Juve Plus Markthochlauf

Greenberg-Mandantin liefert grünen Wasserstoff nach Europa

Fertiglobe aus den arabischen Emiraten wird eine Tochter der H2Global Stiftung mit erneuerbarem Ammoniak beliefern. Finanziert werden die Lieferungen zur Versorgungssicherheit vom Bundeswirtschaftsministerium.

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Der Liefervertrag ist der erste von weiteren, die in Zukunft die Versorgung auch mit Methanol und grünem Kerosin sicherstellen sollen. Vertragspartnerin ist Hint.Co, eine Tochter der H2Global Stiftung.

Die mit Fertiglobe vereinbarte Liefermenge umfasst maximal 397.000 Tonnen erneuerbares Ammoniak aus Ägypten. Das entspricht in der Summe mehr als 10 Prozent der jährlichen deutschen Ammoniakproduktion. Die maximale Ammoniakmenge soll ab 2027 allerdings über acht Jahre verteilt Deutschland erreichen.

Martin Borning

Fertiglobe ist eine strategische Partnerschaft zwischen dem Energiekonzern Adnoc aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem niederländischen Chemieunternehmen OCI. Das Gemeinschaftsunternehmen hat seinen Sitz in Abu Dhabi. Für die Produktion des grünen Wasserstoffs wird das Unternehmen gemeinsam mit Projektpartnern in Ägypten das Projekt ‚Egypt Green‘ realisieren, in dessen Rahmen Anlagen für die Produktion von Grünstrom entstehen sollen. Der Abschluss des Liefervertrags im Gegenwert von maximal 397 Millionen Euro soll die Anlage finanzieren helfen.

Wasserstoffpreis besser als gedacht

Fertiglobe gibt an, den erneuerbaren Ammoniak zu einem Preis von 1.000 Euro pro Tonne zu liefern. Ohne Lieferkosten liegt der Produktionspreis bei 811 Euro je Tonne Ammoniak. Daraus kann ein Nettopreis von weniger als 4,50 Euro pro Kilogramm grünen Wasserstoffs abgeleitet werden.

Laut Pressemitteilung der Bundesregierung sind die Kosten im Vergleich zu aktuellen Schätzungen sowie ersten anderen Auktionsergebnissen deutlich geringer. Die Bundesregierung sieht in dem mit Fertiglobe geschlossenen Liefervertrag einen entscheidenden Schritt für den Hochlauf des Wasserstoffmarktes.

Wasserstoffmarkt rückt näher

Um den Hochlauf zu beschleunigen, hatte bereits der frühere Wirtschaftsminister Peter Altmaier das Projekt H2Global angeschoben. Im Zentrum des Projekts steht der sogenannte H2Global-Mechanismus, der von der Tochtergesellschaft Hint.Co umgesetzt wird. Dieser ermöglicht es ihr, grüne Wasserstoffprodukte auf dem Weltmarkt einzukaufen und in Deutschland und der EU meistbietend zu verkaufen. Die Differenzkosten zwischen dem höheren Ankaufspreis und dem niedrigeren Verkaufspreis gleicht der Bund durch sogenannte Differenzverträge aus. Dafür stellt die Bundesregierung insgesamt 900 Millionen Euro bereit. Eine weitere Auktionsrunde mit einer Mittelausstattung seitens des BMWK in Höhe von 3,5 Milliarden Euro und eine Kofinanzierung durch die Niederlande sind in Vorbereitung.

Die Vereinbarung mit Fertiglobe stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem funktionierenden Wasserstoffmarkt dar. Insgesamt bleiben aber auch noch viele Fragen ungeklärt. Ein wichtiges Thema ist es sicherzustellen, dass der gelieferte Wasserstoff auch wirklich ‚grün‘ ist und damit den Ansprüchen der EU-Kommission an die Lieferkettensorgfaltspflichten genügt.

