Munitionshersteller

Rheinmetall setzt bei Zukauf in Spanien erstmals auf Herbert Smith

Rheinmetall erwirbt den spanischen Munitionshersteller Expal Systems von dem Sprengstoffhersteller Maxam. Die Düsseldorfer wappnen sich damit für die wegen der aktuellen Sicherheitslage stetig steigende Nachfrage.  

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Insbesondere der Grundstoff Munitionspulver ist europaweit rar. Rheinmetall kauft nun nach eigener Aussage „signifikante“ Produktionskapazitäten zu,  CEO Armin Papperger beziffert gegenüber dem ‚Handelsblatt‘ das mögliche Produktionsvolumen von Expal auf  250.000 bis 300.000 Artilleriegranaten. Rheinmetall selbst komme auf eine Kapazität von rund 80.000. Dem Deal liegt ein Unternehmenswert von 1,2 Milliarden Euro zugrunde.

Karsten Winkelmann

Die Verkäuferin Maxam ist seit 2020 mehrheitlich in Händen des US-amerikanischen Private-Equity-Investors Rhône Group. Die Wurzeln des spanischen Unternehmens reichen bis 1872 zurück, als Alfred Nobel die Sociedad Española de la Pólvora Dinamita gründete. Mit dem Verkauf der Waffen- und Munitionsstochter Expal konzentriert sich Maxam nun auf sein klassisches ziviles Sprengstoffgeschäft, etwa im Bergbau.

Neben dem Munitionsbereich erwirbt Rheinmetall mit Expal ein umfangreiches Auftragsvolumen in Spanien, das weiterhin vom früheren Admiral José Luis Urcelay geführte Unternehmen ist einer der wichtigsten Lieferanten der Streitkräfte des langjährigen Nato-Partners. Nach spanischen Medienberichten schloss Expal kürzlich mehrere Lieferverträge über Artilleriemunition und Granaten ab. Die spanischen Marinesoldaten versorgt das Unternehmen mit Mörsern und soll seitens des Verteidigungsministeriums auch bei der Entwicklung eines hochmobilen Raketenwerfers fest eingeplant sein. Rheinmetall hat gerade das wachsende Segment Mörserwaffen mit der dazugehörigen Munition fest im Blick und hofft zudem auf Synergien im Einkauf und im Vertrieb.    

Sönke Becker

Den Erhalt der bei Expal vorhandenen Technologie und Arbeitsplätze bezeichnet Rheinmetall als essentiell. Die sechs operativen Standorte in Spanien sollen unverändert produzieren, die in der Entsorgung tätige Dependance in Texarkana im Nordosten des US-Bundesstaates Texas setzt ihre Aktivität ebenfalls fort.  

Der Deal, der im Sommer 2023 abgeschlossen sein soll, steht unter den üblichen kartellrechtlichen und regulatorischen Vorbehalten.

