Die Transaktion, die im zweiten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden soll, steht unter dem Vorbehalt üblicher regulatorischer Genehmigungen. Nemetschek übernimmt zudem 450 Millionen Euro Schulden von HCSS. Die 1986 gegründete HCSS aus Texas erwirtschaftete 2025 mit 550 Mitarbeitenden einen Umsatz von 215 Millionen US-Dollar und bedient mehr als 4.000 Kunden im Infrastruktur- und Tiefbau. Die operative Umsatzrendite lag bei etwa 40 Prozent.
Mit der Akquisition erweitert Nemetschek sein Angebot über den gesamten Baulebenszyklus und vergrößert den adressierbaren Markt des Segments Build & Construct bis 2028 auf geschätzte 12 Milliarden US-Dollar. Das Segment machte 2025 mit 481,3 Millionen Euro rund 40 Prozent vom Konzernumsatz aus.
Nemetschek wird an der Börse mit 6,9 Milliarden Euro bewertet und erwirtschaftet seit der Übernahme von GoCanvas 42 Prozent des Umsatzes in Nordamerika. Nach Abschluss hält Nemetschek rund 72 Prozent an der Sparte.
Auf Bankenseite begleitet auf Seiten von Nemetschek JPMorgan die Transaktion, für Thoma Bravo sind die Deutsche Bank und Centerview Partners im Einsatz.
Die Berater im Überblick
Berater Nemetschek
Latham & Watkins (München): Dr. Rainer Traugott, Bradley Faris, Dan Breslin (beide Chicago; alle drei M&A; alle Federführung), Dr. Ulf Kieker, Enrique de Vera (Chicago; beide Steuerrecht), Michelle Carpenter (Arbeitsrecht; Los Angeles), Morgan Brubaker (Corporate/IP; Washington), Robert Brown (Houston), Clayton Northouse (Washington; beide Datenschutz), Ryan Benedict (Kapitalmarktrecht; London), Dr. Max Hauser (Frankfurt), Dr. Jana Dammann de Chapto (Hamburg; beide Kartellrecht), Paul Rosen (Regulierung; Washington), Dr. Nils Bremer (Frankfurt), Jamie Sadler (New York), Matthew Piehl (Washington; alle Kartellrecht), Ruchi Gill (Regulierung; Washington); Associates: Dr. Philipp Gartner, Chris Freitag, Rieke Klie, Jay Trewn, Diana DuBois, Taylor Larson (alle Corporate), Valerie Parra (Steuerrecht), Sahar Merchant (alle fünf Chicago), Kayla Snyder (Los Angeles; beide Arbeitsrecht), Daniel Donovan (Corporate/IP; Washington), Diya Jajal (Datenschutz; Austin), Helena Hofmann (Kartellrecht; Frankfurt), Amulya Vadapalli, Stephen Keith (beide Regulierung; beide Washington)
Hoffmann & de Vries (Hamburg): Dr. Kolja de Vries (Gesellschaftsrecht)
Freshfields (Frankfurt): Michael Josenhans; Associate: Dennis Chinnow (beide Finanzierung)
Noerr (München): Dr. Michael Brellochs, Dr. Ralph Schilha (beide Aktien- und Kapitalmarktrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (München): Dagmar Staiger (Group General Counsel) – aus dem Markt bekannt
Berater Thoma Bravo
Kirkland & Ellis (Chicago): Aisha Lavinier (Houston), Brad Reed, Jeremy Mandell (alle drei M&A), Aaron Lorber (Technology & IP Transactions; alle vier Federführung), Sebastian Pitz (Private Equity/M&A; Frankfurt), Mike Conroy (Steuerrecht), Matthew Demopoulos (Finanzierung; Dallas), Brian Ford (Finanzierung; Los Angeles), Adam Kool (Steuerrecht), Rami Sherman (Technology & IP Transactions; beide New York); Associates: Anna Grilley, James Smith, Olivia McNair, Brittney Foxhall, Marshall Jeffries (alle M&A), Dr. Johannes Rowold (München), Mirjam Meyer (Frankfurt), Dr. Sabrina Seitz (München; alle drei Private Equity/M&A)
Hintergrund: Latham wurde erstmals von Nemetschek mandatiert, man kannte sich aber bereits aus einem vorangegangenen Projekt: Die US-Kanzlei beriet 2024 mit einem Team um die Frankfurter Partnerin Alexandra Hagelüken UniCredit bei einem syndizierten Darlehen in Höhe von 500 Millionen Euro für Nemetschek. Für die große US-Übernahme konnte das Team um den Münchner Partner Traugott dann in einem Pitch überzeugen.
De Vries, einer der beiden Partner der Hamburger Corporate-Boutique Hoffmann & de Vries, ist seit vielen Jahren eng mit Nemetschek verbunden und begleitet deren M&A-Aktivitäten regelmäßig im In- und Ausland. Die Kanzlei war 2012 als Spin-off von Gleiss Lutz entstanden. Den M&A-Part übernahm dabei in der Vergangenheit wiederholt DLA Piper: So war etwa ein internationales Team um den Hamburger M&A-Partner Dr. Nils Krause mandatiert, als Nemetschek über ihre Tochter Bluebeam im Herbst 2024 GoCanvas übernahm. Bis zu dem aktuellen HCSS-Deal war das der größte Zukauf in der Geschichte des Unternehmens. Krause ist der weltweite Client-Relationship-Partner für Nemetschek bei DLA und hatte zusammen mit Hoffmann & de Vries 2020 auch den Zusammenschluss der Tochtergesellschaft Maxon Computer mit der US-amerikanischen Red Giant begleitet.
Freshfields beriet Nemetschek zur Finanzierung der HCSS-Übernahme. Die Kanzlei hatte ihrer Mandantin bereits 2024 bei dem syndizierten Kredit sowie bei der Finanzierung der Übernahme von GoCanvas zur Seite gestanden.
Kirkland ist international regelmäßig für Thoma Bravo im Einsatz. Bei der aktuellen Transaktion war überwiegend ein US-Team der Kanzlei im Einsatz. In der Vergangenheit war aber bereits auch die deutsche Praxis an der Seite des US-Beteiligungshauses zu sehen: So beriet etwa der Frankfurter Partner Dr. Tobias Larisch Thoma Bravo als Interessentin im Bieterstreit um PSI Software, bei dem letztlich aber Warburg Pincus das Rennen machte – mit einem Münchner Kirkland-Team.