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KPMG entgeht mit Allen & Overy Schadensersatzforderung aus der P+S-Werften-Pleite

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  • JUVE

Die Millionenpleite der P+S-Werften in Stralsund und Wolgast beschäftigt weiterhin die Gerichte. Für die ehemalige Sanierungsgutachterin KPMG gab es heute allerdings erst mal Entwarnung: In einem Prozess vor dem Landgericht Hamburg konnten die ehemaligen Berater Millionenforderungen gegen sich abschmettern. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann fordert in einem noch anhängigen Verfahren aber weiterhin Schadensersatz von KPMG.

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Marc Zimmerling
Marc Zimmerling

Bereits bei der letzten mündlichen Verhandlung im November vergangenen Jahres hatte die Vorsitzende Richterin durchblicken lassen, dass die Klage wohl abgewiesen werden könnte. Terminverzögerungen beim Schiffbau, Zahlungsausfälle oder Lieferschwierigkeiten seien später aufgetretene Probleme, die man nicht KPMG zurechnen könne.

Dreh- und Angelpunkt des Streits war ein vermeintlich fehlerhaftes Sanierungsgutachten, das die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG den kränkelnden Werften ausstellte. Dies geschah, bevor die Werft 2012 Insolvenz anmeldete. Der frühere P+S-Gesellschafter, die Hegemann-Gruppe, meldete in dem Verfahren einen Schaden von mehr als 300 Millionen Euro an. Hegemann war mit Darlehenssicherheiten bei P+S engagiert, die zur Jahreswende 2009/10 auf Grundlage des positiven KPMG-Sanierungsgutachtens verlängert wurden.

Sanierungsfähigkeit attestiert

Die Rettung der Werften und ihrer knapp 2.000 Mitarbeiter war in Mecklenburg-Vorpommern bereits ein Politikum, bevor sie 2012 offiziell in die Insolvenz schlitterten. Bereits 2010 stand es schlecht um die Werftengruppe. Damals war KPMG beauftragt worden, den wirtschaftlichen Zustand der Werften zu prüfen – und attestierten ihnen die Sanierungsfähigkeit, woraufhin die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern Staatshilfen genehmigte. Ab 2010 stand die Werftengruppe zudem unter der Verwaltung der Treuhandgesellschaft HSW. Der bisherige Alleineigentümer Detlef Hegemann musste auf Druck von Land, Bund und Banken die Geschäftsführung übertragen.

2012 kam dann trotzdem das Aus, weil die Geschäftsführung mit ihrem Restrukturierungskonzept scheiterte, das noch mehr staatliche Finanzmittel erfordert hätte. Das Land Mecklenburg-Vorpommern verlor etwa 270 Millionen Euro durch Bürgschaften. Insgesamt wurden nach der P+S-Pleite Forderungen von 1,22 Milliarden Euro angemeldet. Ausgelöst wurde die Insolvenz letztlich durch den Bau von zwei Fähren für die Reederei Scandlines.

Vertreter Hegemann Gruppe
Schultze & Braun (Bremen): Dr. Ludwig Weber (Steuerrecht); Associates: Nils Andersson-Lindström (M&A), Dr. Michael Rozijn (Kapitalmarktrecht)

Vertreter KPMG
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Marc Zimmerling; Associates: Angélique Pfeiffelmann, Rhea Karst (alle Litigation)

Vertreter KPMG-Partner (bzw. dessen Erben)
Altenburger Rechtsanwälte (Düsseldorf): Prof. Dr. Stefan Schaub

Landgericht Hamburg, 26. Zivilkammer
Dr. Carola Klaassen (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Die Vertreter sind alle seit Beginn des Verfahrens aus dem Markt bekannt.

A&O-Partner Zimmerling ist häufig in ähnlichen Fällen an der Seite von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zu sehen, besonders prominent etwa ist die Auseinandersetzung rund um die Arcandor-Insolvenz. Im Hintergrund berät neben Schultze & Braun auch Wolfgang Kubicki von Kubicki & Schöler die Hegemann-Gruppe.

Der Prozess in Hamburg ist bei weitem nicht das einzige Verfahren, das aus der Pleite der P+S Werften resultierte.

Die Klage des Insolvenzverwalters Berthold Brinkmann, der ebenfalls mehr als 500 Millionen Euro von KPMG fordert, läuft noch bei der gleichen Kammer vor dem Landgericht Hamburg und wird im April fortgesetzt. Insolvenzverwalter Brinkmann führt in dem P&S-Komplex einzelne Anfechtungsklagen selbst, beispielsweise die gegen die Hegemann-Gruppe. In dem Schadensersatzprozess gegen KPMG vertraute er aber auf ein renommiertes Team aus Restrukturierungs- und Prozessexperten von Noerr unter Federführung von Christine Volohonsky und Dr. Thomas Hoffmann. 

Neben arbeitsrechtlichen Prozessen um die Alterssicherung von Mitarbeitern gab es auch strafrechtliche Ermittlungen gegen zwei ehemalige Vorstandsmitglieder, die dabei von den Strafverteidigern von Krause & Kollegen beraten wurden.

Im parallel laufenden Verfahren vor dem Landgericht Stralsund vertritt Stefan Bank von Bock Legal die ehemaligen Geschäftsführer der P+S-Werften in den D&O-Prozessen. Dort ist die Kölner Kanzlei Achsnick Pape Opp für den Insolvenzverwalter tätig, die 2013 aus Himmelsbach Achsnick hervorging.

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