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07.01.2021

Insolvenz: Spiele Max mischt mit White & Case und Leonhardt Rattunde die Karten neu

Das Amtsgericht Charlottenburg hat auf Antrag der Spiele Max-Geschäftsführung Ende Dezember ein Schutzschirmverfahren eröffnet. Das auf Spielzeug- und Kindermode spezialisierte Handelsunternehmen beschäftigt in seinen rund 70 Filialen etwa 600 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro.

Andreas Kleinschmidt

Andreas Kleinschmidt

Prof. Dr. Torsten Martini von der Berliner Kanzlei Leonhardt Rattunde wurde zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Associate Christian Spatz unterstützt ihn dabei insolvenzrechtlich. Der vorläufige Gläubigerausschuss habe sich gemeinsam mit dem Unternehmen und dessen Sanierungsbevollmächtigem für Martini als Sachwalter ausgesprochen. Dieser wird vor allem wegen seiner Branchenexpertise und seiner Stellung beim Berliner Gericht am Markt geschätzt. Martini hatte beispielsweise auch 2019 für den Filialisten Lila Bäcker die Sachwaltung übernommen.

Zum Sanierungsbevollmächtigten berief Spiele Max Dr. Andreas Kleinschmidt, Frankfurter Insolvenzrechtspartner von White & Case. Unterstützt wird er von einem Team, zu dem neben dem Hamburger Arbeitsrechtspartner Hendrik Röger der Berliner Partner und Insolvenzrechtler Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger, Local-Partner Dr. Florian Kleinschmit sowie der Frankfurter Associate Dr. Nicolai Fischer zählen.

Torsten Martini

Torsten Martini

Aus dem Markt ist bekannt, dass White & Case die Gesellschaft bereits zuvor sporadisch beraten hat. Nach der Verkündung des zweiten Corona-Lockdowns Mitte Dezember hat die Kanzlei das konkrete Mandat übernommen und den Schutzschirmantrag vorbereitet. Die Rolle als Sanierungsbevollmächtigter bekleidete Kleinschmidt neben seiner Verwaltertätigkeit ebenfalls bereits häufiger, etwa 2020 beim Lampentechniker Feilo Sylvania.

Der Lieferantenpool des Händlers hat Dr. Jan Achsnick aus der Kölner Kanzlei Achsnick Pape Opp an seine Seite geholt. Bei der Insolvenz von Alu-Druckguss war er in einer vergleichbaren Funktion tätig.

Ein Schwerpunkt des Verfahrens dürfte aufgrund der zahlreichen Filialen die Frage sein, inwieweit zielführende Neuverhandlungen mit den Vermietern möglich sind. Auch bei Esprit, wo Kleinschmidts Düsseldorfer Kanzlei-Partner Biner Bähr Sachwalter war, sollen die Mietverhandlungen ein entscheidender Faktor des Verfahrens gewesen sein.

In den vergangenen zwei Jahren hatte Spiele Max in dem sich konsolidierenden Markt bereits viele Weichenstellungen vorgenommen. Im jüngsten Abschluss waren Ende 2019 mehr als zwölf Millionen Euro Eigenkapital vorhanden. Ein Zusammenhang zwischen der Insolvenz und den Corona-Lockdowns liegt nahe: Das Weihnachtsgeschäft war nun, ebenso wie das Ostergeschäft im ersten Lockdown, auch eingeschränkt. 

Spiele Max bezieht viele seiner Produkte über die Bielefelder Handelskooperation EK/Servicegroup. Die Genossenschaft lässt sich in dem Verfahren bisher Inhouse beraten. Auch für die Banken als wesentliche Kreditgeber sind bislang keine externen Rechtsberater in Erscheinung getreten. (Ludger Steckelbach)

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