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03.11.2011

Hamburg: Spin-off bei Gleiss Lutz

Hamburg ist seit Anfang November um eine Corporate-Boutique reicher. Die Gleiss Lutz-Anwälte Dr. Raoul Dittmar (37), Dr. Konstantin Michelsen (32) und Jan Mosch (33) haben sich als Dittmar Michelsen Mosch selbstständig gemacht.

Raoul Dittmar, Konstantin Michelsen, Jan Mosch

Raoul Dittmar, Konstantin Michelsen, Jan Mosch

Alle drei gehörten der Kanzlei Rittstieg an, die im Herbst vergangenen Jahres mit Gleiss Lutz fusionierte (mehr…). Dittmar war Anfang 2008 aus dem Berliner Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer zu Rittstieg gestoßen, Michelsen arbeitete seit 2007 bei der renommierten Corporate-Boutique, Mosch begann 2009. Bei Gleiss Lutz hatten Michelsen und Dittmar zuletzt den Status des Assoziierten Partners. Mosch war Associate, hat die Kanzlei aber schon vor einigen Monaten verlassen.

Die Gründungspartner der neuen Einheit waren zu Gleiss- und Rittstieg-Zeiten an zahlreichen Transaktionen beteiligt, zuletzt etwa bei der Beratung von Mustang beim Einstieg des Finanzinvestors A-Capital (mehr…). Dittmar ist neben der laufenden gesellschaftsrechtlichen Beratung auf streitige Auseinandersetzungen spezialisiert, Michelsen beriet zuletzt auch vermögende Privatpersonen und deren Unternehmen.

Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit wollen die drei Anwälte ihren ursprünglich eingeschlagenen Weg fortsetzen. „Wir haben uns damals mit dem Einstieg bei Rittstieg bewusst für eine kleine Einheit entschieden“, sagte Dittmar. „Wir wurden bei Gleiss sehr gut aufgenommen, jedoch ist uns klar geworden, dass wir lieber in einer kleineren Struktur arbeiten und stärkeren Einfluss auf die unternehmerische Gestaltung einer Kanzlei nehmen wollen.“ Dittmar Michelsen Mosch wird sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen, von Unternehmer und vermögenden Privatpersonen fokussieren.

Hamburg gilt als gutes Pflaster für Boutiquen und Spin-offs von Großkanzleien. In den vergangenen Jahren hatten sich etwa mit Kruhl von Strenge oder Corvel vor allem Anwälte von Freshfields selbstständig gemacht. Zuletzt gründeten im Oktober 2010 zwei Freshfields- und ein White & Case-Anwalt die Arbeitsrechtsboutique Schramm Meyer Kuhnke (mehr…). Nach der Fusion von Rittstieg mit Gleiss war im Markt bereits darüber spekuliert worden, dass wohl nicht alle ehemaligen Rittstieg-Anwälte den Schritt in die Großkanzlei mitgehen würden. Zwar konnte das Hamburger Gleiss-Büro auch mehrere Associates neu gewinnen, jedoch dürfte vor der Weggang der erfahrenen Corporate-Anwälte das kleine Team vor Ort empfindlich treffen.

Daneben steht Gleiss Lutz derzeit von anderer Seite heftig unter Beschuss: Laut dem baden-württembergischen Verfassungsgerichtshof ist der Einstieg des Landes Baden-Württemberg beim Energieversorger EnBW auf verfassungswidrige Weise zustande gekommen (mehr…). Die neue Landesregierung prüft nun Schadensersatzansprüche gegen Gleiss (mehr…). Gleiss-Anwälte hatten das Land bei der Transaktion beraten – es war mit einem Volumen von fast fünf Milliarden Euro der größte Deal des Jahres 2010 (mehr…). (Anja Hall)

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