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18.12.2012

Schickedanz-Klage: Sal. Oppenheim und Esch wehren sich mit Hengeler und Busse & Miessen

Heute begann vor dem Landgericht Köln der Schadensersatzprozess der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz. Sie wendet sich gegen Sal. Oppenheim, den Immobilienunternehmer Josef Esch und zwölf weitere Beklagte. Insgesamt geht es um 1,9 Milliarden Euro.

Carsten van de Sande

Carsten van de Sande

Vorbereitet ist die Klage schon seit mehr als einem Jahr (mehr…). In der Zwischenzeit hatte jedoch einiges dafür gesprochen, dass es zu einem Vergleich kommt. Schließlich scheiterten jedoch die Gespräche. Nun müssen voraussichtlich die Gerichte über den Streit entscheiden.

Mit ihrer Klage greift Schickedanz vor allem die Bank Sal. Oppenheim an. Die ehemalige Milliardärin klagt auf Schadensersatz und will zudem erreichen, dass sie ihre Darlehensverbindlichkeiten von mehreren hundert Millionen Euro nicht mehr begleichen muss. Die Schulden resultieren in erster Linie aus der Aufstockung von Anteilen an KarstadtQuelle beziehungsweise dem Nachfolgeunternehmen Arcandor.

Schickedanz wirft Esch und der Bank vor, sie dazu gedrängt zu haben, sich bei Arcandor immer weiter zu engagieren und zu verschulden. Als der Konzern 2009 dann zusammenbrach, verlor Schickedanz einen Großteil ihres Vermögens. Denn finanziert wurden die Investments mit Krediten von Sal. Oppenheim, teilweise auch verdeckt über die Briefkastenfirma ADG. Weil die ADG selbst nicht ausreichend kreditwürdig war, bürgte eine Gruppe von Sicherheitengebern.

Zu dieser Gruppe gehörten wiederum zwei Esch-Gesellschaften, die Eheleute Krockow, die Eheleute Ullmann und die inzwischen verstorbene Baronin Karin von Ullmann sowie Christopher von Oppenheim. Weil Schickedanz ihren Schuldendienst zumindest teilweise eingestellt hat, gibt es bereits eine Widerklage des Bankhauses und der Kreditbürgen. Sie verlangen 580 Millionen Euro von ihrer ehemaligen Geschäftspartnerin (mehr…).

Neben der Bank selbst und Esch hat Schickedanz etliche Ex-Gesellschafter der Bank persönlich im Visier. Insbesondere Matthias Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Dieter Pfundt und Friedrich Carl Janssen sieht sie als mitverantwortlich für ihren wirtschaftlichen Niedergang an. Der Ex-Aufsichtsratschef von Sal. Oppenheim, Georg Baron von Ullmann, gehört ebenfalls zu den Beklagten.

Immobilienunternehmer Esch spielt eine zentrale Rolle bei den Ansprüchen, die Schickedanz nun geltend macht. Esch war mit Sal. Oppenheim geschäftlich verbunden. Eine zentrale Frage in dem Prozess ist, ob Esch seine Vermögensbetreuungspflichten verletzt hat und ob diese Pflichtverletzung gegebenenfalls auch Sal. Oppenheim zuzurechnen ist. Beklagt ist auch Dirk Froese, Inhouse-Justiziar der Esch-Gruppe.

Allerdings machte der Richter in dem ersten Termin deutlich, dass er dem Vortrag von Schickedanz, sie sei nicht ausreichend über die Risiken des Aktienkaufs auf Kredit aufgeklärt worden, kaum folgen wird. „Schickedanz musste sicherlich nicht über die damit verbundenen Risiken aufgeklärt werden“, sagte der Richter. Wegen der Widerklage haben die Anwälte von Schickedanz die Möglichkeit, sich bis zum 31. März erneut zu äußern. Am vierten Juni soll dann die Entscheidung verkündet werden.

Vertreter Madeleine Schickedanz
Dr. Ringstmeier & Kollegen (Köln): Dr. Andreas Ringstmeier, Dr. Stefan Homann
Beisse & Rath (Nürnberg): Peter Rath, Dr. Felix Hechtel

Vertreter Sal. Oppenheim
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Carsten van de Sande, Dr. Markus Meier; Associates: Bianca Vogt, Johanna Wirth
Inhouse (Köln): Dr. Jörg Mucke (Leiter Rechtsabteilung), Alexander Geuer

Vertreter Esch-Gruppe
Busse & Miessen (Bonn): Dr. Torsten Arp

Vertreter Christopher Freiherr von Oppenheim
Grub Brugger & Partner (München): Dr. Norbert Scharf, Dr. Ulrike Helling

Vertreter Georg Baron und Corinna Baronin von Ullmann
Oppenhoff & Partner (Köln): Dr. Peter Etzbach, Michael Oppenhoff, Dr. Thomas Utzerath

Vertreter Ilona Gräfin von Krockow
Metzeler von der Fecht (Düsseldorf): Klaus-Dieter Barth, Dr. Wolf-Rüdiger von der Fecht

Vertreter Matthias Graf von Krockow
CMS Hasche Sigle (Frankfurt): Alexander von Reden, Dr. David Kräft

Vertreter Dieter Pfundt
Haarmann (Frankfurt): Robert Bastian, Prof. Dr. Friedrich Toepel

Vertreter Friedrich Carl Janssen
Taylor Wessing (Düsseldorf): Dr. Dietrich Max, Dr. Carsten Müller

Vertreter Dirk Froese
Friedrich Graf von Westphalen & Partner (Köln): Prof. Dr. Christian Genzow

Landgericht Köln, 21. Zivilkammer
Stefan Singbartl (Vorsitz)

Hintergrund: Alle Parteien setzen auf bewährte Kräfte. Die meisten Kanzleien sind schon lange in diesem Komplex mandatiert und auch eingebunden in die außergerichtlichen Vergleichsverhandlungen, die ungeachtet des Prozesses weiter laufen. Im Prozess führte von den Schickedanz-Vertretern der Ringstmeier-Partner Homann das Wort. Für Sal. Oppenheim nahm Hengeler-Partner van de Sande Stellung.

Die Zivilklage ist unabhängig von dem Strafprozess, der im Frühjahr 2013 gegen die früheren Verantwortlichen von Sal. Oppenheim startet. In verschiedenen Fällen hat die Staatsanwaltschaft bereits wegen besonders schwerer Untreue Anklage erhoben. Der Fall wird ebenfalls vor dem Landgericht Köln verhandelt, hier sind einige der namhaftesten Strafverteidiger Deutschlands mandatiert (mehr…). (Volker Votsmeier)

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