Restrukturierung gescheitert

Autozulieferer meldet Insolvenz an – Brinkmann & Partner übernimmt Verwaltung

Die Krise beim Steckverbindungshersteller Erich Jaeger weitet sich auf die gesamte Gruppe aus: Nachdem die Erich Jaeger GmbH mit ihren rund 1.000 Mitarbeitern Anfang April beim Amtsgericht Friedberg Insolvenz angemeldet hatte, ist nun auch die Muttergesellschaft AdCapital zahlungsunfähig und strebt über ein Insolvenzverfahren die Sanierung an.

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Erich Jaeger stellt unter anderem Steckverbindungen für Lkw-Anhänger her.

In beiden Verfahren wurde Dr. Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Das Gericht folgte hier der Logik der Konzernzuständigkeit. Plathner ist regelmäßig im deutschen Traditionsmittelstand tätig. Zuletzt für Wilhelm Rink, einen Fachgroßhändler für Handel, Handwerk und Industrie mit 100-jähriger Firmengeschichte.

Ähnlich lange gibt es auch Erich Jaeger schon, die seit 1998 zu Adcapital gehört. Adcapital ist eine börsennotierte Beteiligungs- und Investmentgesellschaft unter Leitung von Vorstand Andreas Schmid, der seit 2022 auch CEO der Erich Jaeger Gruppe ist.

Das 1932 gegründete Unternehmen zählt mit einem Jahresumsatz von rund 77 Millionen Euro und etwa 1.000 Mitarbeitenden an elf Standorten weltweit zu den führenden Anbietern von Steckverbindungen im Automobilbereich. In Deutschland beschäftigt Erich Jaeger rund 200 Menschen; weitere Produktionsstätten befinden sich in Mexiko, Tschechien und China.

Restrukturierung ohne Wirkung

Andreas Kloyer

Die Insolvenz kommt trotz monatelanger Restrukturierungsbemühungen. Im Rahmen der strategischen „Vision 2030″ der Adcapital war das Unternehmen zuletzt tiefgreifend umgebaut worden: Zum 1. Januar 2026 gingen die Vermögenswerte der bisherigen Erich Jaeger GmbH & Co. KG auf die Erich Jaeger GmbH über. Parallel wurden Beteiligungen abgebaut – etwa an der Jaeger Power Automotive Systems Shenzhen Ltd. – und Betriebsgrundstücke in Tschechien veräußert, um Kapital für die Entschuldung und Refinanzierung zu gewinnen.

Der Abverkauf von Vermögenswerten und die Neuaufstellung der Konzernstruktur reichten nicht aus: Massive, geopolitisch bedingte Umsatzrückgänge, insbesondere im Segment Automotive und Connectivity Solutions, machten die Sanierungserfolge zunichte. Dass nun auch die Muttergesellschaft Insolvenz anmelden musste, zeigt, dass die Krise längst die gesamte Gruppe erfasst hat.

Adcapital und Erich Jaeger ließen sich zur Restrukturierung von der Kanzlei Luther beraten. Zuständig waren nach JUVE-Informationen die Frankfurter Corporate-Partner Dr. Andreas Kloyer und Oliver Köhler sowie der Stuttgarter Restrukturierungspartner Gunnar Müller-Henneberg. Erich Jaeger wurde nach Marktinformationen noch von Baker Tilly sowohl zu steuerlichen als auch zu rechtlichen Themen begleitet.

Investorensuche gestartet

Der Geschäftsbetrieb von Erich Jaeger läuft nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters an allen Standorten uneingeschränkt weiter. Die Löhne und Gehälter seien über eine bereits eingeleitete Insolvenzgeldvorfinanzierung gesichert. Plathner wird bei Erich Jaeger von einem Team unterstützt, dem unter anderem die Restrukturierungsexperten Christoph Enkler und Sebastian Netzel angehören. Erste Gespräche mit Kunden, Lieferanten und weiteren Stakeholdern seien bereits aufgenommen worden.

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