Juve Plus Manroland zerschlagen

Possehl übernimmt Teile und setzt auf Inhouse-Team

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  • JUVE

Der insolvente Druckmaschinenhersteller Manroland wird zerlegt, ein wesentlicher Teil des Unternehmens ist dabei künftig in Händen des Lübecker Mischkonzerns Possehl. Der Gläubiger-Beirat von Manroland entschied sich heute für einen Verkauf an die norddeutsche Gesellschaft. Verkäufer ist der Insolvenzverwalter Werner Schneider. Das Nachsehen hatte der US-Investor Platinum Equity, der ebenfalls ein Kaufangebot abgegeben hatte.

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Manroland musste Ende November am Amtsgericht Augsburg Insolvenz anmelden. Zuvor waren unter anderem Verhandlungen über eine Restrukturierung des Unternehmens mit der Schweizer Investor Capvis gescheitert (mehr…). Die Insolvenz von Manroland gilt als die größte seit der Pleite des Handelskonzerns Arcandor. Seit Ende November sank die Zahl der Mitarbeiter bereits um 300 auf nun noch 6.200 Angestellte. Davon arbeiten am größten deutschen Standort in Augsburg über 2.200 Mitarbeiter, in Offenbach mehr als 1.700 und in Plauen knapp 700. 1.500 Beschäftigte sind im Ausland tätig. Nach Angaben des Insolvenzverwalters soll die Hälfte der Stellen in Deutschland wegfallen.

Possehl will Manroland nur in Teilen übernehmen, während Platinum Equity das Unternehmen komplett erwerben wollte. Das Possehl-Konzept sieht vor, das Geschäft mit Rollendruckmaschinen in Augsburg fortzuführen, es soll als eigenständige Sparte geführt werden. Für die Fortführung des operativen Geschäfts in Augsburg brauche es eine Kreditlinie im mittleren zweistelligen Millionenbereich, hieß es. Diese werde voraussichtlich von einen Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank bereitgestellt.

Zudem hält sich Possehl eine spätere Beteiligung am Standort Plauen offen. Die Lieferbeziehungen dorthin sollen zunächst beibehalten werden. Der dritte Standort Offenbach ist dagegen nicht Teil der Übernahmepläne. Das Werk wird aus Manroland heraus getrennt, vom Management übernommen und soll dann gemeinsam mit einem Investor saniert werden.

Zur Possehl-Gruppe gehören neun unabhängigen Geschäftssparten. 2011 erzielte der Konzern einen vorläufigen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Für Possehl arbeiten weltweit 9.300 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Deutschland.

Berater Possehl
Inhouse (Lübeck): Henning von Klitzing (Leiter Recht; M&A), Dr. Linda-Martina Apel (Arbeitsrecht)

Berater Platinum Equity
Weil Gotshal & Manges (München): Prof. Dr. Gerhard Schmidt, Tobias Geerling, Dr. Thomas Schmid, Dr. Arnold Büssemaker; Associates: Dr. Barbara Jagersberger, Dr. Fabian Tross, Sven Ceranowski, Mareike Pfeiffer, Phillipp Schlawien – aus dem Markt bekannt

Insolvenzverwalter
Schneider Geiwitz & Partner (Neu-Ulm; Augsburg): Werner Schneider

Berater Insolvenzverwalter
Schneider Geiwitz & Partner: aus dem Markt bekannt

Kebekus et Zimmermann (Düsseldorf): Dr. Frank Kebekus – als Generalbevollmächtigter

Berater Manroland
Gleiss Lutz: Dr. Martin Raible (Düsseldorf), Dr. Ulrich Denzel (Stuttgart) – aus dem Markt bekannt

Berater Manroland-Aufsichtsrat
Hengeler Mueller (München): Prof. Dr. Jochen Vetter – aus dem Markt bekannt

Berater Manroland-Management: Nicht bekannt

Berater Banken: Nicht bekannt

Hintergrund: Der seit Jahren expansive Lübecker Mischkonzern Possehl verzichtet bei Zukäufen häufiger auf externen Rechtsrat. Ohne Kanzlei an seiner Seite steuerte Henning von Klitzing Ende 2010 beispielsweise auch den Kauf des insolventen Kuvertiermaschinenherstellers Böwe Systec. Auch damals war Insolvenzverwalter Schneider der Verkäufer (mehr…). Wenn Possehl jedoch externen Rat in Corporate/M&A-Fragen benötigt, ist Dr. Stefan Duhnkrack, Partner im Hamburger Büro von Heuking Kühn Lüer Wojtek, seit Jahren einer der ersten Ansprechpartner. Er begleitete schon 2005 den Kauf des Elastomertechnik-Geschäftes von ThyssenKrupp Technologies (mehr…) und 2010 den Erwerb des Maschinenbauers DMA.

Weil Gotshal trat bislang noch nicht als Berater von Platinum Equity in Erscheinung und ist dem Vernehmen nach durch eine Empfehlung ins Mandat gekommen. Für die Transaktionen qualifiziert sich die US-Kanzlei gleich in doppelter Hinsicht, denn sie gehört sowohl im Transaktionssegment als auch bei Restrukturierungen zu den weithin anerkannten Wettbewerbern am Markt. In der jüngeren Vergangenheit prägten dabei nicht zuletzt eine ganze Reihe Deals im restrukturierungsnahen Umfeld ihre Arbeit. Eines der bekanntesten Mandate war dabei die Begleitung des Verkaufs der Cabriodach-Sparte des insolventen Osnabrücker Autozulieferers Karmann, der aber letztlich durch das Kartellamt gestoppt wurde (mehr…)

Ansonsten vertraut Platinum Equity regelmäßig vor allem auf Baker & McKenzie, Bingham McCutchen sowie Paul Hastings. So beriet Paul Hastings etwa, als Platinum 2010 wesentliche Geschäftsteile des Metallpulverspezialisten Ecka Granulate aus der Insolvenz erwarb (mehr…) und Baker betreute 2009 den Erwerb der Kabel- und Elektroniksparte des US-Aluminiumkonzerns Alcoa (mehr…). (René Bender)

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