Dieselaffäre

Porsche-Manager entgehen Anklage der Staatsanwaltschaft

Es ist noch einmal glimpflich ausgegangen für mehrere Porsche-Manager. 2018 wurden sie verdächtigt, an der Manipulation von Dieselmotoren beteiligt gewesen zu sein. Nun wurden die Anklagen fallen gelassen. Lediglich der ehemalige Motorenchef erhielt einen Strafbefehl.

Teilen Sie unseren Beitrag

Die Ermittlungen mit Bezug zur Porsche-Vorstandsebene in der Dieselaffäre sind laut Staatsanwaltschaft Stuttgart abgeschlossen. Damit ist der Porsche-Vorstand rechtlich entlastet – anders als bei VW und Audi. Das Verfahren gegen den Entwicklungsvorstand S. stellte die Staatsanwaltschaft nun gegen Geldzahlung ein. 

Die Ermittlungen gegen den Motorenchef K. sind schon im Dezember 2021 eingestellt worden, wie kürzlich bekannt wurde. Allerdings erließ das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt einen Strafbefehl wegen Betrugs gegen ihn. Der Manager war acht Jahre lang Porsche-Motorenchef, seit April 2021 verantwortet er als Bauleiter das Modell Macan.

Im gleichen Strafverfahren wurde gegen einen dritten Manager von Porsche – nicht auf höchster Ebene – ermittelt. Auch die Ermittlungen gegen ihn wurden gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. 

Vor rund drei Jahren durchsuchten 200 LKA-Beamte und Staatsanwälte den Stuttgarter Porsche-Stammsitz, gegen den Motorenchef wurde ein Haftbefehl erlassen. Zudem wurde ein weiteres Vorstandsmitglied beschuldigt.

Die Staatsanwaltschaft warf den beiden Porsche-Managern Betrug und strafbare Werbung „im Zusammenhang mit der Manipulation des Emissionskontrollsystems von Diesel-Pkws“ vor. Wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr kam der damalige Motorenchef K. für drei Monate in Untersuchungshaft.

Die Ermittlungen erstrecken sich künftig ausschließlich auf die untere Führungsebene. 

Björn Gercke

Vertreter Porsche AG
Kempf Schilling (Frankfurt): Eberhard Kempf , Dr. Johannes Corsten

Vertreter Entwicklungsvorstand S. 
Gercke Wollschläger (Köln): Prof. Dr. Björn Gercke; Associate: Dr. Andreas Grözinger 

Vertreter Motorenchef K. 
Eisenmann Wahle Birl & Weidner (Stuttgart): Prof. Dr. Wolfgang Winkelbauer, Ann-Kathrin Schreiner
Schneider Schultehinrichs (Frankfurt): Dr. Friedrich Schultehinrichs

Vertreter dritter Manager
Wannemacher & Partner (München): Uwe Lehmbruck

Eberhard Kempf

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt und waren schon zu Beginn der Ermittlungen mandatiert. Entwicklungsvorstand S. nahm sich mit dem Kölner Strafrechtler Gercke einen bundesweit renommierten Wirtschaftsstrafrechtler an die Seite. Dieser war abgesehen von dem Dieselskandal etwa involviert in das Loveparade-Mammutverfahren sowie in Sachen Cum-Ex.

Der Porsche-Motorenchef K. vertraute seit Beginn auf den etablierten Verteidiger Winkelbauer. Er ist bereits als strafrechtlicher Vertreter von Vorständen in Erscheinung getreten, aber auch als Versicherungsrechtler renommiert.

Für die Porsche AG war Namenspartner Kempf tätig, der im Markt auch als strafrechtlicher Vertreter des geschassten VW-Chefs Matthias Müller bekannt ist. Die Ermittlungen gegen Müller sind seit Sommer 2020 ohne Auflagen eingestellt. Bei den Durchsuchungen 2018 war für die Porsche AG zusätzlich der Straf- und Steuerstrafrechtler Klinger von der in Schrondorf ansässigen Kanzlei Klinger & Tschersich eingesetzt. 

Für die interne Untersuchung bei Porsche war nach JUVE-Informationen ein Hogan Lovells-Team um den Münchner Compliance-Partner Dr. Sebastian Lach im Einsatz.

Lehmbruck, Vertreter eines dritten Managers, ist auch bekannt durch seine Vertretung des Ex-BayernLB-Vorstands Dieter Burgmer zu Untreue-Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Kauf der österreichischen HGAA.

Copyright Teaserbild: Xristoforov/stock.adobe.com

Wir haben den Beitrag am 12.4.22 um 16.40 aktualisiert.

Artikel teilen

Lesen sie mehr zum Thema

Markt und Management Porsche-Durchsuchungen

Manager muss in U-Haft, Strafrechtler mandatiert

Verfahren Dieselaufarbeitung

Prozess gegen Ex-Audi-Chef Stadler beginnt in JVA Stadelheim

Verfahren Audi fährt in Karlsruhe vor

Diesel-Sieg mit Freshfields und Hall

Verfahren Diesel

VW und Ex-Vorstände stehen wohl vor Millionenvergleich