Neuer Gasnetzgigant

Trading Hub Europe bekommt KfW-Milliarden mit Lindenpartners und Freshfields

Die KfW hat Trading Hub Europe in Ratingen eine Kreditlinie über 15 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Damit soll nicht nur die noch junge Tochtergesellschaft von Ferngasnetzbetreibern, sondern die gesamte Gasversorgung Deutschlands längerfristig abgesichert werden.

Teilen Sie unseren Beitrag
Erstmals erfolgt eine gemeinsame Bewirtschaftung von Engpässen im Gasmarkt.

Trading Hub Europe (THE) ist die sogenannte Marktgebietsverantwortliche für Deutschland. Im Juni 2021 wurde sie durch die Kooperation der Netzgesellschaften Bayernets, Fluxys TENP, Gascader Gastransport, Gastransport Nord, Gasunie Deutschland Transport Services, GRTgaz Deutschland, Nowega, Ontras Gastransport, Open Grid Europe, Terranets BW und Thyssengas gegründet.

Nach ihrem zuletzt im Februar veröffentlichten Jahresabschluss 2021 war THE noch eine vergleichsweise winzige Gesellschaft. Ihr Umsatz lag bei rund 13 Millionen Euro, das Eigenkapital bei knapp 3 Millionen Euro. Ihre Aufgaben sind aber durch die aktuelle politische Lage seitdem enorm gewachsen.

Gasmanager und Liquiditätsverteiler

Unter anderem hat THE dafür Sorge zu tragen, dass die in Deutschland befindlichen Gasspeicheranlagen zu bestimmten Daten Mindestfüllstände aufweisen. Das umfasst auch den Kauf von Gas auf dem Weltmarkt, das dann in die Gasspeicheranlagen eingelagert wird. Zur Finanzierung dieser Tätigkeiten gewährte die KfW den umfangreichen Kredit.

THE verfügt nun über die Mittel, künftig als eine Art Clearingstelle aufzutreten: Sie kann so Liquiditätshilfen an die großen Händler wie Uniper leisten, damit diese die im Preis stark gestiegene Ersatzbeschaffung für Gas bezahlen können. Im Grunde könnte sie so quasi Brückenfinanzierungen durch den Bund für Gashändler leisten.

Teil einer Lösung für Uniper?

Ein erster Großeinsatz für die neuen Mittel der THE könnte bei der Stützung von Uniper entstehen. Neben einer Beteiligung des Bundes an dem Düsseldorfer Energiekonzern oder einem direkten Kredit der KfW bietet THE eine weitere Option in der aktuellen politischen Diskussion. Dann könnten Uniper als Gasimporteur ihre Mehrkosten durch die Ersatzbeschaffung bei THE einreichen. THE könnte diese unterschiedlichen Kosten ausgleichen und gegebenenfalls auch über Netzentgelte an die Gaskunden weitergeben.

Michael Kohl

Berater Trading Hub Europe
Lindenpartners (Berlin): Michael Kohl (Bank- und Finanzrecht), Dr. Alexander von Rummel (Corporate)
Inhouse Recht (Berlin): Dr. Sebastian Kemper (Geschäftsführer), Sanel Rekic (Leiter Recht)

Berater KfW
Inhouse Recht (Frankfurt) – aus dem Markt bekannt
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Frank Laudenklos (Kreditrecht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Rechtsabteilung von THE hat offenbar viele Arbeiten rund um die Kreditlinie selbst erledigt. Mit Kemper sitzt ein ausgewiesener Fachmann für Energierecht in der Geschäftsführung. Er startete 2010 bei E.on Ruhrgas und ist zudem selbst erfahren in der Leitung einer Rechtsabteilung. Rekic war schon Leiter Recht bei der Vorgängereinheit NetConnect. Im April 2021 wurde ein Rahmenvertrag zur Zusammenlegung der beiden Gasmarktgebiete Gaspool und Netconnect Germany zum Marktgebiet THE unterzeichnet. Damals hatte Latham & Watkins mit einem Team um den Partner Dr. Tobias Larisch  die beteiligten Unternehmen beraten.

Lindenpartners wurde von der neu formierten THE zur Abstimmung des Kreditrahmens im Hintergrund hinzugezogen. Die Mandatsbeziehung der Kanzlei fußt auf langjährige gesellschaftsrechtliche Beratungen bei der Entstehung der aktuellen Aufstellung von THE. Der Finanzierungsexperte Kohl kam im Oktober 2021 von Weil Gotshal & Manges in die Berliner Boutique.

Frank Laudenklos

Die Finanzierer des Krisenmanagements

Freshfields zählt insbesondere mit ihrem Team um Laudenklos zu den zentralen Gestaltern des aktuellen Umbaus der Energiebranche. Unter anderem beriet sie die KfW zur Finanzierung der Rettung der Gazprom Germania, die für die Gasversorgung hierzulande ebenfalls wesentlich ist.

Das Größenverhältnis zwischen Kredit und Debitor legt nahe, dass auch im Hinblick auf THE die wesentlichen Punkte seitens der KfW und ihrer Rechtsberater gestaltet wurden. Die Konstruktion einer Besicherung des großen Betrages ohne zunächst entsprechend vorhandene Sicherheiten seitens der THE dürfte eine komplexe Herausforderung gewesen sein.

Die KfW selbst verfügt rund um ihren Chefsyndikus Dr. Karsten Hardraht über eine starke und erfahrene Rechtsabteilung, die schon bei den Corona-Ad-hoc-Maßnahmen viele Kredite parallel verhandelte. Da die aktuelle Finanzierung Teil einer über den eigentlichen Kreditnehmer THE hinausgehenden Marktlösung ist, haben die Juristen der Förderbank bei der Ausgestaltung offenbar eine wichtige Rolle gespielt.

Nach JUVE-Informationen berät CMS Hasche Sigle das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur zu diversen Fragen im Zusammenhang mit der Sicherung der Gasversorgung. Zwar gehört der aktuelle Kredit offenbar nicht dazu, doch laut Marktinformationen sind die Restrukturierungsexpertin Dr. Alexandra Schluck-Amend und der Gesellschaftsrechtler Dr. Christian von Lenthe eingebunden.

Artikel teilen

Lesen sie mehr zum Thema

Deals Deutsche Gaskrise

KfW schnürt mit Freshfields milliardenschweren Kredit für Gazprom Germania

Deals Steigende Energiepreise

Freshfields berät Leag bei Milliarden-Stützungskredit

Deals Immobilien

Berlinovo sichert sich mit Lindenpartners Kredite über rund eine Milliarde Euro