Berater Rheinmetall
Inhouse Recht (Düsseldorf): Dr. Karsten Winkelmann (Group General Counsel), Malte Nuggis (Division General Counsel), Dr. Tobias Empting (Senior Legal Counsel), Sebastian Wolf (Leiter Arbeitsrecht)  
Herbert Smith Freehills: Dr. Sönke Becker (Frankfurt), Alberto Frasquet (Madrid; beide Federführung; beide Corporate/M&A), James Robinson (New York), Francesca Morra, Iria Calvino (Mailand), Glynn Cooperalle (Singapur; alle Corporate/M&A), Dr. Marcel Nuys (Düsseldorf), Henar Gonzalez (Madrid), Kyriakos Fountoukakos (Brüssel; alle Wettbewerbsrecht), Dr. Marius Boewe (Düsseldorf), Veronica Roberts (London; beide Regulierung), Dr. Steffen Hörner (Steuerrecht), Dr. Julius Brandt (Corporate/Kapitalmarktrecht; beide Frankfurt), Tomas Diaz Mielenhausen (Immobilienrecht; Madrid), Joseph Falcone (Konfliktlösung; New York), Dr. Christian Johnen, Lena von Richthofen (beide Düsseldorf), Marta Esteban (Madrid; alle Corporate/M&A), Dr. Florian Huerkamp (Wettbewerbsrecht; Düsseldorf), Álvaro Gross (Immobilienrecht), Pablo Garcia Mexia (Konfliktlösung), Esther Lumbreras (Öffentliches Recht; alle Madrid); Associates: Marjel Dema (Düsseldorf), Amparo de Leyva, Alejandro Hillage, Jacobo Jiménez-Poyato Narváez, Carmen Muñoz, Alvaro Silva (alle Madrid), Giacomo Gavotti (Mailand), Prakash Selvam (Kuala Lumpur), John Ling (Singapur; alle Corporate/M&A), Lina Velez (Finanzierung/Corporate/M&A; New York), Tatiana Guenster (Steuerrecht; Frankfurt), Mirko Gleitsmann, Caroline Wendt (beide Düsseldorf), Jose Munoz (Madrid; alle Wettbewerbsrecht), Kristin Kattwinkel, David Rasche (Düsseldorf), Max Kaufman, Agostino Bignardi (London; alle Regulierung), Miguel Alvargonzalez, Christina Diez de Rivera, Jose Maria Faz (alle Finanzierung), Ignacio Jiménez-Poyato Narváez, Pablo de Vega Tremps (Madrid), Tyler Hendry (New York; alle Arbeitsrecht), Beatriz Madrigal, Lucía Tarracena Figar (beide Immobilienrecht), Miguel Ángel Barroso López, Monica de Hevia, Catalina Hierro (alle Öffentliches Recht; alle Madrid)

Berater Maxam/Expal
Pérez-Llorca (Madrid): Pedro Perez Llorca (Federführung), Javier Carvajal García-Valdecasas (beide Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Noerr: Michael Brellochs (Federführung; Aktien- und Kapitalmarktrecht/M&A; München), Tibor Fedke (Corporate/M&A), Bärbel Sachs (Außenwirtschaftsrecht; beide Berlin).

Hintergrund: Auf Inhouse-Seite begleitete ein Team um den General Counsel Winkelmann den Deal. Winkelmann, der seine Anwaltskarriere 2006 bei Clifford Chance begonnen hatte, arbeitet seit 2010 bei Rheinmetall, 2021 stieg er zum Leiter der Rechtsabteilung auf. Diese umfasst weltweit rund 30 Juristinnen und Juristen.  

Das Mandat für den jetzigen Zukauf vergab Rheinmetall über einen Pitch, in dem sich das Team um den Düsseldorfer Herbert Smith-Partner Becker durchsetzen konnte – eine Premiere für die Kanzlei. Eine wichtige Rolle für den Zuschlag dürfte das starke Standbein von Herbert Smith in Spanien gespielt haben. Becker ist zudem branchenerfahren: Er berät seit mehr als fünf Jahren diverse Mandate im Defense-Bereich. 2017 beriet er etwa Atlas Elektronik, die als Teil von Thyssenkrupp Marine Systems beim Bauvorhaben von vier U-Booten für die norwegische Armee beteiligt ist.

In der Vergangenheit sind bislang andere Kanzleien an der Seite von Rheinmetall in Erscheinung getreten. Gleiss Lutz beriet beispielsweise im Oktober beim Verkauf des Großkolbengeschäfts an die schwedische KVAB-Gruppe und Heuking Kühn Lüer Wojtek kam vor einem Jahr beim Erwerb des insolventen Penzberger Drohnenherstellers EMT zum Zug.

Maxam-Beraterin vor Ort war die Madrider Einheit Pérez-Llorca, die 2018 zusammen mit Kirkland & Ellis den Investor Rhône beim Einstieg in den spanischen Sprengstoffhersteller beraten hatte. 2020 stockte der US-Investor seinen Anteil auf 71 Prozent auf. Pérez-Llorca kooperiert langjährig mit Nörr.

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