Insolventer Energieproduzent

Projektpipeline von Green City geht mit Lighthouse an Qair

Der französische Energieinvestor Qair International hat die Solar- und Windparkprojekte der insolventen Green City AG übernommen. Mit dem Verkauf von mehr als hundert Projektgesellschaften an den unabhängigen Energieproduzenten gelingt Axel Bierbach, dem Insolvenzverwalter des Münchner Unternehmens, ein großer Schritt in der Entflechtung der komplexen Konzernstrukturen.

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Das Amtsgericht München hatte Anfang Mai das Insolvenzverfahren über das Vermögen von Green City eröffnet und Bierbach, der bereits vorläufiger Insolvenzverwalter war, im Amt bestätigt.  Dieser sah Optionen zur Fortführung des Unternehmens und  fokussierte sich mit der Beratungsgesellschaft Acxit zunächst darauf, den im Februar eingeleiteten  Investorenprozess abzuschließen.

Michael Burg

In dem mehrstufigen Investorenprozess setzte sich schließlich Qair durch, die schon seit mehr als 30 Jahren in Wind- und Solarkraftanlagen investiert. Qair erwirbt auch die beiden operativen Einheiten von Green City in Italien und Frankreich sowie die Münchner Gesellschaft Green City Operations & Management, die für die Betreuung von Photovoltaik- und Windanlagen zuständig ist.  Mit der Übernahme der meisten Mitarbeiter ist auch die Fortführung der Renewable-Geschäfte gewährleistet.

Für die ebenfalls insolventen vier Firmen aus Green Citys Kraftwerksparte und die schon im Betrieb befindlichen Projekte soll später ein Kaufvertrag geschlossen werden, heißt es. 

Zudem fand im Mai eine Gläubigerversammlung statt, denn das Münchner Unternehmen Green City hatte in der Vergangenheit einige Anleihen am Kapitalmarkt platziert. Das eingenommene Kapital wurde verwendet, um Wind- und Solarkraftwerke zu entwickeln und ihren Bau zu finanzieren.

Nach JUVE-Informationen wurden 2021 schon erste Restrukturierungsmaßnahmen ergriffen und Anfang des Jahres versucht, ein Eigenverwaltungsverfahren einzuleiten. Anfang März übergab das Amtsgericht die Geschäftsleitung vorläufig in die Fremdverwaltung, die Anfang Mai dann bestätigt wurde. Mit dem jetzigen Deal wurden wesentliche Assets aus der Insolvenz heraus verkauft.

Thomas Brunn

Berater Qair
Ligthhouse Legal (Köln): Dr. Michael Burg (Federführung; Corporate/M&A), Henrike Bauschmann (M&A/Projektfinanzierung), Maren Beneke (Corporate/Commercial)
Rosin Büdenbender (Essen): Dr. Thomas Brunn (Projektverträge), Jana Michaelis, Christina Will, Janna Vöcking, Tobias Dingerdißen (alle Energierecht), Dr. Karsten Dienes, Friederike Beck-Broichsitter (beide Öffentliches Recht)
Marck (Düsseldorf): Dr. Georg Schmittmann (Kartellrecht)
Friedrich Graf von Westphalen (Köln): Dr. Markus Beaumart, Dr. Uwe Steingröver (beide Immobilienrecht)
Anchor (München): Alexander Reus (Insolvenzrecht/Finanzierung), Dr. Christof Schiller (Insolvenz- und Arbeitsrecht); Associates: Markus Koch (Arbeitsrecht), Johannes Chrocziel, Georg von Oldenburg (beide Insolvenzrecht/Finanzierung)
PricewaterhouseCoopers (Hamburg): Martin Dippel-Nissen, Markus Hüllmann (beide Steuern)

Axel Bierbach

Insolvenzverwalter Green City
Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen (München): Axel Bierbach 

Berater Insolvenzverwalter
Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen (München):  Oliver Schartl (Insolvenzverwalter anderer Konzerngesellschaften), Severin Haneke, Franz Hackl, Evgeniy Geyler, Claudia Heyer-Eisenhardt (alle Insolvenzrecht), Thomas Funk (Arbeitsrecht), Sara Kiefer (Kapitalmarktrecht)
Görg (München): Dr. Michael Nienerza (Restrukturierung/Insolvenz), Dr. Bernhard Guthy (M&A; beide Federführung), Dr. Bernt Paudtke (Kapitalmarktrecht), Thoralf Herbold (Energierecht), Dr. Katharina Landes (IP), Dr. Christian Bürger (Kartellrecht; alle drei Köln), Dr. Florian Schmitz (IT; Frankfurt), Dr. Adalbert Rödding (Steuerrecht; Köln), Holger Rhode (Insolvenzrecht; Düsseldorf), Dr. Lutz Pospiech (Kapitalmarktrecht; München), Dr. Holger Dann (Steuerrecht; Köln), Dr. Dominik Pauw (Restrukturierung/Insolvenz), Tobias Reichenberger (Kapitalmarktrecht/M&A), Dr. Ilka Mainz (Energierecht; Köln); Associates: Nico Mutzenbach (Restrukturierung/Insolvenzrecht), Moritz von Limburg, Darko Radonjic (beide M&A), Metehan Uzunçakmak (Kartellrecht), Dr. Lisa Löffler (Öffentliches Recht), Michael Demmer (Energierecht; alle drei Köln)
Wellensiek (München): Prof. Dr. Markus Stadler, Friedrich Birnbreier, Dr. Paul Abel, Matthias Nierhaus (alle Insolvenzrecht)
Rödl & Partner (München): Bastian Danesitz, Dr. Susanne Kölbl, Paolo Peroni; Associates: Dr. Trixie Bastian (beide Mailand), Laurence Cuillier (Paris; alle Steuern) 

