Innogy Ceska Republika versorgt derzeit 1,2 Millionen Gas- und 0,4 Millionen Stromkunden in Tschechien. Mit MVM mischt nun erstmals ein ungarisches Staatsunternehmen im tschechischen Energiemarkt mit. Der Energieversorger MVM beschäftigt etwa 12.000 Mitarbeiter, der Umsatz lag im Jahr 2017 bei umgerechnet rund 3,8 Milliarden Euro. MVM konnte sich im Bieterverfahren unter anderem gegen mehrere tschechische Milliardäre und einen Energiekonzern durchsetzen. Flankierende Banken waren die BNP Paribas und Perella Weinberg Partners aufseiten von E.on und JP Morgan für MVM.
Medienberichten zufolge waren auch die Investmentvehikel EPH, KKCG, Sev.en Energy und PPF sowie der Versorger Prazska energetika (PRE) am Bieterverfahren beteiligt und hatten es in die finale Runde geschafft.
Squeeze-out bereits vollzogen
E.on und RWE hatten 2019 beschlossen, die erst 2012 gegründete RWE-Grünstrom-Tochter Innogy zu zerschlagen und unter sich aufzuteilen. RWE übernahm die Erneuerbare-Energien-Sparten von Innogy und E.on, das Netz- und Vertriebsgeschäft ging an E.on. In einem Fusionskontrollverfahren hatte die Kommission der Innogy-Übernahme durch E.on unter Auflagen zugestimmt: Der Essener Energiekonzern musste sein deutsches Heizstromgeschäft sowie Teile des Stromkundengeschäfts in Ungarn verkaufen – und das Strom- und Gaskundengeschäft in Tschechien abgeben. Mit dem Verkauf der Innogy Ceska Republika an MVM sind alle Auflagen erfüllt, sofern die Kommission den Deal nichts zu beanstanden hat. Die größte Neuordnung der deutschen Energiebranche der vergangenen Jahre ist damit so gut wie abgeschlossen. Die Verschmelzung von E.on und Innogy ist indes schon fix: Der sogenannte Squeeze-out der verbliebenen Minderheitsaktionäre von Innogy ist seit Juni im Handelsregister eingetragen.
Berater MVM
White & Case (Prag): Jan Andruško, Vít Stehlík (beide Federführung; beide M&A), Ivo Janda (IP), Jan Stejskal, Jan Jakoubek (beide M&A), Václav Žaloudek, Tomáš Ščerba (beide Energierecht), Jan Ole Eichstädt (M&A; Frankfurt), Pavel Čížek (Energierecht/M&A); Associates: Iva Čechráková, Monika Sedláčková, Lukáš Pavlík (alle M&A), David Wilhelm, Martin Voříšek, Jan Voborský (alle Energierecht), Radek Kraus (Bank- und Finanzrecht), Anna Stárková (IP)
Berater E.on
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Thomas Meurer, Dr. Martin Ulbrich (beide Federführung; beide M&A), Dr. Dirk Uwer (Öffentliches Wirtschaftsrecht/Regulierung), Dr. Wolfang Kellenter, Dr. Moritz Rademacher, Patrick Wilkening (alle IP/IT), Dr. Matthias Scheifele, Dr. Gunter Wagner (beide Steuern; beide München); Associates: Richard Suermann, Dr. Maximilian Hermans, Jil Kalender, Dr. Florian Krauss (alle M&A), Tianyuan Thuang (IP/IT; alle Düsseldorf), Dr. Sebastian Heinrichs (Steuern; Frankfurt)
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Carsten Grave (Federführung), Christoph Barth; Associates: Dr. David dos Santos Goncalves, Fernando Iscar Rüland, Meike Bohry, Molly Snaith, Elisha Kemp (beide London; alle Kartellrecht)
Havel & Partners (Prag): Jan Frey (Federführung; M&A), Josef Žaloudek (Steuern), Petra Sochorová (Arbeitsrecht), Richard Otevřel (Datenschutzrecht); Associates: David Šmída (Corporate), Ivo Skolil (M&A/Energierecht), Albert Tatra (Immobilienrecht), Dalibor Kovář , Lukáš Jakoubek (beide IP/IT), Štěpán Černý (Bank- und Finanzrecht), Vojtěch Katzer (Arbeitsrecht), Pavla Kaufmannová (Arbeitsrecht/Compliance)
Inhouse Recht (E.on; Essen): Sebastian Heidtkamp (Head of Legal M&A); Dr. Nicole Schröder (Head of Antitrust/Regulatory/Public Law), Lilie Barski (Antitrust/Regulatory/Public Law), Stefan Männich (Intellectual Property Law)
Inhouse Recht (Innogy; Essen): Dr. Tobias Bage (Head of Legal M&A)
Inhouse Steuern (Innogy; Essen): Rainer Dallaff (Head of Tax Consulting)
Hintergrund: Aufgrund der Corona-Pandemie fanden sämtliche Verhandlungen zwischen deutschen und tschechischen Anwälten sowie das Signing virtuell statt. Die Mandatierung von Hengeler Mueller durch E.on lässt sich auf die Geschäftsbeziehung mit der jetzigen E.on-Tochter Innogy zurückführen. Hengeler war in den vergangenen Jahren regelmäßig an der Seite von Innogy zu sehen und beriet bereits bei vorhergehenden Transaktionen mit Osteuropa-Bezug. So war ein Team um Thomas Meurer dabei, als Teile des tschechischen Gasverteilnetzbetreibers Innogy Grid Anfang 2019 an RWE gingen und beriet auch, als RWE die Anteile wenige Monate später an Macquarie Infrastructure and Real Assets (Mira) weiterreichte. Auch die Veräußerung des Anteils von Innogy an der slowakischen VSEH an RWE vor gut einem Jahr begleitete ein Hengeler-Team unter Federführung von Meurer und Ulbrich.
Linklaters hat für E.on bereits im Kontext der Innogy-Übernahme das Phase-2-Verfahren bei der EU-Kommission mit einem großen Team aus Düsseldorfer und Londoner Anwälten geführt. An das Fusionskontrollverfahren knüpfte nahtlos die kartellrechtliche Beratung zu den Transaktionen an, die sich aus dem Auflagenpaket der Kommission ergaben.
Auf Inhouse-Seite waren rechtliche und steuerliche Mitarbeiter von E.on und Innogy involviert. Die einstige RWE-Tochter behält ihren Namen, firmiert inzwischen aber vollständig unter dem Dach von E.on. Der ebenfalls beteiligte Tobias Bage hat Innogy inzwischen verlassen. Seit Anfang August leitet er den Bereich Recht & Compliance bei Peek & Cloppenburg.
MVM ging mit einem Prager Team von White & Case in die Verhandlungen. Aus Deutschland unterstützte der Frankfurter Partner Jan Ole Eichstädt, insbesondere bei regulatorischen Fragen. Dem Vernehmen nach ließ sich MVM steuerlich von KPMG beraten. (Annika Janßen)