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01.12.2011

Manroland: Latham-Mandantin Capvis springt ab, bekanntes Insolvenzduo übernimmt

Seit einer Woche läuft das vorläufige Insolvenzverfahren über den Druckmaschinenhersteller Manroland. Unter anderem waren die Verhandlungen mit der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis als Investorin gescheitert.

Werner Schneider

Werner Schneider

Capvis wollte nach eigenen Angaben Manroland restrukturieren und alle Firmenbereiche weiterführen. Dafür wollten die Schweizer im Zuge einer Kapitalerhöhung einsteigen. Da jedoch die Restrukturierungskosten deutlich über den Erwartungen gelegen hätten, habe man das Projekt nicht weiterverfolgen können.

Auch die Manroland-Eigentümer Allianz Capital Partners (ACP) und MAN, die mit 75 beziehungsweise 23 Prozent beteiligt sind, wollten zuletzt kein Geld mehr nachschießen.

Nun hat Insolvenzverwalter Werner Schneider das Sagen. Ihm obliegt es, eine Lösung für das Unternehmen zu finden, das an den Standorten Augsburg und Offenbach rund 6.500 Mitarbeiter beschäftigt. Unter anderem geht auch die Investorensuche weiter. Als potenzielle Interessenten werden in der Presse etwa die zum japanischen Canon-Konzern gehörende Firma Océ genannt , die mit Manroland auf dem Gebiet des Digitaldrucks zusammenarbeitet, sowie der deutsche Wettbewerber Heidelberger Druck.

Das Insolvenzverfahren gilt als das größte seit der Pleite von Arcandor. Für die Insolvenzsszene kam es nach JUVE-Informationen nicht überraschend. Seit einiger Zeit war spekuliert worden, ob Manroland das erste Verfahren nach dem neuen Gesetz für eine erleichterte Unternehmenssanierung (ESUG) werden würde, das erst 2012 in Kraft tritt. Diese Hoffnung hat sich jedoch zerschlagen.

Frank Kebekus

Frank Kebekus

Dennoch will Manroland von einem nach wie vor recht jungen Sanierungsinstrument Gebrauch machen: einem Verfahren in Eigenverwaltung. Dabei führt das Unternehmensmanagement die Geschäfte auch dann weiter, falls das Insolvenzverfahren eröffnet und die Eigenverwaltung akzeptiert wird. Der Insolvenzverwalter beaufsichtigt dann als Sachwalter das Verfahren. Als neuer, eigentlich starker Mann wurde zudem der bekannte Düsseldorfer Insolvenzexperte Dr. Frank Kebekus als Generalbevollmächtigter an Bord geholt.

Berater Manroland
Schneider Geiwitz & Partner (Neu-Ulm, Augsburg): Werner Schneider – als vorläufiger Insolvenzverwalter
Kebekus et Zimmermann (Düsseldorf): Dr. Frank Kebekus – als Generalbevollmächtigter

Berater Aufsichtsrat Manroland
Hengeler Mueller (München): Prof. Dr. Jochen Vetter – aus dem Markt bekannt

Berater ACP
Shearman & Sterling (Düsseldorf): Dr. Harald Selzner, Dr. Martin Neuhaus (beide Corporate), Winfried Carli (Finanzierungen; München) – aus dem Markt bekannt

Berater MAN
Nicht bekannt

Berater Capvis
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Christian Edye – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Insolvenzverwalter Schneider ist einer der anerkanntesten Verwalter in Deutschland und zählt in Augsburg zu denjenigen, die stets die größten Verfahren erhalten. Das prominenteste war der Konkurs von Walter Bau, zuletzt verwaltete Schneider hier auch den Textilfaserhersteller Trevira (mehr…) sowie den Kuvertiermaschinenhersteller Böwe Systec (mehr…). Beobachter empfanden es dennoch als überraschend, dass der 68-jährige Schneider vom Insolvenzgericht nun nochmals für ein Verfahren in der Größenordnung Manrolands ausgewählt wurde.

Ihm zur Seite steht Frank Kebekus als Generalbevollmächtigter. Diese Konstellation halten Kenner der Szene für geglückt, denn die Beteiligten kennen sich seit Langem und verfolgen die gleiche ,Philosophie‘. Schneider war von 2004 bis 2006 Sprecher des Gravenbrucher Kreises, einer exklusiven Vereinigung von Spitzenverwaltern in Deutschland, Kebekus ist es heute.

Zudem bilden Kebekus und Schneider-Partner Arndt Geiwitz den Vorstand des Berliner Instituts für Interdisziplinäre Restrukturierung, das sich der Interessenoptimierung der Beteiligten im System des deutschen und internationalen Sanierungs- und Insolvenzrechts widmet. Ziel des Instituts ist es, das Zusammenwirken der Beteiligten eines Insolvenzverfahrens – auch und gerade bereits im Vorfeld einer Insolvenz – wesentlich zu verbessern.

Die Berater von Capvis und ACP sind seit Langem an der Seite ihres jeweiligen Mandanten. Latham-Partner Edye hat Capvis etwa im vergangenen Jahr beim Erwerb der Kaffee Partner Holding betreut (mehr…), ACP wurde bereits bei der Übernahme der Mehrheit des Druckmaschinenherstellers von Shearman beraten (mehr…). (Jörn Poppelbaum)

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