Christian Trottmann

Berater Fertiglobe
Greenberg Traurig (Berlin): Dr. Martin Borning (Federführung; Energierecht), Dr. Dieter Neumann (Vergaberecht), Dr. Burkhard Frisch (Federführung; Commercial), Richard Hughes (London); Associates: Isabel Ruhnke (beide Energierecht), Julius Werhahn (Vergaberecht)

Berater H2Global/Hint.Co
Inhouse Recht (Hamburg): Dr. Christian Trottmann (Chief Legal Officer/Leiter Recht), Timo Bollerhey (Chief Executive Officer/Geschäftsführer), Markus Enke (Chief Operating Officer), Florian Geyer (Chief Planning and Strategy Officer)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Ulrich Scholz (Energierecht), Dr. Georg Roderburg (Steuerrecht), Dr. Hans-Patrick Schroeder (Konfliktlösung), Sascha Arnold (Öffentliches Wirtschaftsrecht; beide Hamburg); Associates: Dr. Hendrik Wessling, Dr. Marie von Armansperg (beide Energierecht), Dr. Soeren Lehmann (Steuerrecht), Marius Li-Yang Stein (Commercial), Marlin Jürgens (Projektfinanzierung; beide Frankfurt), Dr. Marlen Vesper-Gräske (ESG; Berlin)
Redeker Sellner Dahs (Brüssel): Dr. Clemens Holtmann (Federführung; Beihilfen- und Zuwendungsrecht), Dr. Matthias Ganske (Vergaberecht/Compliance), Dr. Jakob Wulff (Gesellschaftsrecht), Andreas Okonek (IP-Recht; alle drei Bonn), Dr. Sebastian Steinbarth (Kartellrecht/Compliance); Associate: Tassilo Schröck (Vergaberecht; Berlin)

Hendrik Wessling

Hintergrund: Das BMWK hatte im Dezember 2021 die 900 Millionen Euro für die erste Ausschreibung per Zuwendungsbescheid von der EU-Kommission bewilligt bekommen. Bereits seit Oktober 2020 berät Redeker unter anderem zur Gründung der Stiftung und den Vorbereitungen der staatlichen Finanzierung. Die Mandatsführung liegt beim Brüsseler Anwalt Holtmann, der zu Jahresbeginn auch wegen dieses Mandats in die Partnerschaft der Kanzlei aufgenommen wurde.

Freshfields unterstützt Vertragsverhandlungen

Auch zu den Verhandlungen mit Fertiglobe wurde Redeker zugeschaltet, wenn es um Auswirkungen auf das Vergaberecht ging. Den Liefervertrag verhandelte für die Hint.Co allerdings Freshfields an der Seite des Inhouse-Teams um Trottmann, der vergangenen Herbst von EY Law auf den Posten als Leiter Recht gewechselt war. Bei Freshfields war ein Team des langjährigen Partners Scholz mit dem Projekt betraut. An den Gesprächen mit Fertiglobe nahmen nach JUVE-Informationen allerdings die Anwälte Wessling und Arnold teil.

Pitch geht an Greenberg

Fertiglobe arbeitete nach einem Pitch für die Vertragsverhandlungen und zum Vergabeverfahren mit einem Berliner Team von Greenberg Traurig zusammen. Die Federführung teilten sich Borning, der 2020 zum Local Partner ernannt wurde, und of Counsel Frisch. Zur Gesamtstrukturierung der ägyptischen Erzeugungsanlagen beriet primär das Londoner Kanzleiteam.

Clemens Holtmann

Greenberg hatte kürzlich bereits gezeigt, dass sie im Bereich Wasserstoff auch aus Deutschland heraus mithalten kann: Für den europäischen Gasnetzbetreiber GRT gaz verhandelte sie die Beteiligung an einer grenzüberschreitenden Wasserstoffleitung im Saarland.

Über die Infrastruktur, an der auch die saarländische Creos Deutschland Wasserstoff beteiligt ist, soll zukünftig das örtliche Stahlwerk der Stahl Holding Saar (SHS) mit Wasserstoff versorgt werden. Creos lies sich in den Verhandlungen von White & Case, die Stahlwerksbetreiberin hingegen von Luther beraten.

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