahren dort machte er sich aber 2003 gemeinsam mit Josef Broich und Ferdinand von Rom selbstständig (mehr…). Sie positionierten sich mit eigener Transaktionsboutique, in der sie sich auch auf Restrukturierungen und Sanierungen, Distressed Asset-Investments und LBOs fokussierten. 2007 schloss sich Broich Bayer von Rom dann mit Bezzenberger Rechtsanwälte zusammen (mehr…).

Auch Christian Halász, bislang Associate bei Paul Hastings, bringt Restrukturierungserfahrung mit. Zuletzt war der künftige Bingham-Counsel beispielweise Anfang des Jahres Mitglied eines Teams der Kanzlei, das Gesellschafter und Sponsoren des angeschlagenen Kabelnetzbetreibers Tele Columbus bei den Verhandlungen mit dessen Gläubigern betreute. Bis Ende 2007 hatte Halász für Smeets Haas Wolff gearbeitet, die dann mit Paul Hastings fusionierte (mehr…). ( René Bender)

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