Seit einigen Monaten herrscht Unstimmigkeit zwischen dem Brenntag-Management und den aktivistischen Investoren. Insbesondere der britische Fonds Primestone sorgte für öffentliche Aufmerksamkeit, indem er eine Aufspaltung des Konzerns fordert. Die Geschäftsbereiche Spezial- und Basischemikalien sollen separiert werden, um eine schnelle Wertsteigerung zu erzielen. Beide Sparten erwirtschafteten im vergangenen Jahr gemeinsam einen Umsatz von rund 19,4 Milliarden Euro.
Um den Druck zu erhöhen sprach sich der Finanzinvestor gegen die von Brenntag vorgeschlagenen Kandidaten aus. Zur Wahl standen Richard Ridinger, ehemaliger Chef des Schweizer Feinchemiekonzerns Lonza, als Aufsichtsratschef und Suja Chandrasekaran als Mitglied des Kontrollgremiums.
Im Gegenzug schlug Primestone den ehemaligen Chemiekonzern-Manager Geoff Wild und die Ex-Goldman-Sachs-Bankerin Joanna Dziubak für die Posten vor. Hätten sich die beiden potenziellen Gegenkandidaten durchsetzen können, hätten die aktivistischen Investoren ein Drittel der Stimmanteile des sechsköpfigen Aufsichtsrates generieren können.
Nach JUVE-Informationen stellte Primestone zwar einen Wahlantrag bei der digitalen Hauptversammlung, ein Antrag für eine bevorrechtigte Abstimmung blieb jedoch aus. Somit wurden Ridinger und Chandrasekaran erfolgreich gewählt, wodurch sich eine Abstimmung über die beiden von Primestone vorgeschlagenen Kandidaten erübrigte. Zudem sei ein Antrag eines weiteren Aktionärs* auf Sonderprüfung abgelehnt worden.
Der Erfolg des Vorhabens bei einer möglichen Kampfabstimmung wäre gar nicht so unwahrscheinlich gewesen, obwohl Primestone nur rund 2 Prozent der Anteile von Brenntag hält. Die beiden einflussreichen US-Aktionärsberater ISS und Glass Lewis hatten sich auf die Seite von Primestone gestellt. Diese Positionierung wäre nicht zu unterschätzen gewesen, weil gut 60 Prozent der Aktionäre aus dem angelsächsischen Raum stammen. DWS, DSW sowie die größeren Anteilseigner Kühne Holding (6 Prozent) und der Vermögensverwalter Flossbach von Storch (5 Prozent) sprachen hingegen eine Empfehlung für die Vorschläge von Brenntag aus. In diesem Jahr gab es beim Pharmakonzern Bayer einen ähnlichen Machtkampf zwischen dem Aufsichtsrat und den Aktionären.
Die scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Doreen Nowotne sprach sich erneut nicht gänzlich gegen die geforderte Abspaltung aus. Allerdings solle dieser Prozess kontrolliert und nicht aprupt erfolgen.
Berater Brenntag
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Prof. Dr. Christoph Seibt, Dr. Arne Krawinkel; Associate: Dr. Moritz Meyer (alle Corporate/Kapitalmarktrecht)
Latham & Watkins (Frankfurt): Dr. Nikolaos Paschos, Sebastian Goslar (Corporate/Kapitalmarktrecht)
Inhouse Recht (Essen): Dr. Frank Fischer, Christiane von Werden, Peter-Jürgen Siedhoff
Berater Primestone
Broich (Frankfurt): Alexander Herzog (Corporate/Kapitalmarktrecht) – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: Latham & Watkins berät Brenntag laufend bei der Vorbereitung von Hauptversammlungen. In diesem Jahr war Counsel Goslar maßgeblich tätig.
Freshfields-Partner Seibt wurde für die Beratung zu den Forderungen der aktivistischen Investoren mandatiert. Zudem war das Essener Inhouse-Team um General Counsel Fischer beteiligt.
An der Seite von Primestone trat nach JUVE-Informationen der Associate Herzog aus dem Frankfurter Büro der Kanzlei Broich auf. (mit Material von dpa)
*Wir haben den Artikel an dieser Stelle angepasst.