Auch weltweit ging der Umsatz zurück, jedoch sank er nur minimal um knapp ein Prozent von 965 auf 957 Millionen Euro.
In der Liste der umsatzstärksten Kanzleien rutscht White & Case mit Einnahmen in Höhe von 118 Millionen Euro hierzulande voraussichtlich auf Platz zehn ab, Noerr überflügelte sie dank eines Plus von 9,3 Prozent und liegt nun bei 126,7 Millionen Euro (mehr…).
Für White & Case ist das Umsatzminus ein im Vergleich zu den Vorjahren ungewohntes Ergebnis, denn trotz der Wirtschaftskrise gelang es ihr in sieben der vergangenen acht Jahre, sowohl ihren Umsatz als auch ihren UBT zu steigern. Lediglich 2009 verbuchte sie ein Umsatzminus von 6,8 Prozent. 2010 machte sie einen Teil davon wieder wett und legte um 4,3 Prozent zu (mehr…).
Mit ihrem Ergebnis entwickelte sich White & Case nicht nur gegen den eigenen Trend, sondern auch gegen den vieler Wettbewerber, denn der Großteil der Top-10-Kanzleien verzeichnete im vergangenen Jahr Umsatzsteigerungen, wenn zum Teil auch nur geringe.
Zu dem Minus trug unter anderem das nach wie vor eher flaue Geschäft für Finanzierungen bei, traditionell eine der starken Praxen bei White & Case. Auch der eher verhaltene Transaktionsmarkt verhinderte ein besseres Ergebnis. Zwar konnte die Kanzlei hier einige Erfolge erzielen, unter anderem die für Beobachter überraschende Mandatierung durch Clariant beim milliardenschweren Kauf von Süd-Chemie (mehr…). Dennoch konnten die M&A-Konkurrenten an der Marktspitze wie Freshfields Bruckhaus Deringer und Hengeler Mueller vor allem bei Premiumdeals erheblich mehr Mandate auf sich vereinen.
Andererseits legte White & Case in weiteren für sie bedeutenden Praxen zu, insbesondere die Insolvenz- und Restrukturierungsarbeit war ein Pfund, mit dem sie erneut wuchern konnte. Ein herausragender Erfolg war etwa die Bestellung von Dr. Biner Bähr zum Insolvenzverwalter von Teldafax (mehr…).
Das vergangene Geschäftsjahr macht deutlich, dass die von Markus Hauptmann geführte deutsche White & Case-Praxis an einem wichtigen Punkt ihrer Entwicklung angekommen ist. Will eine Kanzlei ihrer Größenordnung in einem insgesamt nicht stark wachsenden Gesamtberatungsmarkt mehr Anteile auf sich vereinen, muss sie die Qualität ihrer Arbeit weiter steigern. Dazu gehört unter anderem einer höherer Anteil an großen Transaktionsmandaten. Nach Umsatz pro Berufsträger bewegt sich White & Case derzeit noch um Platz 20 herum.
Es gibt unterdessen klare Anzeichen dafür, dass die Kanzlei die Erwartungshaltung an ihre Partner weiter erhöht. Diese können oder wollen offenbar nicht alle erfüllen. So ist die Fluktuation auf Partnerebene seit Mitte 2011 deutlich höher als in den vergangenen Jahren. (René Bender)