TransnetBW ist bislang eine 100-prozentige Tochter von EnBW. Laut Ankündigung will der Versorger 49,9 Prozent des Unternehmens in zwei Tranchen zu jeweils 24,95 Prozent verkaufen. Mit dem Verkauf will der Karlsruher Konzern, der größtenteils der öffentlichen Hand gehört, Geld für den Stromnetzausbau gewinnen. Mit knapp über 50 Prozent der Anteile bleibt EnBW Mehrheitseigner bei Transnet.
Sinkende Renditeerwartungen
An der geplanten Teilprivatisierung, die sich an Infrastrukturinvestoren richtete, hatte es heftige Kritik gegeben: Kritische Infrastruktur müsse in der öffentlichen Hand bleiben. Mit dem Käufer ist dieses Ansinnen erfüllt: Das kommunale Käuferkonsortium besteht aus 50 Unternehmen, mehrheitlich Sparkassen aus Baden-Württemberg unter der Leitung der SV SparkassenVersicherung Holding.
Medienberichten zufolge interessierten sich zunächst auch Investoren wie Copenhagen Infrastructure Partners für den Minderheitsanteil. Allerdings verlieren Infrastrukturfonds generell wegen steigender Renditerisiken zunehmend das Interesse an deutschen Netz-Assets. Dieser Trend war zuletzt auch im Gasnetz zu beobachten, wo die Versicherungskammer Bayern als regionaler Investor Anteile bei Ferngas erwarb.
Staat ersetzt private Investoren
Der Einstieg des kommunalen Konsortiums bei TransnetBW könnte die aufgeheizte politische Debatte befrieden, glauben Fachleute. Immer wieder war die Rede von regionaler Verantwortung, die ein Investor neben Geld für den Netzausbau mitbringen müsse. Was für klassische Infrastrukturfonds abschreckend klingt, bringt Chancen für regional verankerte Konsortien: Eine bürgernahe Beteiligung, glaubt man vor allem beim Bund, könnte Widerstände gegen den Netzausbau verringern.
Es gibt Hinweise darauf, dass der Bund immer offensiver auch steuernd in den Netzausbau eingreift: Für die zweite Tranche hat nach früheren EnBW-Angaben die staatliche Förderbank KfW ein Vorkaufsrecht. Dieses könne sie nach Abschluss des Bieterverfahrens zu den dort ermittelten Marktkonditionen ausüben.
Grünstrom für den Süden
Das mehr als 3.000 Kilometer lange Höchstspannungsnetz von Transnet ist eines von insgesamt vier Übertragungsnetzen in Deutschland. Auf diesen Stromautobahnen soll Windstrom aus dem Norden in den Süden der Bundesrepublik transportiert werden. Die Netze erfüllen eine für die Energiesicherheit entscheidende Aufgabe und sind unabdingbar für die Transformation der Industrie in Baden-Württemberg, die auf „grünen“ Strom angewiesen ist.
Berater SV SparkassenVersicherung Holding AG
Inhouse Recht (Stuttgart): Dr. Daniela Franke, Dr. Wolfgang Foldenauer (beide Legal Counsel)
Rosin Büdenbender (Essen): Dr. Thomas Brunn (Corporate/M&A), Dr. Peter Rosin (Energierecht/M&A), Dr. Kristin Spiekermann (Energierecht; alle Federführung), Janna Vöcking (Energierecht/M&A), Christina Will (Energierecht), Prof. Dr. Michael Bartsch (Energierecht/Kartellrecht), Jana Michaelis, Wiegand Laubenstein, Tobias Dingerdißen, Tim Jesse (alle Energierecht), Friederike Beck-Broichsitter (Öffentliches Recht)
Linklaters (München): Dr. Rainer Stadler (Steuerrecht/Fondsrecht), Przemyslaw Lipin (Finanzierung; beide Federführung), Martin Mager (Fondsrecht), Carsten Grave (Kartellrecht), Carl Sanders (Corporate), Christopher Bremme; Associates: Ruth-Jeannette Losch (beide Energierecht), Anne Rosenow, Alexander Zitzl, Marius Ludwig, Christoph Peters, Johanna Schmidt (alle Steuerrecht), Sophie Laureen Schneider (Corporate), Kalin Ivanov, Dr. Johannes Gottwald (beide Finanzierung)
Kümmerlein (Essen): Prof. Dr. Gerrit Forst, Dr. Stefan Heutz (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Dr. Bettina Keienburg, Dr. Stefan Wiesendahl, Dr. Johannes Schulte, Nils Möller (alle Öffentliches Wirtschaftsrecht), Alexander O’Connolly (Corporate/M&A), Jan-Felix Wickermann, Sebastian Raape (beide Immobilienrecht), Christian Althaus, Patrick Libuda, Jonathan Monz (alle Arbeitsrecht), Dr. Kay Diedrich, Dr. Noëlly Jaspers, Dr. Daniel Hußmann (alle IP/IT/Datenschutzrecht), Anna Lisowska (Commercial/Versicherungsrecht), Albrecht von Loewenich (Commercial), Dr. Daisy Walzel (Kartellrecht)
Berater Derigo
Heussen (München): Martin Wolfstetter (Federführung), Nicole Alexander-Huhle (beide Fondsrecht), Bernhard Schex, Dr. Iris Meeßen, Kassandra Liesenfeld (alle Öffentliches Wirtschaftsrecht), Dr. Gerhard Pischel (Kartellrecht), Cornelia Weber (M&A), Alexander Jekeli (Finanzierung)
