Juve Plus Innovationsdruck

Legal Innovation Management: Darum ziehen Boutiquen und Mittelständler jetzt nach

Legal Innovation Manager, Heads of Innovation oder Innovation Lawyers: Was lange als Luxus der Großen galt, holt nun auch den Kanzleimittelstand und Boutiquen ein. Immer mehr Einheiten schaffen explizite Innovationsrollen. Denn der Veränderungsdruck ist inzwischen auch jenseits der Großkanzleien deutlich spürbar.

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Innovation war in Kanzleien lange ein Nebenprojekt. Doch steigender Effizienz‑ und Kostendruck, neue Mandantenerwartungen und der Einsatz von KI machen deutlich: Ohne klare Zuständigkeiten geht es nicht mehr. Legal Innovation Management entwickelt sich deshalb zunehmend von einer freiwilligen Zusatzaufgabe zu einer festen Funktion.

Zu den Kernaufgaben von Innovationsmanagern gehört das Identifizieren von Effizienz‑ und Qualitätsproblemen im Kanzleialltag und das Entwickeln praxistauglicher Lösungen – häufig mithilfe von Legal Tech und KI. Sie steuern die Einführung neuer Tools und Arbeitsweisen und schulen Anwältinnen und Anwälte. Zudem sorgen Innovationsmanager für die Akzeptanz neuer Technologien im Tagesgeschäft. Oft entwickeln sie auch standardisierte Produkte und alternative Vergütungsmodelle.

Helena Byrne

Eine von ihnen ist Helena Byrne, seit Anfang des Jahres Head of Legal Innovation bei der Arbeitsrechtsboutique Kliemt: „Ziel ist es, als Kanzlei zukunftsfähig zu bleiben, juristische Arbeit schneller, transparenter und wirtschaftlicher zu machen“, sagt sie. Bei Kliemt ist die Wirtschaftsjuristin mit LLM seit fast vier Jahren. Aus ihrer vorherigen Station als Knowledge-Managerin bei Linklaters kennt sie auch die Großkanzleiwelt gut:  „Kliemt hat früh festgestellt, dass Legal Operations und Innovation wichtig sind, damit eine Kanzlei weiter erfolgreich sein kann.“ Mit der neuen Rolle Head of Legal Innovation gehe die Kanzlei das Thema noch systematischer und professioneller an.

Innovation geht nicht nebenbei

Internationale Sozietäten mit Tech-Einschlag wie Linklaters, Bird & Bird oder Greenberg Traurig haben Legal-Innovation-Funktionen zum Teil schon seit Jahren fest etabliert. Mittlerweile haben auch viele andere Großkanzleien Innovation-Spezialisten in den eigenen Reihen. Der Mittelstand zieht jetzt nach, denn auch hier haben sich Mandantenerwartungen verschoben. Unternehmen vergleichen Kanzleien heute nicht mehr nur nach juristischer Brillanz. Effizienz, Geschwindigkeit, Transparenz und ein nachvollziehbarer Einsatz von Technologie sind zu Selbstverständlichkeiten geworden, auch jenseits der Großkanzleien.

Spätestens seit generative KI im Arbeitsalltag angekommen ist, betrifft Innovation nicht mehr nur Randprozesse. Vertragsprüfung, Recherche, Wissensmanagement oder Due Diligence sind Kernbereiche anwaltlicher Arbeit, deren Abwicklung sich durch KI-Einsatz ändert. Viele Kanzleien stellen fest, dass Innovation und Transformation nicht nebenbei von IT, Marketing oder einzelnen technikaffinen Anwälten gesteuert werden können.

Immer mehr Beispiele im Mittelstand

Nadine Hauck

In der Kölner Mittelstandskanzlei Loschelder hat seit Anfang 2025 die Rechtsanwältin Nadine Hauck das Aufgabenspektrum einer Legal Innovation Managerin übernommen – bei ihr laufen die Legal Tech- und Innovationsthemen zusammen. „Ich kümmere mich um die digitale Transformation. Dazu gehört es unter anderem, Tools auszuwählen und einzuführen, Innovationspotenzial aufzuzeigen, IT und Anwälte zu verbinden und Mitarbeiter zu schulen“, erklärt Hauck. Für Loschelder sei wichtig gewesen, sich im Bereich Legal Tech im Markt klar zu positionieren. „Das Thema ist so relevant und komplex, dass es nicht mehr ausreicht, sich neben dem laufenden Mandatsgeschäft darum zu kümmern. Allein die Koordinations-, Mindset- und Netzwerkarbeit nehmen viel Raum ein. Es war klar, dass es einer Person bedarf, die das Thema verantwortet“, so Hauck.

Auch Luther hat vor Kurzem ihr Innovations- und Digital-Hub Luther.Solutions mit der KI-Expertin Jolanda Rose ausgebaut. Als Lead Legal Engineer ist sie ebenso für Innovationsthemen zuständig und baut das Team weiter aus. Zuvor war Rose als Process- und Digital-Transformation-Managerin bei Arqis tätig und dort maßgeblich für Innovationsprojekte verantwortlich. Ihre Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben hat auch die Mittelstandsberaterin Menold Bezler professionalisiert. Dafür hat sie letztes Jahr einen Digitalbereich und die Position eines Chief Digital Officer geschaffen, der sich auch um Innovationsthemen kümmert.

Wovon der Erfolg abhängt

Solche Positionen allein garantieren noch keinen Erfolg. „Kanzleien sollten die Chance nutzen und jetzt Innovationsfunktionen etablieren“, sagt Byrne. „Aber klar ist auch: Die beste Innovation-Managerin oder der beste Manager hat keinen Erfolg, wenn die Rückendeckung aus der Partnerschaft nicht da ist.“ Zu ihren Aufgaben bei Kliemt zählt auch, die Anwaltschaft mit dem richtigen KI-Mindset auszustatten. „Change-Management ist ein großes Thema“, sagt Byrne. „Bei Kliemt sind wir schon seit 2018 mit dem Thema befasst. Zum Glück verstehen fast alle Partner, wie wichtig Innovation ist.“

Dass Legal Innovation Manager nun auch im Mittelstand ankommen, ist kein kurzfristiger Trend, sondern Ausdruck eines strukturellen Wandels. Innovation verlagert sich vom Experimentierraum ins Tagesgeschäft. Für mittelständische Kanzleien bietet das eine echte Chance: Sie sind näher an ihren Mandanten, treffen oft schneller Entscheidungen und sind weniger komplex organisiert als Großkanzleien. Wenn Innovation dort ernsthaft betrieben wird, kann sie zum echten Wettbewerbsfaktor werden.

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