Verband der Wirtschaftskanzleien

Lobbyprojekt: CMS und Heuking sind dabei – Magic Circle nicht

Seit einem halben Jahr wird sondiert, beraten und an der Satzung gefeilt – nun ist es so weit: Morgen findet in Frankfurt die konstituierende Sitzung des ‚Bundesverbands der Wirtschaftskanzleien in Deutschland‘ statt. Rund 30 Kanzleien sollen dabei sein bei dem Treffen, das in den Büroräumen von GvW Graf von Westphalen stattfindet.

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Die Anwaltsmetropole Frankfurt ist Gründungsort des neuen Verbands der Wirtschaftskanzleien. Foto: Raimundas/Fotolia

Der Bundesverband der Wirtschaftskanzleien – kurz: BWD – versteht sich als Sprachrohr von mehr als 50 Wirtschaftskanzleien, die über eine Niederlassung in Deutschland verfügen. Nach dem JUVE vorliegenden Leitbild eint die Mitgliedssozietäten, dass sie Unternehmen strategisch und langfristig beraten, für Diversität unter ihren Mitarbeitenden stehen, sich an ESG-Kriterien orientieren sowie für eine leistungsfähige Rechtsstaatlichkeit eintreten.

Ein Affront für den DAV

Die Gründung des Verbands markiert für die Anwaltschaft in Deutschland einen Einschnitt. Denn eine eigenständige Lobbyorganisation für Kanzleien gibt es hierzulande noch nicht. In den bestehenden Organisationen, den Anwaltskammern und dem Deutschen Anwaltverein (DAV), ist die Mitgliedschaft bislang an die einzelnen Anwältinnen und Anwälte geknüpft, aber nicht an Kanzleien als Organisationen. Zwar ändert sich das ab August, ab dann nimmt die neue Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) auch Berufsausübungsgesellschaften in den Blick – dennoch bleibt die Idee einer Interessenvertretung für eine bestimmte Gruppe von Anwaltskanzleien neu.

Zudem ist die Gründung ein Affront gegenüber dem DAV. Dessen Präsidentin Edith Kindermann hatte noch vor wenigen Wochen versucht, mit einem neuen ‚Forum für Wirtschaftskanzleien‘ ein Gegengewicht zum BWD zu schaffen. Beim DAV ist die Auftaktveranstaltung für das Forum am 7. April angesetzt, also eine Woche nach der Gründungsversammlung des BWD. In Teilnehmerkreisen heißt es allerdings, dass BWD und DAV ein „wirkliches Nebeneinander“ anstreben sollten, also auch die Möglichkeit für gemeinsame Stellungnahmen bestehen soll.

Fremdbesitz und Legal Tech im Fokus

Ob das Engagement des BWD von Erfolg gekrönt sein wird, hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: zum einen davon, ob sich ausreichend Kanzleien als Mitglieder finden. Zum anderen davon, ob es dem BWD gelingt, bei den zentralen rechtspolitischen Themen der kommenden Monate erfolgreich mitzumischen. Nach den JUVE vorliegenden Materialien will der neue Verband rechtspolitisch etwa die Frage des Fremdbesitzverbots in Kanzleien sowie die Auswirkungen von Legal-Tech-Gesellschaften auf Kanzleistrukturen in den Fokus nehmen. Zudem steht ein Erfahrungsaustausch zu praktischen Themen wie Cybersecurity oder den strengeren Geldwäschevorschriften auf der Agenda.

Als ihre Zielgruppe sehen die Initiatoren des BWD rund 200 Wirtschaftskanzleien in Deutschland. Die Initiatoren sind der langjährige Managing-Partner von Osborne Clarke, Stefan Rizor, sowie der unter anderem als Verleger tätige Prof. Dr. Thomas Wegerich. 

Auf der Gründungsversammlung am kommenden Dienstag soll die Satzung verabschiedet und die Eintragung ins Vereinsregister beschlossen werden. Zudem dürfte sich abzeichnen, wer in den neuen Vorstand des Vereins einziehen wird.

Diese 19 Kanzleien wollen mitmachen

Zur Frage, wer an der Gründungsversammlung teilnimmt, und über weitere Details wollten Rizor und Wegerich vor der Sitzung nicht mit JUVE sprechen.

Allerdings ist nach JUVE-Informationen mit folgenden 19 Kanzleien (in alphabetischer Reihenfolge) sicher zu rechnen: Advant Beiten, Arnecke Sibeth, Ashurst, Baker Tilly, Becker Büttner Held, Buse, CMS Hasche Sigle, Esche Schümann Commichau, GvW Graf von Westphalen, Heuking Kühn Lüer Wojtek, Heussen, Luther, Mazars, Osborne Clarke, Reuschlaw, Rödl & Partner, Seitz, Taylor Wessing, Wellensiek.

Dem Verband positiv gegenüber stehen nach JUVE-Informationen zudem Bird & Bird, Dentons, Herbert Smith Freehills, Hogan Lovells, KPMG Law, Mayer Brown und McDermott Will & Emery. Auch Milbank und WilmerHale hätten Interesse signalisiert, heißt es, werden morgen aber nicht vertreten sein.

Auffällig ist, dass einige der absoluten Top-Kanzleien offenbar bislang nicht dabei sind. Das gilt für die britischen Magic-Circle-Kanzleien Allen & Overy, Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer und Linklaters ebenso wie für die deutschen Top-Sozietäten Gleiss Lutz, Hengeler Mueller und Noerr oder für internationale Großkanzleien wie Baker McKenzie, Latham & Watkins und White & Case.

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