Juve Plus Razzia

Verdächtigte Middelhoff und Esch vertrauen tdwe und Kempf & Dannenfeldt

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  • JUVE

Staatsanwaltschaft, Polizei und Steuerfahnder haben Wohnungen und Büros früherer Verantwortungsträger des insolventen Arcandor-Konzerns durchsucht. Die Durchsuchungen sollen neue Erkenntnisse über eine mögliche Untreue im Zusammenhang mit dem Niedergang des Karstadt-Mutterkonzerns bringen. Die Ermittler führten gleichzeitig auch eine Razzia bei der früheren Führungsmannschaft der Bank Sal. Oppenheim durch, die enge Verbindungen zu Arcandor und dessen Verantwortlichen pflegte.

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Die Untersuchungen sind eine neue Stufe in dem Ermittlungsverfahren, das bereits im März dieses Jahres startete. Es geht um den Verdacht auf Untreue in einem besonders schweren Fall. Insbesondere die seinerzeit persönlich haftenden Gesellschafter von Sal. Oppenheim sollen der früheren Karstadt-Quelle-Eignerin Madeleine Schickedanz mit Krediten ausgeholfen haben, ohne ausreichende Sicherheiten zu verlangen. Insgesamt soll die Troisdorfer Firma ADG Allfinanz Dienstleistungen Anfang 2005 rund 350 Millionen Euro zur Verfügung gestellt haben. Schickedanz hatte zu diesem Zeitpunkt aber bereits 650 Millionen Euro Schulden bei Sal. Oppenheim.

Daneben gewährte die Bank auch einem Teil der Gesellschafter Kredite mit einem Volumen von mehr als 680 Millionen Euro. Entgegen den marktüblichen Konditionen wurde dem Vernehmen nach ein Zinssatz von lediglich 1,5 Prozent vereinbart. Auch in diesem Fall soll es an Sicherheiten gefehlt haben.

Eine Schlüsselrolle in dem Komplex spielt der Troisdorfer Unternehmer Josef Esch, der eine wesentliche Rolle beim Aufstieg der Privatbank Sal. Oppenheim spielte und der offensichtlich ebenso maßgeblich zu deren Niedergang beitrug. Sein Firmenkonglomerat pflegte eine intensive Geschäftsbeziehung zu Sal. Oppenheim. Vor allem die Oppenheim-Esch-Fonds stehen für die enge Verbindung. Auch die Firma ADG, über die die Kredite an Schickedanz liefen, gehört zu Eschs Firmengruppe.

Josef Esch ist nun ebenfalls in das Visier der Ermittler geraten. Die Privatwohnung des Geschäftsführers und die Firmenräume der Esch-Gruppe in Troisdorf bei Köln wurden durchsucht. Der ermittelnde Kölner Oberstaatsanwalt Günter Feld bestätigte, dass insgesamt 17 Objekte in Köln, Bonn, Troisdorf und in anderen deutschen Städten betroffen seien. Es geht dabei auch um die möglichen Delikte Korruption und Steuerhinterziehung. Esch steht auch im Zusammenhang mit dem Bau von vier Messehallen in Köln in der Kritik. Der Europäische Gerichtshof hatte vor knapp einem Jahr die Vergabe des Bauauftrags an den Oppenheim-Esch-Fonds als Verstoß gegen das europäische Vergaberecht gerügt. Nach Überzeugung der Richter hätte die Stadt Köln das öffentliche Großprojekt europaweit ausschreiben müssen. Betroffen von der jetzigen Razzia waren zudem ehemalige Vorstandsmitglieder der Sparkasse Köln-Bonn, die ebenfalls in die Oppenheim-Esch-Geschäfte verwickelt sind. Hier steht der ehemalige Vorstandsvorsitzende Gustav Adolf Schröder im Mittelpunkt.

