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12.09.2013

Steuerrecht: Abgangswelle bei Deloitte – massive Folgen auch für Raupach

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte & Touche verliert zahlreiche Steuerpartner. Ein großes Team um fünf auf Verrechnungspreise spezialisierte Partner hat bereits gekündigt und schließt sich der Wettbewerberin PricewaterhouseCoopers (PwC) an. Weitere Partner stehen JUVE-Recherchen zufolge vor dem Absprung. Die Weggänge sind offenbar Folge von Querelen, die durch eine interne Umbesetzung ausgelöst wurden.

Heinz-Klaus Kroppen

Heinz-Klaus Kroppen

Die Beratung internationaler Konzerne zu Verrechnungspreisthemen gehört zu den Paradedisziplinen von Deloitte, entsprechend einschneidend ist der jetzige Aderlass für die Gesellschaft. Bei den fünf auf dieses Gebiet spezialisierten Partnern, die zur Konkurrentin PwC wechseln, handelt es sich Prof. Dr. Heinz-Klaus Kroppen, Axel Eigelshoven, Dr. Stephan Rasch, Dr. Jörg Hülshorst und Dr. Roman Dawid.

Auch in der Mittelstandsberatung verlor Deloitte zuletzt erfahrene Kräfte. So schied vor Kurzem Prof. Dr. Christian Schmidt aus, der das Kompetenzzentrum ‚Internationales Steuerrecht für den Mittelstand‘ geleitet hatte. Zudem hat sich Manfred Günkel vorzeitig in den Ruhestand verabschiedet.

Darüber hinaus waren in jüngerer Zeit drei weitere Steuerpartner ausgeschieden: Dr. Dirk-Oliver Kaul hatte sich der Steuerberatungsgesellschaft Sanftenberg Münch & Kaul angeschlossen, Dr. Axel Nientimp wechselte zu KPMG und Christian Ehlermann zu Ernst & Young (mehr…). Auf der anderen Seite hatte Deloitte kürzlich die Abteilung Tax & Legal Services mit den M&A-Anwälten Dr. Markus Schackmann und Christofer Mellert von Luther verstärkt, sie steigen zum Oktober ein (mehr…).

Marktinformationen zufolge haben bereits weitere Partner gekündigt oder führen Gespräche mit Wettbewerbern. Insgesamt könnte Deloitte bis zu 30 Partner verlieren, das wären mehr als die Hälfte der ursprünglichen Mannschaft in der steuerrechtlichen Beratung. Insgesamt erwirtschaftete Deloitte im Steuersegment aktuell weit mehr als 150 Millionen Euro Umsatz.

Beobachter gehen davon aus, dass die Abgangswelle bei Deloitte eng mit der Abberufung Kroppens als Leiter der zentralen Abteilung Tax & Legal zusammenhängt. Er war im Frühjahr völlig überraschend und maßgeblich auf Betreiben des Deloitte-Chefs Prof. Dr. Martin Plendl von der Aufgabe entbunden worden (mehr…). Zahlreiche Partner der Abteilung, darunter auch einige Anwälte von Raupach & Wollert-Elmendorff – hatten dagegen protestiert. Als Kroppens Nachfolger wurde Mitte des Jahres schließlich Christoph Röper ernannt (mehr…).“Die Abgänge werden uns nicht schwächen und wir können die Mandatsarbeit ohne Einbußen weiter fortsetzen“, sagte die Deloitte-Kommunikationschefin. „Christoph Röper hat als Leiter Tax & Legal die Situation im Griff.“

Massive Auswirkungen auf Raupach & Wollert-Elmendorff

Für die mit Deloitte eng verbundene Kanzlei Raupach & Wollert-Elmendorff hat der Aderlass bei Deloitte ebenfalls gravierende Folgen. Erst Mitte 2012 waren die beiden Einheiten zusammengegangen (mehr…). Raupach konzentriert sich als Rechtsberatungsarm insbesondere auf die Felder Corporate/M&A, Arbeitsrecht, Regulierte Branchen, Commercial und steuerliche Streitigkeiten.

Naturgemäß gibt es gerade mit der Steuerabteilung einen engen Austausch und eine intensive Zusammenarbeit. Mit den personellen Verlusten ist nun auch das Potenzial für Querverweismandate deutlich eingeschränkt.

Überdies sind Deloitte und Raupach gesellschaftsrechtlich eng miteinander verquickt. Zum einen sind alle Equity-Partner von Raupach auch Partner bei Deloitte, zum anderen halten Deloitte-Partner auch signifikante Anteile an Raupach. Kroppen beispielsweise besitzt als langjähriger Deloitte-Mann etwa rund zehn Prozent der Anteile an Raupach. (Volker Votsmeier)

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