Der Staat hilft

Enercon sichert sich mit Gleiss eine halbe Milliarde Euro

Der ostfriesische Windradbauer Enercon ist unter den staatlichen Rettungsschirm geschlüpft. Das Unternehmen erhält 500 Millionen Euro Unterstützung über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) – offiziell zur Abfederung negativer Folgen der Corona-Pandemie.

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Enercon mit Hauptsitz in Aurich ist ein führender Systemlieferant für regenerative Energien. Er bietet neben Windenergieanlagen, dort vor allem On-Shore, weitere Produkte und Dienstleistungen an. Das Unternehmen war ein Pionier der grünen Transformation im Energiesektor. Alleingesellschafterin von Enercon ist die nach dem langjährigen Unternehmenslenker benannte Aloys-Wobben-Stiftung.

Matthias Tresselt

Angesichts finanzieller Probleme hat Enercon die staatlichen Liquiditätshilfen seitens des WSF beantragt und erhalten. Dazu musste das Unternehmen auch eine Verpflichtungserklärung gegenüber dem WSF abgegeben. Der genehmigte Betrag ist einer der größten Fälle des WSF, der von der Bundesfinanzagentur verantwortet wird.

Vorzeigeunternehmen in der Krise

Enercon befindet sich trotz der Energiewende seit einigen Jahren in einer Restrukturierung. Im Jahr 2020 gelang bereits eine große Refinanzierung bestehender Finanzverbindlichkeiten im Rahmen einer grundlegenden Neuausrichtung des Unternehmens. Die dafür abgeschlossene Kreditfazilität in Höhe von 1,15 Milliarden Euro hatte eine Laufzeit von mehr als drei Jahren. Das finanzierende Bankenkonsortium mit mehr als 15 Instituten wird angeführt von der Commerzbank, der Deutschen Bank, der ING sowie der KfW IPEX. Es folgte ein Joint Venture namens Alterric mit dem Energieversorger EWE, in dessen Zuge die Finanzierung und ihre Besicherung angepasst werden mussten. 

Durch das aktuelle Nachrangdarlehen des WSF sind die bisher finanzierenden Banken und die Stiftung als Eigentümerin betroffen.

Berater Enercon
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Matthias Tresselt (Restrukturierung), Dr. Kai Birke (Kreditrecht; Frankfurt), Dr. Ulrich Soltész (Beihilferecht; Brüssel) – aus dem Markt bekannt

Berater Enercon/Aloys-Wobben-Stiftung
Allen & Overy (München): Dr. Alexander Veith (Corporate), Dr. Walter Uebelhoer (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt) – aus dem Markt bekannt
BDO (Düsseldorf): Dr. Michael Brauer, Bernhard Christl (Leer); Associate: Christian Richter (alle Steuern) – aus dem Markt bekannt

Rainer Wilke

Berater Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur
Inhouse Recht (Finanzagentur; Frankfurt): Bernd Giersberg (Chefsyndikus), Martin Schmitz-Manseck (Abteilungsleiter Recht)
Noerr (Düsseldorf): Rainer Wilke, Dr. Harald Selzner (beide Federführung), Dr. Benedikt Vogt, Hannah Besting, Claudia Rinkens, Dr. Björn Grotebrune (München; alle Corporate), Torsten Wehrhahn, Michael Schuhmacher, Doreen Pape (alle Bank- und Finanzrecht; alle drei Frankfurt), Christoph Rieken (IP; München) 

Berater Banken
White & Case (Hamburg): Florian Degenhardt (Federführung; Kreditrecht), Riaz Janjuah (Restrukturierung) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Gleiss Lutz berät Enercon umfassend, bereits seit dem vergangenen Jahr zu Krisen-Compliance und zu staatlichen Hilfsmitteln. Das Mandat kam wohl aufgrund persönlicher Kontakte zustande. Dr. Martin Prillmann, als CRO von Enercon eine treibende Kraft des aktuellen Deals, hatte die Kanzlei schon als Krisenmanager von Europoles kennengelernt. 

Florian Degenhardt

White & Case hatte ab dem Jahr 2020 EWE bei ihrem Joint Venture mit Enercon beraten, damals mit einem Team um den M&A-erfahrenen Berliner Partner Dr. Jörg Kraffel. Ein Team der Kanzlei war offenbar zudem aufseiten der Banken für die Kredite und deren wechselnde Besicherungen aktiv. Degenhardt gilt am Markt als Experte für die Finanzierung von Energieinfrastruktur.

Damals hatte Allen & Overy mit einem Team um den erfahrenen Praxisgruppenleiter Uebelhoer Enercon bei der Refinanzierung beraten. Die Kanzlei beriet auch die Aloys-Wobben-Stiftung bei der Gründung des Grünstrom-Joint-Ventures mit EWE und 2021 die anschließende Erstfinanzierung von Alterric.

Auch BDO war bereits bei dem Joint Venture dabei. Sie beriet damals wie auch bei der aktuellen Finanzierung die Stiftung zur steuerlichen Strukturierung. Die Stiftung mandatiert den Partner Christl seit vielen Jahren steuerlich.

Noerr beriet die Finanzagentur sowohl bei der Ausarbeitung der Dokumentation der Stabilisierungsmaßnahmen als auch bei den Verhandlungen mit dem Unternehmen. Das Team unter der Federführung der beiden 2020 von Latham & Watkins gekommenen Partner Wilke und Selzner hatte Ende 2020 den WSF auch zur Stabilisierung von Tui beraten.

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