Berater Q-Energy (weitere Bieterin)
Dentons (Berlin): Dr. Tim Heitling, Dr. Thomas Dörner (beide Energierecht/M&A), Dr. Holger Ellers (Insolvenzrecht; alle Federführung), Dr. Pia Dorfmueller (Steuerrecht) – aus dem Markt bekannt 

Hintergrund: Für Lighthouse Legal dürfte die Transaktion eine der größten ihrer noch jungen Kanzleigeschichte sein. Die Boutique wurde im Sommer 2020 von PwC Legal-Anwälten gegründet. Mitbegründer Burg stand schon länger mit dem Gründer der französischen Qair Group in Kontakt und holte für den Deal ehemalige Weggefährten an Bord: Mit Brunn hatte er früher bei PwC Legal zusammengearbeitet. Der Energiemarktexperte war Ende 2021 zu Rosin Büdenbender gewechselt und war schon beim Pitch um das Mandat involviert.

Alexander Reus

Steuerliche Fragen klärte ein PwC-Team aus Hamburg und für immobilienrechtliche Themen wurde Friedrich Graf von Westphalen hinzugezogen. Mit der Kartellrechtsboutique Marck, die 2020 von zwei Metro- und Ceconomy-Kartellrechtlern gegründet worden war, arbeitet Lighthouse regelmäßig bei Transaktionen zusammen. Außerdem hatte die Mandantin Qair ein arbeits- und insolvenzrechtliches Team von Anchor engagiert. Der Kontakt zu Qair kam über eine französische Kanzlei zustande.

Bierbach ist erfahren mit Insolvenzen im Energiesektor: Er verwaltete beispielsweise auch den Billigstromanbieter BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft sowie die Fulminant Energie und wird in der Fortführung der Geschäfte von einem breit aufgestellten Team aus der Sozietät unterstützt.

Zudem wurde Wellensiek laut Marktinformationen ebenfalls zur Unterstützung einbezogen, um die Geschäftsführung der Green City AG und weitere Organe der Firmengruppe zu beraten. Die Sozietät begleitet soweit bekannt auch Sanierungsmaßnahmen bei den Töchterfirmen.

Michael Nienerza

Görg wurde aufgrund ihrer Restrukturierungserfahrung bereits Ende vergangenen Jahres von dem Unternehmen konsultiert, die Kanzlei sollte auch die energie- und kapitalmarktrechtlichen Implikationen einer drohenden Insolvenz begutachten. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Demps & Partners analysierte das Team die Gegebenheiten, bevor die Gesellschaft Anfang des Jahres dann Insolvenz anmeldete und weitere Tochtergesellschaften folgten. Hatte sich Insolvenzrechtler Niernerza in der Vorphase die Federführung noch mit dem Corporate-Partner Paudtke geteilt, kam nach der Insolvenzanmeldung der jüngere Transaktionsanwalt Guthy mit ins Leitungsteam. Er war Anfang 2021 von Kirkland & Ellis zu Görg gewechselt.

Rödl übernahm nach JUVE-Informationen steuerliche Themen auf Verkäuferseite, vor allem in Hinblick auf die ausländischen Gesellschaften.

Die unterlegene Bieterin Q-Energy setzte nach JUVE-Recherchen wieder auf ein Dentons-Team um die Partner Heitling und Dörner, mit dessen Hilfe die Projektentwicklerin im vergangenen Jahr auch ein Portfolio an 16 Windparks von Meag erwarb.

Im März hatten die vorläufigen  Insolvenzverwalter Schartl und Bierbach den Anlegern, die die Anleihen der Green City gezeichnet haben, ans Herz gelegt einen gemeinsamen Vertreter zu wählen und schlugen dafür Dentons vor. Andreas Ziegenhagen hat im Mai die Federführung für die Anleihegläubiger von sechs Inhaberschuldverschreibungen übernommen. Das Gericht bestellte anschließend Einzelanwalt Michael Siegle zum gemeinsamen Vertreter weiterer Green City-Papiere.

Copyright Teaserbild: ©一飞 黄/stock.adobe.com

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