Artikel drucken
06.11.2009

Poker vorbei: Telefónica siegt im Ringen um Hansenet mit CMS

Eine lange Suche hat ein Ende: Der Hamburger Breitbandanbieter Hansenet hat mit dem spanischen Telekommunikationskonzern Telefónica einen Käufer gefunden. Mit 900 Millionen Euro zahlen die Spanier dabei weniger als von Experten erwartet an die italienische Hansenet-Muttergesellschaft Telecom Italia.

Am deutschen Markt war Telefónica bislang schon mit ihrer Mobilfunktochter O2 vertreten. Bereits seit Wochen galten die Spanier, Hauptaktionär bei Telecom Italia, als aussichtsreichster Kandidat im Rennen um Hansenet, das hierzulande unter der Marke Alice bekannt ist. Erst in den vergangenen Tagen war der Internetanbieter United Internet aus dem Bieterverfahren ausgestiegen. Auch der Telekommunkationskonzern Vodafone hatte ein Angebot eingereicht, das Telecom Italia aber als zu niedrig angesehen haben soll.

Auch die Preisvorstellungen von Telefónica sahen die Italiener nach Medienberichten lange als nicht akzeptabel an, die Verhandlungen zogen sich hin. Marktexperten hatten für Hansenet einen Preis zwischen einer und 1,5 Milliarden Euro erwartet. Mit den nun erzielten 900 Millionen Euro will Telecom Italia Schulden abbauen.

Hansenet beschäftigt 2.300 Mitarbeiter, 1.300 davon in der Konzernzentrale in Hamburg. Das Unternehmen war 1995 an den Markt gegangen und ist mit 2,3 Millionen DSL-Kunden inzwischen die Nummer vier auf dem deutschen Markt für schnelle Internetanschlüsse. Zwischen 2004 und 2008 steigerte die Gesellschaft ihren Umsatz von 161,1 Millionen Euro auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Nach Meinung von Experten könnte die Hansenet-Übernahme der Startschuss für eine weitere Konsolidierung am deutschen Markt sein. Telefónica rückt mit dem Deal neben Vodafone und United Internet zu einem der größten Konkurrenten der Deutschen Telekom auf. (René Bender)

Berater Telefónica
CMS Hasche Sigle (München): Dr. Oliver Thurn (Federführung; M&A) – aus dem Markt bekannt
Inhouse (O2; München): Nicht bekannt

Berater Telecom Italia
Linklaters (Frankfurt): Peter Erbacher (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Michael Ehret (Steuern), Matthew Devey (Arbeitsrecht), Dr. Jens Matthes (IP; Düsseldorf); Associates:  Bettina Klüwer, Ann-Catherine Hoffmann, Mario Pofahl, Franziska Edler (alle Corporate/M&A), Daniel Pauly (IT), Daniel von Brevern (Kartellrecht; Düsseldorf)
Inhouse (Rom):  Dionisio Dima, Esther Baronti

Berater United Internet
Rittstieg (Hamburg): Dr. Stefan Hoffmann; Associate: Kolja de Vries

Berater Vodafone
Freshfields Bruckhaus Deringer: Dr. Michael Haidinger (Hamburg), Dr. Thomas Tschentscher (beide Unternehmensrecht), Dr. Martin Klusmann (Kartellrecht; beide Düsseldorf) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Telekommunikationspraxis von CMS begleitet Telefónica O2 hierzulande schon länger. Gesellschaftsrechtlich und bei Transaktionen trat die Sozietät aber öffentlich bislang noch nicht an der Seite der Spanier in Erscheinung.

Auch Linklaters hat ihre Mandantin Telecom Italia in der Vergangenheit schon beraten, auch der Frankfurter Corporate-Partner Erbacher hatte dabei schon Kontakte zu dem Unternehmen.  Allerdings war es die erste gemeinsame Zusammenarbeit an einer Transaktion, die das Licht der Öffentlichkeit erblickte.

Bei der Übernahme von Hansenet im Jahr 2003 hatte noch Willkie Farr & Gallagher die Italiener betreut. Beim letzten großen Deal mit deutschem Bezug vor drei Jahren stand dann Baker & McKenzie an der Seite von Telecom Italia, als diese hierzulande das Geschäft  des Onlinedienstes AOL übernahmen ( mehr…).

Auch damals hatte United Internet mitgeboten und setzte dabei auf Rittstieg-Partner Hoffmann und Kolja de Vries, der zum kommenden Jahr Equity-Partner der erfolgreichen Hamburger Corporate-Boutique wird. Seit Langem verbindet United Internet und Rittstieg eine sehr enge Mandatsbeziehung.

  • Teilen