In Unternehmen erledigt die Rechtsabteilung inzwischen vieles selbst – mit KI. Verträge prüfen, Standardfragen klären, erste Entwürfe erstellen: Was früher an Kanzleien ging, bleibt heute im Haus. Nach außen gegeben wird nur noch, was wirklich komplex oder risikobehaftet ist.
Für Kanzleien heißt das: Das Stundenvolumen pro Mandat schrumpft. Der KI-Einsatz auf Mandantenseite reduziert den Aufwand. Was bleibt, sind keine abrechenbaren Stunden, sondern der Bedarf nach qualitativ hochwertiger anwaltlicher Beratung, die nicht zwingend viel Zeit kostet.
Genau hier liegt die eigentliche Herausforderung. Kanzleien müssen den Wert ihrer Arbeit bepreisen, nicht die Zeit, die sie dafür brauchen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Die Zeitabrechnung ist tief in der Kanzleiwelt verankert, prägt Arbeitsweise, Organisation und Kultur – und funktioniert bei den meisten Kanzleien (gerade) noch gut. Wer daran rüttelt, muss sein Geschäftsmodell umstellen, und das im laufenden Betrieb. Innovation nebenher gelingt selten.
Doch das Zögern hat einen Preis. Andere Akteure positionieren sich längst: KI-Unternehmen, Legal-AI-Anbieter und neu gegründete KI-Kanzleien. Ihr Vorteil? Sie müssen nichts umbauen. Kein Tagesgeschäft, keine dringlichen Mandate, keine gewachsenen Strukturen, die sie parallel umkrempeln müssten. Sie starten ökonomischer, flexibler und mit einem Modell, das von Anfang an zum heutigen Markt passt. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, sollte jetzt handeln, solange das alte System noch trägt. Denn der Wert anwaltlicher Arbeit verschwindet nicht, er bleibt und dürfte künftig sogar steigen. Er bemisst sich nur nicht länger in Stunden, die alle gleich viel kosten. Also, liebe Anwälte: Erkennt euren eigenen Wert, bevor es andere tun!