Marktbeben in London

King & Spalding gewinnt Schiedskoryphäen von WilmerHale

WilmerHale verliert ihre hochrenommierte internationale Schiedspraxis um den Londoner Partner Gary Born nahezu komplett an King & Spalding. In der Schiedsszene ist es einer der bedeutendsten Teamwechsel seit langem – und er dürfte sich auch auf den deutschen Markt auswirken.

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Neben Born wechseln die beiden Londoner Partner Franz Schwarz und Marleen Krueger sowie Rachael Kent und Danielle Morris in Washington zu King & Spalding. Die Gruppe hat rund zwei Jahrzehnte zusammengearbeitet und berät zu komplexen grenzüberschreitenden Streitigkeiten unter anderem in den Bereichen Energie, Finanzdienstleistungen, Pharma und Technologie sowie im Investitionsschutzrecht.

Gary Born

Born gilt als einer der weltweit führenden Praktiker und Wissenschaftler in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit. Bei WilmerHale leitete er über viele Jahre die Schiedsrechtspraxis und vertrat nach Kanzleiangaben Mandanten in mehr als 750 internationalen Schiedsverfahren. Bei King & Spalding übernimmt Born gemeinsam mit der in Atlanta ansässigen Partnerin Elizabeth Silbert die Leitung der International-Disputes-Praxis.

Schwarz übernimmt Civil-Law-Team

Franz Schwarz

Schwarz wird innerhalb der Praxisgruppe das Civil-Law-Team verantworten. Er ist derzeit Präsident des Vienna International Arbitral Centre (VIAC) und war als Anwalt und Schiedsrichter an mehr als 300 Verfahren beteiligt. Seine Schwerpunkte liegen bei Joint-Venture-, M&A- und Finanzdienstleistungsstreitigkeiten sowie beim Schutz ausländischer Investitionen unter bilateralen Investitionsschutzabkommen.

Marleen Krueger

Krueger ist auf internationale Handels- und Investitionsschiedsverfahren spezialisiert und hat Mandanten in Verfahren unter verschiedenen institutionellen Regeln vertreten, darunter ICC, LCIA und DIS. Kent bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung in Handels- und Investitionsschiedsverfahren mit, mit einem besonderen Fokus auf Streitigkeiten im Technologie- und Pharmabereich. Morris verfügt über 15 Jahre Erfahrung und konzentriert sich vor allem auf Investor-Staat-Verfahren.

Londoner Büro wächst rasant

Der Teamwechsel fügt sich in die offensive Wachstumsstrategie von King & Spalding für den Londoner Standort ein. Die in Atlanta gegründete Kanzlei beschäftigt insgesamt rund 1.300 Anwälte in 26 Büros weltweit. In London sind inzwischen rund 50 Partner tätig. Im vergangenen Geschäftsjahr legte der Umsatz des Londoner Büros um 48 Prozent auf 148,2 Millionen US-Dollar zu. Allein in diesem Jahr holte King & Spalding vier weitere Partner nach London, darunter den Corporate-Real-Estate-Spezialisten Ray Fang von Goodwin Procter sowie die Kartellrechtlerin Jade-Alexandra Fearns von Paul Hastings.

Mit der kombinierten Praxis verfügt King & Spalding nach eigenen Angaben über mehr als 150 auf internationale Streitigkeiten spezialisierte Anwälte. Der bisherige Co-Leiter der Praxisgruppe, Wade Coriell, kehrt nach drei Jahren in dieser Rolle in das Singapur-Büro der Kanzlei zurück, um den Ausbau der Disputes-Praxis im asiatisch-pazifischen Raum voranzutreiben.

Erneuter Verlust für WilmerHale

Für WilmerHale bedeutet der Abgang einen erheblichen Einschnitt. Die Kanzlei verliert mit dem Team um Born den Kern ihrer internationalen Schiedsrechtspraxis. Bereits im September 2024 hatte WilmerHale die profilierte Schiedsrechtlerin Maxi Scherer verloren, die nach 20 Jahren bei WilmerHale mit anderen die Schiedskanzlei ArbBoutique mit Büros in London, Paris, Berlin und Brüssel gründete.

Der nun folgende Weggang eines ganzen Partnerteams wiegt ungleich schwerer, WilmerHale verliert ihre internationale Schiedspraxis nahezu komplett.

Das deutsche Ende des Teamwechsels

Die Auswirkungen auf die deutsche Praxis sind kurzfristig überschaubar: In Berlin führen vor allem die Counsel Olga Braeuer und eine Senior Associate Schiedsverfahren, bisher angedockt an die Londoner Praxis. WilmerHale hat, anders als viele andere US-Kanzleien, in den vergangenen 20 Jahren nie Ambitionen entwickelt, eine eigenständige deutsche Schiedspraxis zu entwickeln. Eine strategische Frage, die sich für WilmerHale stellt, nachdem das Londoner Kraftzentrum mit seiner ungeheuren Strahlkraft weggebrochen ist: Sollten die Abgänge ein Anlass sein, die Schiedspraxis neu aufzubauen und künftig dezentraler aufzustellen?

King & Spalding hat in Deutschland bisher eine kleine, aber renommierte Schiedspraxis um den Frankfurter Partner Jan Schäfer. Der gehört zu den anerkanntesten Schiedsrichtern in Deutschland und ist in einige der Investitionsschutzverfahren eingebunden, die King & Spalding vor allem aus Houston und Paris heraus an der Seite von Investoren führt, vor allem gegen Spanien und Italien im Energiesektor. Mit Schwarz und Krüger kommt nun eine starke Civil-Law-Schiedspraxis in London dazu, sodass die Kanzlei ihr bisheriges Angebot an deutsche Mandanten im Investitionsschutz – eine global integrierte Verfahrensvertretung – perspektivisch auf Commercial-Schiedsverfahren ausweiten könnte.

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