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28.10.2010

Sanierung gescheitert: Kebekus vorläufiger Insolvenzverwalter von Honsel

Nach dem Insolvenzantrag des Automobilzulieferers Honsel aus dem sauerländischen Meschede, der mehrheitlich RHJ International gehört, hat das Amtsgericht Arnsberg Dr. Frank Kebekus von Kebekus & Zimmermann zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

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Frank Kebekus
Bis zuletzt hatte Honsel mit Lieferanten, den größten Kunden sowie den Investoren Ripplewood und Anchorage um Brückenfinanzierungen und weitere Zuschüsse verhandelt. Zu den Verhandlungspartnern gehörten der Aluminiumhersteller Trimet sowie ZF Friedrichshafen und Daimler. Auch Wilmington Trust, der als Senior Agent für die Senior Banken auftritt, hätte den Refinanzierungsmaßnahmen zustimmen müssen. Doch die beteiligten Parteien konnten sich über ein weiteres, nachhaltiges Restrukturierungskonzept nicht einigen. Dringend benötigte Finanzmittel, die der Restrukturierung zugeflossen wären, stünden deshalb nicht zur Verfügung, hieß es aus Unternehmenskreisen. Honsel ist offenbar auch an der raschen Rückkehr der Nachfrage gescheitert. Durch mangelnde Liquidität soll es zu einem Investitionsstau gekommen sein, zudem sollen Know-how-Träger das Unternehmen zwischenzeitlich verlassen haben. Insolvenzverwalter warnen seit Langem vor Pleiten im Aufschwung, wenn die Unternehmen zum Kauf von neuen Anlagen, Maschinen und zur Vorfinanzierung neuer Aufträge gezwungen sind.

Dem Private-Equity-Investor Ripplewood Holding Japan International (RHJ), Tochter des US-Investors Ripplewood, gehört seit 2004 die Mehrheit an Honsel (mehr…). Die mehr als 620 Millionen Euro teure Übernahme war damals größtenteils kreditfinanziert, Honsel trägt seitdem eine erhebliche Schuldenlast. Im Juli 2009 war das angeschlagene Unternehmen durch einen Tausch der Schulden in Eigenkapital (Debt-for-Equity-Swap) auf stabilere Beine gestellt worden (mehr…). RHJ hatte 50 Millionen Euro frisches Kapital in Honsel gepumpt und war mit 51 Prozent der Anteile Mehrheitsaktionär geblieben. 49 Prozent der Anteile waren auf die vorrangigen Gläubiger übertragen worden. Der Honsel-Schuldenstand war danach von 510 auf 140 Millionen Euro gesunken.

Honsel stellt Leichtmetallteile für Motoren, Getriebe, Fahrwerke und Karosserien für Autos und Nutzfahrzeuge her. Zu den Kunden gehören etwa ZF Friedrichshafen und Daimler. Im Geschäftsjahr 2009/10 beschäftigte Honsel noch 3.800 von einst 5.000 Mitarbeitern und setzte 540 Millionen Euro um. Marktbeteiligten zufolge ist Honsel als Lieferant für Lkw-Getriebegehäuse kaum zu ersetzen. Daher war Presseberichten zufolge zuletzt über eine Aufteilung von Honsel verhandelt worden. (Geertje Oldermann, Markus Lembeck)

Berater vorläufiger Insolvenzverwalter
Kebekus & Zimmermann (Düsseldorf): Dr. Frank Kebekus (Verwalter)

Berater Ripplewood
Gleiss Lutz (Frankfurt): Dr. Jan Bauer (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Burkhard Jäkel (beide Federführung; Bank-/Finanzrecht), Dr. Andreas Spahlinger (Restrukturierung; Stuttgart), Matthias Müller (Gesellschaftsrecht/M&A); Associate: Dr. Björn Simon (Restrukturierung)

Berater Honsel (Gesellschaft)
Freshfields Bruckhaus Deringer
(Hamburg): Dr. Lars Westpfahl (Konfliktlösung/Restrukturierung), Jochen Ellrott (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Wolfgang Kotzur (Frankfurt); Associates: Simone Schönen (beide Bank- und Finanzrecht), Dr. Oleg Burujana (Gesellschaftsrecht/M&A)
Menold Bezler
(Stuttgart): Dr. Michael Oltmanns; Associate: Roman Becker

