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18.03.2011

MDP-Markt im Umbruch: RöverBrönner und Warth & Klein verleiben sich Susat ein

Große Teile der multdisziplinären Partnerschaft Susat & Partner schließen sich mit dem Wettbewerber RöverBrönner zusammen. Das Münchner Büro geht an Warth & Klein. Damit könnten beide Einheiten in die Top-10 der größten deutschen WP- und Steuerberatungsgesellschaften vorrücken.

Jens Poll
Jens Poll

Die neue Firma wird künftig den Namen RBS RoeverBroennerSusat tragen und ihren
Hauptsitz in Hamburg haben. Dafür gehen die Susat-Büros in Hamburg, Berlin,
Frankfurt, Köln und Leipzig in der neuen Einheit auf. Das Münchner Susat-Büro schließt dagegen Warth & Klein Grant Thornton an

Damit entstehen zwei weitere größere MDP- bzw. Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsfirmen in Deutschland. An der Spitze stehen hierzulande die Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PricewaterhouseCoopers (PwC), KPMG, Ernst & Young, Deloitte.

Mit einem aufaddierten Umsatz von 75 Millionen Euro dürfte RBS RoeverBroennerSusat auf Platz 10 oder 11 der größten WP- und Steuerberatungsgesellschaften landen, Warth & Klein peilt zusammen mit dem erweiterten Münchner Büro sogar einen Umsatz von 78 Millionen Euro an.

Auf der maßgeblichen „Lünendonk-Liste“ fand sich Susat bisher auf Platz 11, Warth & Klein Grant Thornton lag auf Platz 12 und RöverBrönner war 14.

Kennzeichnend für die allermeisten dieser Gesellschaften ist, dass sie neben dem Kerngeschäft Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung in großen Stil auch Unternehmensberatung und – seit Jahren wachsend – Rechtsberatung anbieten. So verfügt der Rechtsberatungsarm von RöverBrönner über mehr als 40 Anwälte an den Standorten in Berlin, Frankfurt, München und Potsdam. Susat wird diesen Zweig mit rund 30 Anwälten weiter stärken.

Expansionskurs

RöverBrönner ist seit einigen Jahren auf Expansionskurs. Erst 2007 war die Kanzlei aus der Fusion der Berliner Steuerkanzleien Röver und Brönner hervorgegangen. Von Berlin aus expandierte RöverBrönner 2009 dann nach Frankfurt (mehr…) und München. In Frankfurt kam ein Team von hmp Hardorp Müller & Partner um den Partner Dirk-Ralf Gloger hinzu, in München hatten sich vier Partner sowie zwei Associates von Toth-Feher & Partner angeschlossen (mehr…).

RöverBrönner ist vor allem im Heimatmarkt Berlin eine etablierte Größe. Die Kanzlei hat insbesondere im Gesundheitssektor einen guten Namen. Zu den Mandanten gehören etwa der Krankenhausbetreiber Medigreif (mehr…) oder die Sana Kliniken (mehr…). „Unsere Philosophie ist die umfassende branchenfokussierte Beratung“, sagte Prof. Dr. Jens Poll, Managing Partner von RöverBrönner. Diesen Weg wolle man auch nach den Susat-Zugängen weitergehen. „Das passt ausgezeichnet, weil Susat vor allem bei Finanzdienstleistern, Banken und Versicherungen stark ist. Das ist eine ideale Ergänzung“, so Poll. Beide Fusionspartner sind traditionell mittelstandsorientiert.

Ende mit Ansage

Um das Ende von Susat rankten sich schon seit Monaten Gerüchte. Hintergrund der aktuellen Entwicklung ist die Entscheidung des internationalen WP-Netzwerks Grant Thornton, künftig in Deutschland nur noch mit Warth & Klein zu kooperieren. Damit war für Susat, die bislang ebenfalls dem Netzwerk angehörte, der internationale Partner weggebrochen.

Lange waren auch die Big-Four-Wettbewerber Deloitte und PwC an Teilen von Susat interessiert. Doch die Gespräche waren offensichtlich erfolglos.

Insbesondere das Hamburger Susat-Büro verfügt auch im Rechtsanwaltsmarkt über eine gute Reputation. Zwar werden die meisten Mandate über die Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung akquiriert, besonders am Standort Hamburg konnten aber auch die Gesellschaftsrechtler ein eigenes Profil entwickeln.

Insgesamt werden bei RBS rund 700 Mitarbeiter beschäftigt sein, darunter 200 Berufsträger. Die Anzahl der Partner liegt bei rund 40. International gehört RBS dem Netzwerk Moore Stephens an, das mit Mitgliedern in etwa 100 Ländern vertreten ist.

Markt im Umbruch

Der Markt der multidisziplinären Partnerschaften ist seit einiger Zeit in starker Bewegung. Viele kleinere Einheiten haben sich in den letzten Jahren zusammengeschlossen, etwa Ebner Stolz Mönning Bachem (mehr…), PKF Fasselt Schlage (mehr…) oder MDS Möhrle und Happ Luther (mehr…).

Erst vor wenigen Wochen hatte RölfsPartner auf sich aufmerksam gemacht: Nach der Trennung von ihrem Rechtsberatungsarm Aderhold wird der Aufbau des Anwaltszweigs mit dem Anschluss der MDP-Kanzlei RP Richter in diesem März jetzt wieder dynamisch vorangetrieben (mehr…).

Grünbuch als Treiber

Beobachter sehen einen Grund für die Konzentrationsentwicklungen auch in den Regulierungsplänen der Europäischen Union. EU-Kommissar Michel Barnier hat im Herbst 2010 das Grünbuch für die Reform der Abschlussprüfung vorgelegt. Danach soll der von den Big-Four dominierte Wirtschaftsprüfungsmarkt aufgebrochen werden. „Die Regulierungspläne werden die Konsolidierung auf dem Markt der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Deutschland beschleunigen“, so Dr. Jörg Schlüter, Partner von Susat. „Mittlere Kanzleien werden davon profitieren und dazu gehören wir nach der Fusion.“ (Volker Votsmeier)

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