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29.03.2018

Produktivität: Latham nimmt 800.000-Euro-Hürde beim UBT

Gut 3 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftete die US-Kanzlei Latham & Watkins weltweit im vergangenen Jahr – und gehört damit in dieser Hinsicht zur absoluten Marktspitze. Auch in Deutschland laufen die Geschäfte gut: Der Umsatz stieg zuletzt um 7,3 Prozent auf 126,2 Millionen Euro. Der Umsatz pro Berufsträger (UBT) als Gradmesser für die Qualität der geleisteten Arbeit wuchs um knapp 3 Prozent und liegt nun bei 803.000 Euro. 

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Oliver Felsenstein

Diese Schwelle überschreiten nicht viele deutsche Praxen. Es gibt etwa ein Dutzend Kanzleien, die es auf einen UBT jenseits von 800.000 Euro bringen, in der Regel kleinere Corporate- und Kapitalmarktspezialisten wie Sullivan & Cromwell, Shearman & Sterling und Weil Gotshal & Manges. Unter den breiter aufgestellten Kanzleien finden sich in dieser Gruppe nur Freshfields Bruckhaus Deringer und Hengeler Mueller.

Dass der Umsatz bei Latham zuletzt stärker gestiegen ist als der UBT, liegt daran, dass sich die Zahl der Anwälte erhöht hat. Umgerechnet in Vollzeitäquivalente (FTE) waren es im vergangenen Jahr durchschnittlich 157 – und damit sechs mehr als im Jahr zuvor.

Viel Private Equity und mehr als eine Prise Siemens

Umsatztreiber war neben dem Dauerbrenner Toll-Collect-Schiedsverfahren, wo seit langem ein großes Latham-Team für Daimler im Einsatz ist, vor allem das Transaktionsgeschäft. Das Jahr stand im Zeichen mehrerer großer Private-Equity-Deals. Hier war Latham etwa für Clayton, Dubilier & Rice im Einsatz, als Bieterin für die deutschen Esso-Tankstellen und beim Verkauf des Verpackungsspezialisten Mauser. Triton setzte beim Kauf einer SGL-Sparte auf Latham, Chequers beim Kauf der Marseille-Kliniken.

Erklärtes Ziel der Kanzlei ist es, die Transaktionsarbeit für international tätige Corporate-Mandanten auszubauen. Auch in dieser Hinsicht hat das vergangene Jahr Fortschritte gebracht: So kam Latham erstmals bei einer Transaktion für den Autozulieferer ZF Friedrichshafen zum Einsatz, als dieser eine Geschäftssparte an das chinesische Unternehmen Luxshare verkaufte. Auch Henkel und Uniper begleitete Latham bei größeren Deals. Siemens ließ sich zu seinem Zug-Joint-Venture mit Alstom von Latham beraten. Auch die Vorbereitung des Börsengangs von Healthineers, der Siemens-Gesundheitssparte, brachte Latham viel Arbeit, allerdings vor allem im laufenden Jahr.

Ehrgeizige Ziele

Im Lichte der strategischen Ausrichtung auf die Corporate-Beratung von Industriemandanten sind auch die jüngsten Partnerzugänge zu sehen: Im August vergangenen Jahres wechselte der angesehene Gesellschaftsrechtler Nikolaos Paschos von Linklaters zu Latham, und vor kurzem kam der Transaktionsspezialist Dr. Tobias Larisch von Freshfields hinzu. Beide verfügen über beste Kontakte in mehrere Dax-Konzerne.

Was die Entwicklung von Umsatz und Profitabilität angeht, hat sich Latham in Deutschland unter ihrem Managing-Partner Oliver Felsenstein klare Ziele gesteckt: 2020 will die Praxis bei einem Umsatz von 170 Millionen Euro einen UBT von 950.000 Euro erreichen. Diese Marke schafften im vergangenen Jahr nur drei Kanzleien: Sullivan, Weil Gotshal und Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan. (Marc Chmielewski)

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