Artikel drucken
08.03.2011

Nächster Top-Zugang: Allen & Overy holt Aufsichtsrechtler Herring von Norton Rose

Allen & Overy setzt ihre Expansion mit einem der angesehensten deutschen Aufsichts- und Investmentrechtler fort. In Frankfurt kommt zum April Frank Herring (44), zuletzt Leiter der deutschen Bankaufsichts- und Investmentrechtspraxis von Norton Rose. Mit Herring wechseln auch die erfahrenen Associates Valeska Karcher und Dr. Detmar Loff, zudem folgt ihnen Marco Zingler im Juni zu Allen & Overy.

Frank Herring

Herring war 2001 von Linklaters zu Norton Rose gewechselt und hatte deren Frankfurter Büro maßgeblich mit aufgebaut. Er ist auf die Beratung von Investmentfonds und Bank- und Versicherungsaufsicht spezialisiert. Neben klassischen Fragen des Wertpapierhandelsrechts beschäftigt er sich auch mit den Richtlinien des Wertpapierhandels und Vorschriften zur Eigenkapitalausstattung von Banken (Basel II). Seine Mandanten sind hauptsächlich ausländische Banken und Kapitalanlagegesellschaften, ein Schwerpunkt liegt auf französischen und Schweizer Finanzdienstleistern. Unter anderem war Herring ab Sommer 2009 ein Jahr lang im Pariser Norton Rose-Büro tätig, um dort weitere Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Unter seiner Leitung hatte die Kanzlei auch einen eigenen ‚Geman Desk‘ in London aufgebaut.

„Das internationale Netzwerk von Allen & Overy, speziell auch in den für Investmentfonds wichtigen Märkten Luxemburg und Frankreich, und die erstklassige Corporate- und Banking-Praxis in Deutschland bieten meinem Team und mir eine exzellente Plattform, um das Geschäft strategisch weiter zu entwickeln“, sagte Herring.

Herring hievt Allen & Overy im Aufsichtsrecht auf neue Ebene

In der Bank- und Finanzbranche genießt die internationale Praxis von Allen & Overy einen herausragenden Ruf. So sind im Schwerpunkt Banking Regulatory in London über 65 Berufsträger tätig. Dagegen ist die deutsche Aufsichtsrechtspraxis mit drei Partnern, zwei Counseln sowie sieben Associates deutlich kleiner. Die Schwerpunkte lagen bisher im produktspezifischen Aufsichtsrecht, im Wertpapierhandel und bei regulierten Fonds. Das institutionelle Aufsichtsrecht war im Vergleich dagegen deutlich schwächer ausgebildet als bei Wettbewerbern wie Freshfields Bruckhaus Deringer, Linklaters oder Hengeler Mueller. „Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von Fondsstrukturen und der sich weiter intensivierenden Finanzmarktregulierung schärfen wir das Profil unserer Investmentfondspraxis und bauen unsere bereits vorhandene aufsichtsrechtliche Expertise weiter aus“, sagte der Senior-Partner von Allen & Overy Deutschland, Dr. Neil Weiand.

Mit dem Zugang des Norton Rose-Teams sollte Allen & Overy im Aufsichtsrecht und Fondsbereich tatsächlich den vor allem inhaltlichen Rückstand zu diesen Wettbewerbern deutlich verringern und Synergien zu ihren Produktspezialisten im Kapitalmarktrecht besser nutzen können. In diesem Segment wird Herring vor allem mit den Partnern Okko Behrends, Dr. Norbert Wiederholt und Kai Schaffelhuber zusammenarbeiten. Im Nachgang der Finanzmarktkrise hatte das deutsche Kanzleimanagement von Allen & Overy das Aufsichtsrecht als wichtigen Bestandteil der Wachstumsstrategie im Bank- und Kapitalmarkrecht ausgegeben und sich bereits im Herbst 2010 mit dem ehemaligen Deutschen Bundesbank-Vorstand Dr. Hans Reckers als of Counsel verstärkt (mehr…). Reckers verlässt die Kanzlei aber voraussichtlich im August bereits wieder und wird Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) in Berlin (mehr…).

Auch in anderen als strategisch bedeutend identifizierten Bereichen hatte sich Allen & Overy zuletzt sehr erfolgreich verstärkt. Im Arbeitsrecht stieg erst zum Monatsbeginn Thomas Ubber ein, einer der renommiertesten deutschen Arbeitsrechtler. Ubber kam von Hogan Lovells, ebenso wie im vergangenen Jahr der Prozessrechtler Dr. Daniel Busse und Dr. Christian Eichner (mehr…). Auch Schaffelhuber kam erst im vergangenen Jahr hinzu, er wechselte von Dewey & Boeuf.

Norton Rose verliert Spitzenkraft und Bindeglied

Für Norton Rose ist der Weggang von Herring und dessen Team ein erheblicher Verlust und dies nicht nur, weil der Frankfurter Standort eines seiner Aushängeschilder verliert. Mit seiner regulatorischen Expertise in der Bank-, Investment- und Versicherungsbranche galt Herring kanzleiintern als wichtiges Bindeglied zwischen den Büros in München und Frankfurt, vor allem auch im Corporate-Bereich. So war er unter anderem bei mehreren Transaktionen der Wüstenrot & Württembergischen beteiligt sowie aufseiten des Bankenkonsortiums beim Rettungspaket der Hypo Real Estate (mehr…) und für den französischen Finanzdienstleister Casceis aktiv (mehr…). 

„Wir bedauern, dass Frank Herring die Kanzlei verlässt, danken ihm für die geleistete Arbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute“, sagte Dr. Ralf Springer, Head of Banking in Deutschland. „Wir bleiben mit dem Team um die Partner Dr. Caroline Herkströter und Dr. Martin Krause in Frankfurt in dem Bereich sehr gut aufgestellt und gewinnen in Hamburg mit Ludger Verfürth von DLA Piper in Kürze auch einen anerkannten Fachmann für geschlossene Fonds hinzu, der das Team sehr gut ergänzt.“

In der Frankfurter Investment- und Aufsichtspraxis von Norton Rose arbeiten neben Herkströter und Krause noch sechs Associates. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Norton Rose mit einer Reihe von DLA-Partner ein neues Büro in Hamburg eröffnet (mehr…), darunter auch diverse Fonds-Anwälte. (Marcus Jung)