Reederei-Insolvenz

Johlke Niethammer und Brinkmann übernehmen bei Rickmers

Bei der insolventen Reedereigruppe Rickmers überwacht jetzt Sachwalter Jens-Sören Schröder von Johlke Niethammer & Partner den Sanierungskurs. Nach Entscheidung des Amtsgerichts Hamburg soll Rickmers ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen können. Neben Schröder wird Dr. Christoph Morgen von Brinkmann & Partner das Unternehmen unterstützen, er zog als ‚Chief Insolvency Officer‘ in den Vorstand der Rickmers-Holding ein.

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Schröder_Jens-Sören
Schröder_Jens-Sören

Als weitere personelle Konsequenz musste Alleineingentümer und Reederei-Grandseigneur Bertram Rickmers seinen Vorsitz im Aufsichtsrat der Reederei abgeben. 2.000 Arbeitsplätze sind von der Insolvenz betroffen, außerdem rund 1.000 Anleihegläubiger, die im schlimmsten Fall einen Großteil ihrer Einlagen verlieren würden.

Sachwalter Schröder hat mit seiner Bestellung eines der größten Insolvenzverfahren Norddeutschlands an Land gezogen. Er war 2013 einer breiteren Öffentlichkeit als Insolvenzverwalter der Max Bahr-Baumärkte bekannt geworden, die gemeinsam mit ihrer Muttergesellschaft Praktiker Pleite gingen. Außerdem wurde er immer wieder für Insolvenzverfahren in der Schifffahrtsbranche bestellt. Die traditionsreiche Kanzlei Johlke, früher rein auf die Insolvenzverwaltung spezialisiert, war zuletzt durch Partner Jan Ockelmann in den Schlagzeilen, der seit Sommer 2016 die insolvente KTG Agrar als Chief Restructuring Officer betreut.

Sanierungsexperte Morgen von Brinkmann & Partner, der nun in den Rickmers-Vorstand einzog, und sein Kanzleipartner Dr. Tobias Brinkmann sind bereits mit der Materie vertraut. Sie haben während der vorangegangenen Restrukturierungsverhandlungen unter anderem den Liquiditätswertbericht erstellt. Die Schifffahrtsbranche insgesamt ist eine der Spezialdisziplinen der Kanzlei Brinkmann. Mehrfach haben ihre Insolvenzverwalter unter anderem Werften in der Krise begleitet – in Hamburg etwa die Sietas-Werft, in Mecklenburg-Vorpommern die P+S-Werften.

HSH-Verkauf erschüttert Reedereibranche

Christoph Morgen
Christoph Morgen

Rickmers hatte in der vergangenen Woche den Gang zum Insolvenzgericht angetreten. Zuständig war das Dezernat von Insolvenzrichter Dr. Andreas Schmidt. Zuvor hatte der größte Gläubiger, die HSH Nordbank, recht überraschend für alle Beteiligten seine Unterstützung für das Sanierungskonzept verweigert. Medienberichten zufolge steht Rickmers bei der HSH mit 750 Millionen Euro in der Kreide. Nun geht bei vielen Reedern in der Region die Angst um, die HSH könnte auch bei ihnen den Stecker ziehen, um sich für den eigenen Verkaufsprozess von Altlasten zu befreien. Ende März lief die Frist ab, bis zu der Interessenten Angebote für die HSH abgeben konnten, bis Ende 2018 muss die Bank einen neuen Besitzer gefunden haben.

Vor dem Insolvenzantrag hatte Rickmers mit Gleiss Lutz, den größten Gläubigerbanken HSH und UniCredit sowie den Anleihegläubigern gemeinsam nach einem Ausweg aus der Misere gesucht. Die HSH wurde dabei vom Restrukturierungsexperten Sven-Holger Undritz von White & Case beraten, UniCredit von Dr. Clemens Hillmer von Watson Farley & Williams. Bei Gleiss Lutz waren die Hamburger Partnerin Urszula Nartowska, der Stuttgarter Insolvenzrechtler Dr. Matthias Tresselt und der Bank- und Finanzrechtler Dr. Kai Birke federführend.

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