Für die vierte Ausgabe des jährlichen Reports befragte das Thomson Reuters Institute mehr als 1.500 Fachleute aus 27 Ländern – überwiegend aus den USA – zu ihrer KI-Nutzung und deren Geschäftsauswirkungen. Die Ergebnisse zeigen: Die Phase des Experimentierens ist vorbei. Jetzt beginnt die strategische Integration.
Organisationen verdoppeln Einsatz von generativer KI
Die organisationsweite Nutzung von generativer KI hat sich der Studie zufolge innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt. Rund 40 Prozent der befragten Organisationen setzen generative KI mittlerweile ein, gegenüber 22 Prozent im Vorjahr. Nur noch 19 Prozent planen keinerlei Nutzung.
Besonders Unternehmen zeigen sich aufgeschlossen: Unter den Inhouse-Befragten liegt die Nutzungsquote deutlich über dem Durchschnitt. Dies stellt Kanzleien vor eine Herausforderung, da ihre Mandanten offenbar KI-affiner sind als die Kanzleien selbst.
Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer nutzt öffentlich verfügbare Tools wie ChatGPT oder Claude für berufliche Zwecke. Enterprise-Business-Tools wie Microsoft Copilot kommen bei knapp der Hälfte zum Einsatz. Branchenspezifische Werkzeuge verzeichneten mit einem Plus von 14 Prozentpunkten das stärkste Wachstum.
Wer generative KI nutzt, tut dies regelmäßig: Über die Hälfte der Anwender setzt die Tools täglich ein, mehr als 80 Prozent mindestens wöchentlich. Die häufigsten Anwendungsfälle sind Recherche, Dokumentenprüfung und -zusammenfassung sowie das Verfassen von Schriftsätzen oder Korrespondenz. 87 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass generative KI innerhalb der nächsten fünf Jahre zentraler Bestandteil ihrer Arbeitsabläufe sein wird.
Die Zeit der KI-Agenten bricht an
Während diese bereits etabliert ist, steht die nächste Technologiestufe vor der breiten Einführung: Sogenannte KI-Agenten können eigenständig mehrschrittige Aufgaben erledigen, etwa eigenständig Vorschriften recherchieren, Dokumente entwerfen und überarbeiten – ohne schrittweise menschliche Anleitung.
Derzeit nutzen 15 Prozent der Organisationen KI-Agenten, weitere 53 Prozent befinden sich in der Planungs- oder Überlegungsphase. 77 Prozent erwarten, dass KI-Agenten bis 2030 zentral für ihre Arbeit sein werden.
Die häufigsten geplanten Einsatzgebiete sind Dokumentenprüfung und -zusammenfassung, Recherche sowie die Extraktion von Vertragsdaten. Allerdings fühlen sich viele Teilnehmende noch weniger gut über KI-Agenten informiert als über generative KI.
Positive Grundhaltung trotz Bedenken
Knapp zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, generative KI solle in ihrer Arbeit eingesetzt werden – ein Anstieg gegenüber 54 Prozent im Jahr 2024. Als Hauptgründe nennen sie Zeitersparnis, gesteigerte Effizienz und Unterstützung bei Routineaufgaben.
Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer blickt hoffnungsvoll auf die KI-Zukunft, weniger als 20 Prozent äußern sich besorgt oder ängstlich. Parallel zur positiven Grundhaltung wächst das Bewusstsein für tiefgreifende Veränderungen. Ein höherer Anteil der Befragten als im Vorjahr sieht KI als Bedrohung für bestehende Arbeitsplätze, Abrechnungsmodelle und den generellen Bedarf an Fachkräften.
Kommunikationslücke zwischen Kanzleien und Mandanten
Zudem sind rund zwei Drittel der Inhouse-Teilnehmenden der Meinung, ihre externen Dienstleister sollten KI nutzen. Doch weniger als 20 Prozent verlangen dies über Richtlinien oder Ausschreibungen. Dies führt zu Verwirrung: 40 Prozent der Kanzleimitarbeiter berichten, von verschiedenen Mandanten widersprüchliche Anweisungen zur KI-Nutzung erhalten zu haben.
Die meisten KI-Projekte sind auf beiden Seiten intern ausgerichtet, sodass Kanzleien und Mandanten oft nicht wissen, wie die jeweils andere Seite KI einsetzt. Sowohl Mandanten als auch Kanzleien sehen die Verantwortung für den Gesprächsbeginn mehrheitlich bei den Kanzleien. Die vorherrschende Haltung: Kanzleien sollten die Arbeit so erledigen, wie sie es für richtig halten – aber nicht völlig ohne Kenntnis der Mandanten.
Die Ergebnisse zeigen: Wer noch nicht mit KI experimentiert hat, ist bereits im Rückstand. Die Mehrheit der Befragten nutzt generative KI regelmäßig und hat ein solides Verständnis der Möglichkeiten und Grenzen entwickelt.