Berater EnBW
Inhouse Recht (Stuttgart): Bernhard Schwartz (Leiter Recht Netze)
White & Case (Berlin): Dr. Jörg Kraffel, Thomas Burmeister (Düsseldorf), Dr. Carsten Rodemann (alle Federführung; alle M&A/Energy), Dr. Tim Bracksiek (Steuerrecht; Frankfurt), Hendrik Röger (Arbeitsrecht), Dr. Lars Petersen (Öffentliches Wirtschaftsrecht; beide Hamburg), Alisa Preissler (Steuerrecht; Frankfurt), Thilo Wienke (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Andreas van den Eikel (Immobilienrecht), Christoph Arhold, Kathrin Ahting (beide Öffentliches Wirtschaftsrecht); Associates: Lisa Reichstein, Dr. Petra Kistner, Verena Rudolph (alle M&A/Energy; alle Düsseldorf), Fabian Mayer, Constantin Meimberg (beide M&A/Energy), Martin Junker (IP; alle Berlin), Sonja Sehr (Arbeitsrecht), Maximilian Roth (Streitbeilegung; beide Frankfurt), Martin Riederer (Finanzierung), Victor Thonke (Öffentliches Wirtschaftsrecht; beide Hamburg)
Berater Bankenkonsortium
Gleiss Lutz (München): Dr. Eva Reudelhuber (Federführung; Bankrecht) – aus dem Markt bekannt
Berater Copenhagen Infrastructure Partners
Clifford Chance (Frankfurt): Markus Stephanblome, Dr. Matthias Elspaß – aus dem Markt bekannt
Watson Farley & Williams (Hamburg): Dr. Max Boemke, Dr. Marcus Bechtel – aus dem Markt bekannt
Berater KfW
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Dr. Simon Schwarz (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Andreas von Bonin (Kartellrecht/Beihilferecht; Brüssel), Mirko Masek; Associates: Friedrich von der Heydt (beide Corporate/M&A), Dr. Florian Reiter-Werzin (Wien), Jonas Levermann (Brüssel; beide Kartellrecht/ Beihilferecht) – aus dem Markt bekannt
Berater Bundesrepublik Deutschland
PricewaterhouseCoopers Legal (Düsseldorf): Peter Mussaeus, Michael Küper (beide Energierecht), Moritz Gröning (Berlin), Dr. Fabian Jenderek (beide Corporate/M&A); Associate: Dr. Friedrich Kneuper (Energierecht; Berlin) – aus dem Markt bekannt
Notar
OHS Ohnleiter, Hillebrand, Dr. Sünner (Stuttgart): Dr. Stephan Sünner – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: Auf der Käuferseite hat die Essener Energie-Boutique Rosin Büdenbender den Deal gesteuert und die Verhandlungen für das SPA geführt. Der gesellschaftsrechtliche Teil der Beratung lag bei Brunn, der im Vorjahr von PricewaterhouseCoopers Legal zu Rosin Büdenbender gewechselt war. An seiner Seite brachte Rosin seine energierechtliche Erfahrung ein.
Zuerst bei Clifford und bis zur Gründung seiner Energie-Boutique 2021 hatte Rosin bei White & Case zahlreiche ähnliche Energie-Deals regelmäßig an der Seite der Kollegen beraten, die ihm nun auf der Verkäuferseite gegenüberstanden – maßgeblich die White & Case-Partner Kraffel und Burmeister, die in der Federführung von Counsel Rodemann unterstützt wurden.
Das deutsche Energie-Team der US-Kanzlei ist regelmäßig für EnBW tätig und war im zurückliegenden Jahr zahlreich in wichtigen Infrastrukturtransaktionen gesetzt. Zuletzt halfen sie etwa Fluxys bei der Übernahme des Macquarie-Anteils von Open Grid Europe. Bereits Ende 2021 beriet das Team JP Morgan beim Kauf des Magdeburger Energiedienstleisters Getec von EQT und der Getec Energie Holding, die für die Regulierungsthemen Rosin Büdenbender mandatiert hatten.
Regulierungs-Boutique braucht Hilfe
Rosins Deal-Team wurde zur Due Diligence und inhaltlich zum Kaufvertrag von der ebenfalls aus Essen stammenden Kanzlei Kümmerlein unterstützt. Das Team und die Schnittstellen zu Rosin koordinierte Forst.
Ebenfalls dabei waren Linklaters, die langjährige Beziehungen zur SV SparkassenVersicherung Holding pflegt, unter anderem auch im Steuerrecht. Über das Steuerrecht hinaus war Linklaters-Partner Lipin zudem mit den Finanzierungsfragen des Deals befasst, für die auf der Seite des finanzierenden Bankenkonsortiums ein Gleiss Lutz-Team um die Münchner Partnerin Reudelhuber verhandelte.
Heussen-Partner Wolfstetter war für den Münchner Fondsverwalter Derigo im Mandat. Die Derigo verwaltet den Fonds, über den die Sparkassen und auch die SV SparkassenVersicherung Holding nun an TransnetBW beteiligt sind.
Marktinformationen zufolge lässt sich die Bundesregierung zur Investorensuche der Stromübertragungsnetzbetreiber von einem Team von PwC Legal beraten. Die KfW arbeitet fortlaufend seit Corona, vor allem aber seit der durch den Angriffskrieg Russlands erzeugten Gasmangellage, mit Freshfields zusammen. (mit Material von dpa)