Berlin

US-Klägerkanzlei Scott + Scott eröffnet mit Anwälten von Deutscher Bahn und K&L Gates

Erneut betritt eine US-Klägerkanzlei den deutschen Markt: Nach London im Jahr 2015 und Amsterdam 2019 hat Scott + Scott zum November in Berlin ihr drittes europäisches Büro eröffnet. Zum Startteam gehören Markus Hutschneider, der aus der Prozessabteilung der Deutschen Bahn kommt, und Dr. Michael Melber, derzeit noch Litigation-Partner bei K&L Gates. Die Kanzlei will sich in Deutschland vor allem auf Streitigkeiten um Kartellschadensersatz konzentrieren.

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Markus Hutschneider
Markus Hutschneider

Scott + Scott hat weltweit neun Büros, davon sechs in den USA. Insgesamt sind etwa 100 Anwälte dort tätig. In den USA ist die Kanzlei auf klassische US-Sammelklagen spezialisiert, häufig Class Actions mit Bezügen zu Wertpapieren und Kartellen. In Deutschland soll das Team um die beiden Gründungspartner in den nächsten Monaten auf etwa fünf Anwälte wachsen.

Für die Stoßrichtung Kartellschadensersatz steht vor allem Hutschneider. Er hat im Schadensersatz-Team um Dr. Tilman Makatsch in den vergangenen drei Jahren das Fallmanagement geleitet. Die Bahn gehört zu den Pionieren bei der Durchsetzung von Kartellschadensersatz. Hutschneider war unter anderem an Streitigkeiten im Zusammenhang mit den Kartellkomplexen Schienen, Luftfracht und Lkw beteiligt. Der Kartellrechtler war zehn Jahre bei der Bahn. Begonnen hatte er seine Karriere bei WilmerHale.

US-Klägerkanzleien entdecken Deutschland

Michael Melber
Michael Melber

Auch der zweite Gründungspartner des deutschen Scott + Scott-Büros ist ein ehemaliger WilmerHale-Anwalt. Michael Melber war dort bis Ende 2016 neun Jahre tätig, zuletzt als Counsel. Dann wechselte Melber als Teil eines sechsköpfigen Teams zu K&L Gates, wo er 2018 Partner wurde. Melber ist Prozessanwalt mit Schwerpunkten bei Post-M&A-Streitigkeiten, Bank- und Kapitalmarkt- sowie Versicherungsrecht. Kartellschadensersatzprozesse hat er bei K&L Gates nicht geführt.

Der genaue Wechselzeitpunkt von Melber steht noch nicht fest. Die Litigation-Praxis der Kanzlei besteht nach seinem Wechsel noch aus zwei Partnern, einem Counsel und zwei Associates.

Scott + Scott steht in einer Reihe spezialisierter US-Klägerkanzleien, die sich zunehmend für den deutschen Markt interessieren. Hausfeld hatte bereits 2016 ein Büro in Berlin eröffnet – mit Hutschneiders früherem Bahn-Kollegen Christopher Rother als Gründungspartner. Im Frühjahr 2020 eröffnete Lieff Cabraser Heimann & Bernstein mit einer Milbank-Kartellrechtlerin ihr erstes europäisches Büro – in München. Sowohl bei Hausfeld als auch bei Lieff Cabraser und nun auch bei Scott + Scott spielt Kartellschadensersatz eine zentrale Rolle. Deutschland gehört neben Großbritannien und den Niederlanden zu den wichtigsten Jurisdiktionen für die meist großvolumigen Streitigkeiten.

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