Interview mit Heideldruck

„Wen laden Sie zur Panelausschreibung ein?“

Das Traditionsunternehmen Heidelberger Druckmaschinen erzielte im vergangenen Jahr erstmals Erlöse mit wiederkehrenden Umsätzen aus Aboverträgen, die maßgeblich von der Rechtsabteilung selbst entwickelt wurden. JUVE sprach darüber mit Dr. Constantin Bettermann (38), der seit Oktober 2018 als General Counsel die Rechtsabteilung sowie die Bereiche IP und Corporate Governance des SDax-Unternehmens verantwortet.

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Constantin Bettermann
Constantin Bettermann

JUVE: Sie haben ein neues Modell entwickelt, bei dem Kunden die Druckmaschinen nicht mehr kaufen, sondern für deren Nutzung und Produktionsergebnis zahlen. Wie ist es rechtlich gestaltet?
Dr.
Constantin Bettermann: Mit dem Subskriptionsmodell sind wir die ersten in unserer Branche, deshalb kann ich nicht alle Details der Verträge nennen. Nur so viel: Sie sind unter anderem angelehnt an Leasingverträge der Automobilbranche, aber enthalten auch Vereinbarungen zur Nutzung von Softwarelizenzen, zur Wartung der Maschinen und zu Verbrauchsmaterialien, zum Beispiel der Farbe. Die Kalkulation geht nicht über den Anschaffungspreis der Maschine, sondern die Kunden zahlen für die Nutzung der Maschine einen festen Preis pro gedrucktem Bogen. Es ist ein nutzenorientiertes Geschäftsmodell.

Was sind die Vorteile?
Unsere Kunden profitieren von der Kombination aus digitalen Prozessen und innovativer Maschinentechnologie. Das gemeinsame Ziel ist, die Produktivität und damit die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Wenn wir das erreichen, teilen beide Seiten den wirtschaftlichen Erfolg. Für uns bedeutet das mehr Planungssicherheit bei den Erlösen, denn die Subskriptionsverträge laufen in der Regel über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Unseren Kunden erleichtern solche Verträge zudem das Investment in hoch technologisierte Druckanlagen, indem wir sie – neben dem Verkauf der Komponenten – im Betrieb dabei unterstützen, die mit den digitalen Technologien verbundenen Produktivitätsreserven zu heben. Nicht zuletzt schafft es den notwendigen Spielraum in der Bilanz unserer Kunden für Investitionen in die Digitalisierung ihrer eigenen Kundenschnittstelle.

Bei Heideldruck waren Sie zunächst für diverse Sonderprojekte sowie M&A, Kapitalmarktthemen und Finanzierungen zuständig. Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag verändert, seit Sie zum General Counsel ernannt wurden?
Die Rechtsabteilung von Heidelberger Druckmaschinen ist dem CFO unterstellt, mit dem ich bereits seit Jahren sehr eng im Transaktionsgeschäft zusammenarbeite. Als General Counsel bin ich natürlich Sparringspartner für den gesamten Vorstand. Das ist sehr spannend und lehrreich – ich schätze die dahinter stehende Herausforderung sehr. Bei der Vielzahl der Aufgaben kann ich mich zum Glück auf ein professionelles und hoch motiviertes Team verlassen. Als Führungskraft wirke ich zudem begeistert am Change-Prozess der Gesellschaft mit.

Ihre Abteilung umfasst rund 40 Mitarbeiter, davon sind sieben Juristen. Wie sind Sie organisiert?
Ich habe die Berichtslinien ins Haupthaus nach Wiesloch zentralisiert, wo wir uns primär um Corporate Governance und Transaktionen, Vertragsmanagement, Digitalisierung, Compliance-Themen und Kostenstruktur der Rechtsgeschäfte kümmern. Zudem soll das Juristen-Team zeitnah weiter wachsen. Daneben haben wir regionale Zuständigkeiten: Beispielsweise ist ein Jurist ausschließlich für den wichtigen US-Markt zuständig und auch ständig vor Ort.

Planen Sie auch, anders zu mandatieren?
Wir sind als börsennotiertes Unternehmen nicht nur daran interessiert, selbst guten Qualitätsstandard einzuhalten, wir wollen ihn auch bei unseren Dienstleistern abrufen. Aber wir planen auch, weitere Volumenrabatte mit den Kanzleien auszuhandeln. Daher beabsichtigen wir, erstmals in der Geschichte des Unternehmens ein Panel mit bevorzugten Partnerkanzleien zusammenzustellen, die künftig den Hauptteil des externalisierten Tagesgeschäfts abwickeln sollen.

Wen wollen Sie zu den Panelverhandlungen einladen – regionale oder internationale Kanzleien?
Beide – denn wir müssen ein breites Spektrum an Aufgaben bewältigen. Wir haben schon mit unterschiedlichsten Kanzleien zusammengearbeitet, aber klar ist natürlich, dass wir ein exportstarkes Maschinenbauunternehmen aus dem gehobenen Mittelstand sind und kein Blue-Chip-Konzern mit einem milliardenschweren Legal Budget. Wir brauchen Generalisten und Pragmatiker, auch in der Rechtsberatung.

Das Bundeskartellamt hat Ihnen kürzlich die Übernahme des süddeutschen Falzmaschinenherstellers MBO Maschinenbau untersagt, weil es eine marktbeherrschende Position der Heidelberger Druckmaschinen befürchtet. Wie wollen Sie darauf reagieren?
Natürlich sind wir über die Entscheidung sehr enttäuscht und verwundert – und sie ist nach unserem Dafürhalten nicht sachgerecht. Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass die Integration des Angebots von MBO den Kundennutzen hinsichtlich eines reibungslosen industriellen Prozesses in der digitalen Zukunft erhöht hätte. Wir prüfen aktuell die Erfolgsaussichten aller uns vorliegenden Reaktionsmöglichkeiten. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, möchte ich jedoch keine weiteren Angaben hierzu machen.

Hedgefonds wie der Londoner Marshall Wace und der US-Investor WorldQuant haben mit Leerverkäufen im Frühjahr für Unruhe im Börsenkurs der Heidelberger Druckmaschinen gesorgt.  Wie wappnen Sie sich gegen solche Angriffe?
Heidelberger Druckmaschinen befindet sich mitten in einem Transformationsprozess, von einem reinem Maschinenbauer hin zu einem digitalen Unternehmen. Ein solcher Wandel benötigt nicht nur Mut und Anstrengung, sondern natürlich auch Geduld. In dieser Phase gibt es zeitweise Spekulationen, ob und wann die Transformation gelingen wird. Wenn die Erfolge der Strategie zunehmend sichtbar werden, wird diesen Spekulationen die Grundlage entzogen.

Das Gespräch führte Sonja Behrens.

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