Automobilzulieferer erneut insolvent

Rüster hofft auf Grub Brugger, Gerloff Liebler und Eversheds

Der Automobilzulieferer Rüster im schwäbischen Deggingen will sich über ein Eigenverwaltungsverfahren sanieren. Den Mitarbeitenden am zentralen Standort ist die Situation nicht fremd, die jetzige GmbH war erst im Juli 2021 aus der Insolvenz der Rüster Präzisionstechnik hervorgegangen.

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Der Geschäftsbetrieb soll in vollem Umfang aufecht erhalten werden, ein Investor für die Unternehmensgruppe mit rund 120 Millionen Umsatz und 630 Mitarbeitenden wird in einem offenen Verfahren gesucht. Zum vorläufigen Sachwalter hat das Amtsgericht Göppingen Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger ernannt. 

Rüster gehört der Industrieholding Navigator Group und ist auf Produkte zur Schwingungsdämpfung, Dichtung und Isolierung spezialisiert. Erst in diesem Sommer hatte das Unternehmen drei selbst insolvente und im gleichen Produktsegment tätige Zulieferunternehmen hinzugekauft: Henniges im niedersächsischen Rehberg-Loccum (mit einer weiteren Produktionsstätte in Prudnik/Polen) sowie zwei Unternehmen der Appel-Gruppe in Lauda-Königshofen (Baden-Württemberg) und Gedern (Hessen). Auch hier ist die Belegschaft zum zweiten Mal in kurzer Folge mit einer Sanierungssituation konfrontiert.

Schlagkraft reichte nicht aus

„Zu knapp“ kalkuliert sei die Finanzierung dieser Unternehmen gewesen, teilte Rüster nun mit, zudem habe es „Prozessverzögerungen bei der Übertragung und Eingliederung“ der erworbenen Produktionsstätten gegeben. Der Verweis auf „dramatisch gestiegene Kosten, vor allem für Energie“ begleitet nahezu ausnahmslos alle Insolvenznachrichten dieser Tage. Bei der Henniges-Übernahme im August hatte Rüster-Geschäftsführer Phil Hertzog noch von „gewonnener Schlagkraft“ gesprochen, Insolvenzverwalter Dr. Rainer Eckert (Hannover) ging seinerzeit von einer Standortsicherung in Niedersachsen aus. 

Martin Mucha

Ein Gläubigerausschuss könnte sich in der kommenden Woche konstituieren. Über die Bildung eines Lieferantenpools ist noch nicht abschließend entschieden. Im Fahrwasser der Rüster GmbH hat am gleichen Standort auch deren deutlich kleineres Schwesterunternehmen Rüster Technologie mit rund 30 Arbeitsplätzen Insolvenz angemeldet.   

Der Fall Rüster bildet ein weiteres Glied in einer Kette von Sanierungsfällen im Automotivebereich. Große Namen in der Krise waren zuletzt Borgers in Bocholt (Nordrhein-Westfalen) mit 1.900 und Schneider im oberfränkischen Kronach mit 2.000 Beschäftigten. Nicht mehr zu sanieren ist das BIA-Werk in Forst bei Bruchsal in Baden, Hersteller des Mercedes-Sterns. Die Tochter der Solinger BIA Kunststoff- und Galvanotechnik schließt zum Jahresende für immer die Pforten.     

Sachwaltung Rüster
Grub Brugger (Stuttgart): Martin Mucha (vorläufiger Sachwalter)

Berater Sachwalter
Grub Brugger (Stuttgart): Karl Schäfer (Insolvenzrecht/Restrukturierung)

Christian Stoffler

Berater Rüster
Gerloff Liebler (München): Christian Stoffler (Federführung; Chief Restructuring Officer), Dr. Christian Schmitt (Generalbevollmächtigter); Associates: Timo Mauch (Insolvenzrecht/Restrukturierung), Christian Rogner (Arbeitsrecht) 
Eversheds Sutherland (München): Dr. Christian Hilpert (Federführung; Insolvenzrecht/Restrukturierung), Bernd Pirpamer (Arbeitsrecht); Associate: Dr. Anne Riewe (Insolvenzrecht/Restrukturierung)

Hintergrund: Der Stuttgarter Grub Brugger-Partner Mucha gilt als einer der führenden Insolvenzrechtler im Südwesten. Jüngste Mandate als Generalbevollmächtigter erstreckten sich etwa auf den Drehteilehersteller Leipold in Wolfach im Schwarzwald, die Ritter Leichtmetallguss in der Region Stuttgart oder den Offenbacher Dentalfachhändler Pluradent, der im Juni von Aurelius und Dental Bauer übernommen wurde. 

Gerloff Liebler ist auf das Insolvenzrecht spezialisiert und kam über einen Kontakt zu Eversheds-Principle Associate Riewe in das Mandat. Zudem war das Duo Stoffler und Schmitt ab Frühjahr 2020 beim Thermostathersteller Arlington im schwäbischen Oberboihingen im Mandat, dabei koordinierte Eversheds-Partner Hilpert die Beziehungen zum Verfahren der ebenfalls insolventen Arlington-Muttergesellschaft in Großbritannien. Der federführende Rechtspfleger Stoffler berät mit langjähriger Erfahrung in solchen Mandaten im Team von Gerloff Liebler. Im Fall der Rüster Technologie amtiert Stoffler als Generalbevollmächtigter.

Christian Hilpert

Das Eversheds-Team um den deutschen Praxisgruppenleiter Hilpert und Riewe war bereits im Sommer bei der Henniges-Übernahme seitens der Navigator Holding mandatiert und wurde jetzt von Rüster selbst erneut hinzugezogen. Riewe, ehemalige Associate bei CMS und Beiten Burkhardt, hatte in einem früheren Mandat Kontakt zu Rüster-Gesellschafter Hertzog. Das Hilpert-Team ist seit vielen Jahren im Automobilsektor im Einsatz. 

Bei der ersten Rüster-Insolvenz 2021 waren Steffen Beck und Fritz Zanker von der Stuttgarter Pluta-Niederlassung als Verwalter tätig.   

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