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Warum US-Unternehmen deutlich mehr Geld für Rechtsberatung ausgeben

Guter Rat ist teuer – vor allem für US-Unternehmen. Sie geben von jedem Umsatzdollar 0,4 Prozent für die in- und externe Rechtsberatung aus. Unternehmen aus anderen Ecken der Welt kommen auf einen Durchschnitt von 0,15 Prozent. Oder anders: Für US-Firmen liegen die Kosten um 166 Prozent höher. Und das bekommt auch jedes andere Unternehmen zu spüren, das in den Vereinigten Staaten Rechtsrat suchen muss.

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Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage des britischen Unternehmens Acritas, das rund 2.000 Chefjuristen in aller Welt zu ihren Ausgaben für Rechtsberatung befragt hat. Erfasst wurden interne wie externe Kosten.

In absoluten Zahlen kommen für US-Unternehmen so astronomische Summen zusammen. Ein fiktives Rechenbeispiel: 2016 erzielte General Electric einen Umsatz von 123,7 Milliarden US-Dollar. Unterstellt man, dass der Konzern im US-Ausgabendurchschnitt liegt, dann hätte er für Rechtsservice im Jahr 2016 eine knappe halbe Milliarde Dollar ausgegeben.

Wenig überraschend ist vor diesem Hintergrund, dass Impulse, mit alternativen Rechtsdienstleistern zu arbeiten, innovative Honorarmodelle zu forcieren oder verstärkt auf Legal Tech zu setzen, meist aus den Vereinigten Staaten oder Großbritannien kommen.

Der globale Durchschnitt der Ausgaben für Rechtsrat liegt – die USA eingeschlossen – bei 0,23 Prozent des Umsatzes. Neben den USA übertreffen nur noch kanadische Unternehmen diesen globalen Durchschnittswert. Dort fließen 0,27 Prozent des Umsatzes in den Rechtsservice. Genau im Schnitt liegen die Briten und belegen damit den dritten Platz. Am wenigsten geben chinesische Unternehmen aus: Dort sind die Ausgaben für Rechtsberatung um 87 Prozent niedriger als der globale Durchschnitt.

Streit um jeden Preis

Acritas-Chefin Lisa Hart Shepherd führt mehrere Gründe an, die die USA zu einem so teuren Pflaster machen. Zum einen generiere das rechtliche und regulatorische Umfeld in den USA hohen Beratungsbedarf. Das allerdings dürfte nur zu einem kleinen Teil die Unterschiede erklären, denn Europa steht dem kaum nach. Dennoch liegen kontinentaleuropäische Unternehmen unter dem globalen Durchschnitt, geben also erheblich weniger Geld aus. Die Hauptursachen liegen woanders: „US-Unternehmen zahlen höhere Sätze und sie zahlen häufiger auf Stundenbasis, was kaum zu einer effizienten Arbeit beiträgt“, sagt Hart. Hinzu kommt, dass die Gehälter von US-Unternehmensjuristen höher sind als die in Europa oder Asien. Schließlich sind die Vereinigten Staaten bekanntermaßen ein ausgesprochen prozessfreundliches Land, was ebenfalls erhebliche Kosten verursacht. Nicht umsonst pflegen auch deutsche Unternehmen Litigation-Praxen in den USA.

Deutliche Branchenunterschiede

Doch die globalen Werte können am Ende nur Tendenzen wiedergeben. Weit wichtiger ist für eine realistische Einschätzung der eigenen Position der Vergleich mit Unternehmen ähnlichen Zuschnitts. So liegen etwa die Durchschnittsausgaben einzelner Branchen weit auseinander. Die Immobilienbranche gibt etwa dreimal so viel aus wie der globale Durchschnitt, die Finanzbranche liegt 160 Prozent, die Technologiebranche 95 Prozent über dem Durchschnitt. Diese drei Branchen verzeichnen weltweit die höchsten Rechts­kosten.

Entscheidend ist auch die Unternehmensgröße. Zum einen steigt die Verhandlungsmacht, wenn das potenzielle Rechtsberatungsbudget umfangreich ist. Weil die Kanzleien sich einen möglichst großen Teil des Kuchens sichern wollen, sind sie bei großen Unternehmen eher bereit, ihre Preise zu senken. Zum anderen können bei großen Rechtsbudgets aber auch mehr Synergien gehoben, Spezialisierungen intern ausgebildet und mehr globale Standards geschaffen werden. Das senkt die Kosten intern wie extern. Auch ein Ausweichen auf günstigere Jurisdiktionen ist eher möglich.

So kommt die Acritas-Umfrage zu dem Ergebnis, dass Unternehmen mit weniger als 500 Millionen Dollar Umsatz doppelt so viel ausgeben wie der Durchschnitt. Unternehmen mit einem Umsatz ab sechs Milliarden Dollar hingegen geben nur ein Drittel des weltweiten Durchschnitts aus. Im obigen Beispiel von General Electric lägen die Ausgaben nach dieser Prämisse unter 100 Millionen US-Dollar jährlich. Das klingt schon wesentlich verträglicher.

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