208 Millionen Euro

Energis erstreitet mit Clifford und DLA Piper Schadensersatz von Ex-Börsenstar Falk

Alexander Falk, Erbe des Kartografie-Verlags und einstiger Internet-Unternehmer, muss 208 Millionen Euro Schadensersatz an die inzwischen insolvente britische Firma Energis zahlen. Das entschied heute das LG Hamburg, dessen Urteil einen entscheidenden Punkt in einem Prozessreigen markiert, der seit knapp einem Jahrzehnt die Straf- und Zivilgerichte beschäftigt.

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Sebastian Rakob
Sebastian Rakob

Grundstock des Vermögens von Falk war der Verkauf seiner Anteile am gleichnamigen Kartografie-Verlag 1996 für 50 Millionen Mark an Bertelsmann. Das Geld investierte er in mehrere Internetfirmen und galt seinerzeit als einer der Stars des Börsensegments ‚Neuer Markt‘. Auf dem Höhepunkt der New Economy im Jahr 2000 verkaufte er als Verwaltungsratsvorsitzender des Schweizer Unternehmens Distefora Holding einen Anteil von etwa 75 Prozent am Internetunternehmen Ision für 763 Millionen Euro an die britische Gesellschaft Energis. 208 Millionen Euro erhielt Distefora Holding in bar, von denen etwa 30 Millionen über Dividendenzahlungen direkt an Falk beziehungsweise an die Alexander Falk Holding gingen. Den Rest des Kaufpreises in Höhe von rund 555 Millionen Euro erhielt Distefora in Form von Aktien an der Energis. Sowohl Energis als auch Ision mussten zwei Jahre nach der Ision-Übernahme Insolvenz anmelden.

Daraufhin ermittelte die Staatsanwaltschaft Hamburg: Sie prüfte, ob Falk den Aktienkurs der Ision rechtswidrig hochgetrieben hat, bevor er sie verkaufte. Schließlich klagte sie ihn wegen Steuerhinterziehung, schweren Betrugs und Kursmanipulation an. Im Zuge des Strafverfahrens pfändete die Hamburger Staatsanwaltschaft rund 30 Millionen Euro von Falk, die ursprünglich an die Frankfurter Wertpapierbank Hornblower Fischer hätten fließen sollen. 2002 hatte Falk 75 Prozent der renommierten Bank übernommen. Wegen der eingefrorenen Gelder ging in der Folge auch die Bank in die Insolvenz, weswegen Falk schließlich eine Schadensersatzklage gegen die Stadt Hamburg in Höhe von 50 Millionen Euro einreichte. 

Nach dreieinhalb Jahren Prozess wurde Falk im Mai 2008 wegen versuchten Betrugs vom LG Hamburg zu vier Jahren Haft verurteilt (mehr…). Die zusätzliche Anordnung eines Verfalls lehnte das Gericht jedoch ab, weil nach Meinung der Richter Schadensersatzansprüche von Energis vorrangig seien. Falk ging in Revision, der BGH verwies 2010 zurück an das LG Hamburg.

Seit Juli dieses Jahres verhandelte das LG Hamburg nun darüber, ob die von der Staatsanwaltschaft eingefrorenen Gelder von 30 Millionen Euro eingezogen werden, weil sie möglicherweise aus einer rechtswidrigen Tat stammen. Falks Anwälte sahen in einem sogenannten Verfall einen Verstoß gegen europäisches Recht. Im August gelang Falk in dieser Sache eine Art Etappensieg: Das Gericht urteilte, dass die Staatsanwaltschaft die gesperrten Gelder freigeben müsse.

Allerdings konnte Falk wegen der möglichen Schadensersatzansprüche von Energis nicht darüber verfügen. Nun wird dieses Geld, wie auch das, was vom Vermögen übrig ist, an Energis gehen. Ein Ende der Prozessserie ist aber noch immer nicht in Sicht: Die Prozessvertreter von Falk haben Berufung angekündigt.

Vertreter Energis
Clifford Chance (Frankfurt): Sebastian Rakob (Federführung), Uwe Hornung, Associates: Sybille Haas, Dr. Beatrix Elsner (alle Litigation)
DLA Piper
(Frankfurt): Dr. Wolfgang Jäger (Litigation, Federführung bis 2010), Prof. Dr. Jürgen Taschke (Wirtschaftsstrafrecht), Dr. Christian Wolf (Litigation; Federführung seit 2010); Associate: David Kappel

Vertreter Alexander Falk/Alexander Falk Holding
Heuking Kühn Lüer Wojtek
(Hamburg): Dr. Elke Umbeck (Federführung), Associates: Sabine Ottow, Kai Engelbrecht

Landgericht Hamburg 27. Zivilkammer
Stefanie Zöllner
(Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Die enge Mandatsbeziehung von Clifford zu Energis besteht schon seit das Unternehmen im Jahr 2000 Ision übernahm. Auch bei der folgenden Insolvenz und den anschließenden Prozessen arbeitete die Kanzlei für die Energis-Insolvenzverwalterin, um die Ansprüche gegen Falk durchzusetzen.

Im Laufe des Strafverfahrens hatte Clifford mit einem Forderungsbetrag von 763 Millionen Euro den damals wohl höchsten Adhäsionsantrag in Deutschland gestellt. Damit verschaffte sie sich zugleich Beteiligungsrechte im Strafverfahren, die auch durch den damaligen Clifford-Strafrechtspartner Dr. Jürgen Taschke wahrgenommen wurden. Sowohl Jäger als auch Taschke wechselten im Laufe des Verfahrens zu DLA Piper (mehr…), arbeiteten an diesem Fall aber gemeinsam weiter.

Alexander Falk vertraut schon seit Beginn der Streitereien auf die heutige Heuking-Partnerin Elke Umbeck, die seinerzeit noch bei Freshfields Bruchhaus Deringer als Principal Associate tätig war. 2008 wechselte sie dann als Equity-Partnerin zu Heuking (mehr…).

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