Berater Wilmington Trust
Latham & Watkins (Hamburg): Frank Grell (Restrukturierung), Dan Maze (Finance; London) – aus dem Markt bekannt

Berater Anchorage
Kirkland & Ellis (München): Dr. Leo Plank – aus dem Markt bekannt

Berater ZF Friedrichshafen
Grub Brugger & Partner (Stuttgart): Dr. Thilo Schultze
Inhouse (Friedrichshafen): Martin Kay (Rechtsabteilung)

Berater Daimler
White & Case (Hamburg): Dr. Sven-Holger Undritz (Insolvenz-und Sanierungsrecht), Dr. Tom Oliver Schorling (Restrukturierung; Frankfurt), Dr. Helge Hirschberger (Insolvenzrecht); Associate: Sascha Schmidt (Bank-/Finanzrecht; Frankfurt)
Inhouse (Stuttgart): Bernd Fritzinger (Senior Counsel) – aus dem Markt bekannt

Berater Trimet
Luther (Düsseldorf): Dr. Markus Schackmann (Federführung; M&A), Dr. Volker Steimle (Commercial; Köln), Andreas Naujoks (Banking/Finance; Eschborn); Associates: Andreas Hecker, Dr. Felix Stamer (beide M&A)

Hintergrund: Die Berater sind größtenteils seit Jahren mit dem Honsel-Komplex befasst und standen wie Gleiss und Freshfields beispielsweise bei der erst im Sommer zunächst scheinbar erfolgreich abgeschlossenen Restrukturierung von Honsel zur Seite (mehr…).

Gleiss hatte Ripplewood auch schon beim Erwerb von Honsel 2004 (mehr…) sowie bei dem anschließenden Abfindungsverfahren von Honsel-Aktionären beraten (mehr…). Die Kanzlei berät Ripplewood regelmäßig, unter anderem beim Erwerb des Verlagshauses Reader’s Digest. Beim Ringen um Opel dagegen beriet Gleiss mit Magna einen anderen Bieter, Ripplewood soll damals von Freshfields-Partner Dr. Stephan Waldhausen beraten worden sein (mehr…).

Menold-Partner Oltmanns betreut Honsel seit Jahren. Die Federführung lag aktuell bei Freshfields. Die Kanzlei war bei der Umschuldung im Sommer 2009 erstmals für Honsel tätig gewesen. Oltmanns war insbesondere für den Kontakt mit dem Aufsichtsrat und der Kommunikation mit den Arbeitnehmern beschäftigt. Unter anderem stand er der Gruppe zur Seite, als Ripplewood im Rahmen eines Secondary-Buy-outs die Mehrheitsbeteiligung von Carlyle erwarb (mehr…). Er begleitete den Automobilzulieferer auch beim Going Private und dem anschließenden Abfindungsverfahren von Minderheitsaktionären, neben einem Team um Milbank Tweed Hadley & McCloy-Partner Dr. Norbert Rieger (mehr..).

Trimet verfügt über keine eigene Rechtsabteilung. Das Unternehmen gehört zu den langjährigen Mandanten von Luther-Partner Schackmann. Er beriet Trimet bereits 2006 beim Kauf der Aluminiumhütte und des Anodenwerks von der Hamburger Aluminium-Werk GmbH und deren Gesellschaftern Alcoa, Norsk Hydro sowie AMAG (mehr…).

Kaye Scholer beriet in der Vergangenheit regelmäßig die Honsel-Familie bei deren Engagement in der Unternehmensgruppe. Der Frankfurter Partner Dr. Sebastian Jungermann gehörte bereits bei der Übernahme durch Ripplewood zum Team, damals noch als Associate, und ist auch weiterhin für die Familie tätig, ebenso wie Dr. Klaus Eyber.

Latham berät den Zusammenschluss von Kreditgebern regelmäßig bei Restrukturierungen. Auch im Honsel-Komplex war der Hamburger-Partner Grell bereits tätig. Im Rahmen der letzten Restrukturierung bereit er das Senior Lenders Steering Committee als Vertretung der vorrangigen Kreditgeber.

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