Zu den durchsuchten Objekten gehörten auch das Kölner Büro und das Bielefelder Privathaus des ehemaligen Arcandor-Chefs Thomas Middelhoff. Er gehört zu den Kunden Eschs und ist an den Oppenheim-Esch-Fonds beteiligt. Gegen Middelhoff ermittelt die Staatsanwaltschaft Bochum in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender des Arcandor-Konzerns wegen des Verdachts der Untreue.

Darüber hinaus machen einige Mitgesellschafter von Sal. Oppenheim Ansprüche gegen einzelne der ehemals persönlich haftende Gesellschafter geltend. Ihnen wird vorgeworfen, für alle Gesellschafter relevante Informationen über die wirtschaftliche Lage bei der Privatbank verschwiegen zu haben, als der Verkauf des angeschlagenen Hauses an die Deutsche Bank anstand.

Berater Thomas Middelhoff (strafrechtlich)
tdwe Thomas Deckers Wehnert Elsner (Düsseldorf): Dr. Sven Thomas – aus dem Markt bekannt

Berater Josef Esch
Kempf & Dannenfeldt (Frankfurt): Eberhard Kempf (strafrechtlich) – aus dem Markt bekannt

Berater Gustav Adolf Schröder
Gatzweiler & Münchhalffen (Köln): Gaby Münchhalffen – aus dem Markt bekannt

Ehemalige persönlich haftende Sal. Oppenheim-Gesellschafter

Berater Dieter Pfundt
Haarmann (Frankfurt): Prof. Dr. Wilhelm Haarmann (zivilrechtlich) – aus dem Markt bekannt
Dr. Dörr & Partner (Frankfurt): Dr. Felix Dörr (strafrechtlich) – aus dem Markt bekannt

Berater Friedrich Carl Janssen
Taylor Wessing (Düsseldorf): Dr. Dietrich Max (zivilrechtlich) – aus dem Markt bekannt
Prof. Dr. Franz Salditt (Neuwied, strafrechtlich) – aus dem Markt bekannt

Berater Matthias Graf von Krockow
Krause Lammer Wattenberg (Berlin): Dr. Daniel Krause (strafrechtlich) – aus dem Markt bekannt

Berater Christopher Freiherr von Oppenheim
Prof. Dr. Klaus Volk (München, strafrechtlich) – aus dem Markt bekannt

Berater Bankhaus Sal. Oppenheim
Feigen Graf (Frankfurt): Hanns Feigen (strafrechtlich) – aus dem Markt bekannt

Berater Georg Baron von Ullmann (Ex-Aufsichtsratsvorsitzender)
Oppenhoff & Partner (Köln): Dr. Peter Etzbach, Michael Oppenhoff (zivilrechtlich) – aus dem Markt bekannt

Sal.-Oppenheim-Gesellschafter

Berater Dr. Marietta Gräfin Strasoldo
Milbank Tweed Hadley & McCloy (München): Rolf Füger, Norbert Rieger – aus dem Markt bekannt

Berater Gruppe Nikolaus von Oppenheim, Familie Marx, Familie Pferdmenges, Gruppe Strasoldo (straf- und zivilrechtlich gegen Janssen und Pfundt)
Sernetz Schäfer (Düsseldorf): Dr. Hans Michael-Pott – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: In dem Verfahren setzen die Beteiligten auf einige der renommiertesten Strafverteidiger Deutschlands. Im Wesentlichen lief die Mandatsvergabe über Empfehlungen der Kanzleien, die in gesellschaftsrechtlichen Fragen zu den Stammberatern gehören. Bekannt ist, dass Thomas Middelhoff schon seit Jahren mit Sven Thomas zusammenarbeitet.

Gatzweiler ist in dem Komplex ebenfalls schon seit längerer Zeit involviert. So stand die Kanzlei dem ehemaligen Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma bei, als dieser sich mit Untreue-Vorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe des 260-Millionen-Euro-Auftrags für den Bau der neuen Messe an den Oppenheim-Esch-Fonds konfrontiert sah (mehr…).


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